Dauereinsatz im Rathaus

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Tüpfchen für Tüpfchen, Restaurator Hans-Jürgen Linge bei seiner Arbeit am Doppeladler über dem Eingang zum Rathaussaal.

Wasserburg - "Manchmal meine ich, ich bin Maximilian Ritter von Mann", lacht Hans-Jürgen Linge. Seit 20 Jahren beschäftigt sich der Diplomrestaurator mit dem Künstler, der den Wasserburger Rathaussaal ausgemalt hat.

Ritter von Mann gestaltete den Rathaussaal in den Jahren 1903 bis 1905 - manche Bereiche sind mittlerweile aber mehr Linge als Ritter von Mann.

Schmutzpartikel an den Wänden sind das eine, herausgefallene kleine Teile der Malerei das andere und dieses Jahr kommen auch eineige größere Teilchen dazu, weil im Rathaus gebaut wird. Was auch eine gute Seite hat, denn normalerweise ist der historischen Rathaussaal nicht so lange geschlossen wie heuer wegen der Baustelle. Und so kann das Gerüst länger bleiben und Hans-Jürgen Linge kommt ein Stück weiter. Hinter der Eingangstür steht das Gerüst derzeit, um die Malereien über dem Eingang zu konservieren und die kleinen Risse im bayerischen Doppeladler und dem Wasserburger Löwen zu sichern.

"Wir schauen, dass kleinere Schäden kontinuierlich ausgebessert und die Wände kontinuierilch gepflegt werden", sagt Bürgermeister Michael Kölbl. Zwischen 1000 und 7000 Euro jährlich stellt die Stadt für die Arbeit des Restaurators zur Verfügung, je nachdem, was zu tun ist, denn der Saal wird genutzt, von Schulen, für die Rathaus-Konzerte, für die Große Kunstausstellung und anderer Veranstaltungen und mitunter bleiben Kratzer an der Malerei zurück. Und so ist Hausmeister Erwin Hollinger schwer hinterher, dass jeder Veranstalter entsprechend versichert ist. "Es gibt keine Malerei, die man so strapazieren kann", sagt der Restaurator.

Schwer strapaziert haben vor allem die Amerikaner nach dem Krieg den Rathausaal, "die haben hier Basketball gespielt", erzählt Hollinger. Ziemlich strapaziert haben auch die Restauratoren Mitte der 70er-Jahre die Wände mit den Malereien. Sie gingen davon aus, das von Mann mit Ölfarbe gemalt hatte, also verwendeten auch sie Ölfarbe. "Es ist im Original aber Temperafarbe gewesen", sagt Jürgen Linge, der nun seit zwei Jahrzehnten auch mit der Arbeit der früheren Restauratoren zu kämpfen hat. Strapaziert wurde der Saal ziemlich, als die Salzsenderzeile gepflastert wurde, und immer wieder rückte in all den Jahren Linge an, um auszubessern.

Er arbeitet mit Farben auf wasserlöslicher Basis, Retuschen können so jederzeit wieder problemlos weggenommen werden, sollte der Saal irgendwann komplett richtig restauriert werden.

Richtig restauriert hat er in diesem Sommer bis über die Fensterbögen die Südwand. Die Farben der beiden Allegorien Fortuna und Fortitudo leuchten wieder kräftig, die Malerei wirkt wieder plastisch. Zu mehr war nicht die Zeit, denn bis zum ersten Rathauskonzert müssen die kleineren Schäden, bedingt durch die Bauarbeiten im Rathaus, beseitigt und das Gerüst abgebaut sein. Dann hat Hans-Jürgen Linge Zeit für anderes. Zum Beispiel hat er ein Buch mit Weihnachtsgeschichten von Pater Gabriel Lobendanz illustriert, das diesen Monat erscheint.

vo/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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