Detektiv, Typ öffentlicher Dienst

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Detektiv in Wasserburg - da ist Anonymität Grundvoraussetzung. Daher will sich Daniel Steffan auch nur von hinten fotografieren lassen.

Wasserburg - "Daniel Steffan, Berufsdetektiv" steht an der Eingangstür in der Schmidzeile 22. Seit 2007 gibt es dieses Büro in Wasserburg.

Mit Johann Watzmann, seinem Pendant in den Wasserburg-Krimis von Christian Böhm, hat der Alltag von Steffan allerdings wenig gemein. "Unauffällig bleiben" sei das Wichtigste.

Ein kleiner Schreibtisch mit Besucherstuhl, Telefon und Fax, ein Laptop und ein paar Werbe-Kugelschreiber: Viel Zeit verbringt Daniel Steffan nicht in seinem Büro - weniger jedenfalls als in seinem Auto. Zehn Stunden warten auf ein paar vielleicht entscheidende Sekunden: "Das ist keine Seltenheit. Neulich hat eine im Vorbeigehen gesagt: Der wohnt ja im Auto. Da war ich drei Tage am gleichen Objekt."

Für den 26-jährigen Wasserburger ist das kein Problem. "Hauptsache nicht auffallen" könnte seine Devise sein. Ist er erst einmal erkannt, wäre der Großteil seiner Aufträge schwierig, die da lauten: beobachten, Informationen sammeln, dokumentieren.

"Typ öffentlicher Dienst" ist denn auch sicher keine beleidigende Beschreibung für den Privatdetektiv - auch deshalb, weil er vor seiner Selbstständigkeit genau dort tätig war. Bis ihn ein Fernsehbeitrag über diese Arbeit so faszinierte, dass er sich umgehend mit dem interviewten Profi in Verbindung setzte. Er absolvierte berufsbegleitend eine Grundausbildung, machte den Job dann nebenher. Aber die Aufträge wurden immer mehr, und so machte er sich schließlich richtig selbständig, "und ich habe es nicht bereut. Bisher kann ich meine Rechnungen jedenfalls bezahlen."

Mindestens 40 Euro Stundensatz plus Spesen empfiehlt der Berufsverband der bayerischen Detektive als Honorar, drei bis fünf Tage beträgt die durchschnittliche Bearbeitungsdauer pro Fall, so die Erfahrung. Die meiste Zeit davon bedeutet: warten. Denn im Unterschied zu "Watzmann", dem in den beiden Büchern in Wasserburg regelmäßig Leichen vor die Füße fallen, geht es bei Daniel Steffan meistens um untreue Lebenspartner, Arbeitnehmer, die "blau" machen und ähnliche Personenbeobachtungen - was nicht heißt, dass nicht auch das aufregend sein könnte.

Beispielsweise, als er im Privatauftrag wegen eines versuchten Mordes recherchierte. Oder als er bei beißender Kälte mit seiner Kamera-Ausrüstung in München einem Mann im Park hinterherjoggen musste, um ja nichts zu verpassen. Einmal entdeckte er erst auf einem versteckt aufgenommenen Video, dass bei seinem Gespräch an der Haustür hinter seinem "Opfer" eine Puppe mit schwarzer Gummimaske im Hausgang stand, "das war schon gruselig".

Aber dann gibt es auch die Tage, an denen Daniel Steffan zehn Stunden ohne Unterbrechung konzentriert auf eine Hausfassade schauen muss, um nichts zu verpassen - und nichts passiert. "Da hat man dann am Abend schon Kopfweh".

Denn auch wenn natürlich ein wenig Agentenspielzeug zum Einsatz kommt wie Kamerabrille oder Minikamera in Kugelschreiber und Autoschlüssel-Attrappe: "Das Wichtigste ist die persönliche Wahrnehmung" - und ganz konventionell Notizblock und Kamera. Außerdem spielt das Internet eine große Rolle für die Ermittlungen - "und ein gewisses Netzwerk: Man kennt da jemanden, der wieder jemanden kennt..."

Überhaupt würde er nie etwas annehmen, das ins Illegale geht. "Da könnte man schnell zusperren." Im Gegenteil: Immer wieder sei es verletztes Rechtsempfinden, das ihm Kunden beschere. Beispielsweise im Fall einer Wohnungskündigung wegen Eigenbedarf, weil sich das Besitzer-Ehepaar angeblich getrennt hatte: "Ich konnte nachweisen, dass die jede Nacht unter dem selben Dach verbringen." Oder in einem Unterhaltsstreit: Die Mutter wollte das Sorgerecht für die Kinder wieder, arbeitete aber als Prostituierte und war in Wirklichkeit ohne festen Wohnsitz.

In so einem Fall geht das Material meist an einen Anwalt. Die würden seinen Namen inzwischen schon kennen, glaubt der Detektiv. Und das nicht nur in Wasserburg: "Das wäre zu klein, ich arbeite eigentlich meistens außerhalb, von Ebersberg bis Traunstein und Mühldorf bis Rosenheim." Oder in München, wo er ganz zu Beginn seiner Karriere am Hauptbahnhof einige Tage den Penner spielte, um bei einer Observation nicht aufzufallen.

"Dienstleistung" sei das alles - und zwar weitgehend krisensichere: "Lebenspartner sind auch in einer Wirtschaftskrise untreu." Jeder Kunde erhält zum Abschluss einen Fragebogen zur Qualitätssicherung. Halbseidende Anfragen werden von vorneherein abgelehnt, "zum Beispiel, wenn jemand nur über das Autokennzeichen eine Frau kennenlernen will."

Korrekt geht es also zu, und nicht nur das ist ganz anders als bei Watzmann, bei dem es in der Arbeit ständig um Grenzüberschreitungen und das Aufreißen von Frauen geht. Daniel Steffan hat auch keine Schusswaffe - "die brauche ich nicht und würde ich wohl gar nicht bekommen." Aber mit Krimis und Detektivgeschichten hatte es der Berufsdetektiv ohnehin noch nie so arg. "Ich hab mich eigentlich schon immer eher für das deutsche Recht interessiert und dafür, wie es in der Praxis umgesetzt wird."

Karl Königbauer (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser