Drei Stunden Luft für die Angehörigen

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Den neuen Baustein "Betreuungsgruppe für Demenzkranke" im "Puzzle Mehrgenerationenhaus" setzten Roland Legat und Regina Semmler bei der Eröffnung des Angebotes ein. Dieses Puzzle solle aber kein Rätsel, sondern eine Lösung sein, meinte dazu Maria Klausner.

Wasserburg - Eine alternde Gesellschaft muss sich dem Problem der Demenz stellen. In Wasserburg gibt es dafür nun als weiteres Angebot eine Betreuungsgruppe im Mehrgenerationenhaus.

Angehörige von Demenzkranken sind in der Regel maximal gefordert. Sie müssen wenigstens kurzzeitig entlastet werden. Dafür gibt es in Wasserburg eine Betreuung zuhause durch 41 ehrenamtliche Pflegepartner der Caritas, es gibt Tages- und Kurzzeitpflege. Und es gibt jetzt ein besonders "niederschwelliges" Angebot: In den Räumen des Mehrgenerationenhauses (MGH) wird jeden Mittwoch von 14 bis 17 Uhr eine Betreuungsgruppe für Demenzkranke angeboten.

Hintergrund für diese Einrichtung ist zum einen, dass sie eine gute Ergänzung zum restlichen Angebot für Demenzkranke ist, das von der Caritas beziehungsweise der Stiftung Attl im Altenheim auf der Burg gemacht wird. Zum anderen hat diese Betreuungsgruppe ihre Wurzeln in der Weiterförderung des Wasserburger MGH durch das Bundesfamilienministerium: Bedingung dafür war die Erweiterung des Angebotes in Richtung ältere Personen.

Für Regina Semmler, die Leiterin des MGH, ist die Betreuungsgruppe eine weitere Bereicherung. Doch klar war auch, dass der Kinderschutzbund als Träger hier einen Kooperationspartner mit mehr Fachbezug zu Demenz braucht. Den fand man im Caritas-Zentrum Wasserburg.

Sozialpädagoge Roland Legat konzipierte mit einem Team die neue Betreuungsgruppe. Die geschulten Pflegepartnerinnen sichern ein Betreuungsverhältnis von eins zu eins. Die Leitung hat die erfahrene Pflegefachkraft Monika Sturm. Der Raum ist rollstuhlgerecht. Und das Programm wird individuell auf die mindestens zwei, maximal sechs Demenzkranken zugeschnitten. Es geht je nach Leistungsfähigkeit vom Ratsch über Spiele bis zur Gartenarbeit im Freien.

Eine hervorragende Ergänzung bestehender Angebote sei das, war Bürgermeister Michael Kölbl bei der Eröffnung überzeugt - und ganz ohne "Verdrängungswettbewerb" unter den Sozialträgern. Die müssten künftig ohnehin voll auf Kooperation und Miteinander statt Nebeneinander setzen, so Maria Klausner, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes, überzeugt. Dies sei auch von Anfang an das Anliegen des MGH gewesen: die Vernetzung von Ressourcen und Trägern unter einem Dach.

Erwin Lehmann, Kreisgeschäftsführer der Caritas-Zentren, sah in der Betreuungsgruppe einen weiteren Baustein dazu, dass ältere Menschen möglichst lange zuhause bleiben können.

Vor allem sollen und müssen dafür die sie Betreuenden entlastet werden. Die seien möglicherweise unsicher, ob diese Gruppe für "ihren" Senior etwas ist, vermutete Roland Legat. Zur Klärung gibt es ein Vorgespräch, ansonsten aber soll der Ablauf möglichst unbürokratisch, eben niederschwellig, sein. Die Angehörigen melden die Betreuung telefonisch an, es wird wenn nötig ein Fahrdienst auch aus umliegenden Gemeinde organisiert. Hier sagte Bürgermeister Kölbl die Unterstützung des Fahrdienstes der Spitalstiftung zu - wenn nötig auch bei den Kosten.

Die sind für die Gruppe so kalkuliert, dass sie durch den Pflegekassen-Zuschuss für "besondere Betreuungsleistungen" gedeckt sind. Jetzt gehe es eigentlich nur mehr darum, dass Angehörige von Demenzkranken ihr eventuelles "Schamgefühl" überwinden, sich nicht verstecken, und sich auch einmal ein paar Stunden Freiraum zugestehen, meinte Roland Legat: "Wir stehen ab sofort parat."

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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