Dreister Kreditbetrug bei Autokauf

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Spurlos verschwunden ist diese fast 30.000 Euro teure Chrysler-Limousine. Vermutlich hat sich der Kreditbetrüger, der einen Kolbermoorer ausgetrickst hat, mit dem Wagen nach Osteuropa aus dem Staub gemacht. Das neue Kennzeichen: GÖ-A 8448.

Rosenheim/Landkreis - 431 PS und ein 6,1-Liter-Motor: Liebhaberautos wie die Chrysler-Limousine von Klaus S. aus Kolbermoor sind selten und fallen auf.

Doch am Schwaiger Kreisel und an der Mangfall wird man das Auto nicht mehr sehen. Eher schon in Warschau, Kiew oder Minsk. Denn der Wagen ist inzwischen europaweit zur Fahndung ausgeschrieben. Klaus S. ist nämlich einem gerissenen Kreditbetrüger zum Opfer gefallen.

Das Besondere dabei: Über den Tisch gezogen wurde nicht ein naiver Anfänger, sondern ein Profi. Klaus S. verdient sein Geld nämlich als Verkäufer bei einem großen Autohaus im westlichen Landkreis Rosenheim. "Über die Hälfte der Autos verkaufe ich inzwischen per Kredit", sagt der 50-Jährige. "Das könnte jedem meiner Kollegen auch passieren. Deshalb muss man sie vor dieser Masche warnen."

Besonders bitter für den 50-jährigen Kolbermoorer: Bei dem Chrysler handelte es sich um sein Privatauto. Deshalb bleibt er persönlich auf dem Schaden von fast 30.000 Euro sitzen. Ende Oktober hatte sich ein Interessent aus Göttingen gemeldet und erklärt, er wolle den im Internet angebotenen Wagen per Kredit kaufen. Danach wurden Kopien, Verträge und Anträge hin und her gefaxt - und vor ein paar Tagen war es dann so weit: Der neue "Besitzer" kam extra aus Göttingen nach Oberbayern, "kaufte" die vier Jahre alte Limousine (Neupreis 65.000 Euro) für rund 28.000 Euro über den Kredit, den ihm der Verkäufer über das Autohaus verschafft hatte, und brauste davon.

Für Klaus S. war die Welt zu diesem Zeitpunkt noch in Ordnung. Schließlich hatte der polnische Staatsbürger mit Wohnsitz in Göttingen alle Dokumente vorgelegt, die man bei solchen Geschäften braucht - unter anderem Ausweis, Meldebescheinigung und Datev-Gehaltsbescheinigung.

Doch ein paar Tage später meldete sich die finanzierende Bank. Der Gehaltsnachweis war gefälscht, wie sich bei einem Anruf der Bank beim angeblichen Arbeitgeber herausstellte. Dort kannte man den Käufer nämlich nicht. Klaus S. setzte nun alle Hebel in Bewegung. Der Sohn des Käufers bestätigte ihm noch per SMS, dass er den Wagen zurückbringen werde - aber auch das war natürlich gelogen. Nun sind der Pole, das Auto und das Geld weg. Die Bank zahlt den Kredit nicht aus, weil die Angaben gefälscht waren. Nur der Fahrzeugbrief kam zurück. Aber für den kann sich der 50-Jährige nichts kaufen.

Natürlich ging Klaus S. sofort zur Polizei. Solche Kreditbetrügereien kämen immer wieder mal vor, teilt das Rosenheimer Polizeipräsidium mit - nicht nur beim Autokauf, sondern auch bei Kontoeröffnungen oder Handyverträgen. Laut Kripo Göttingen verliert sich die Spur des Betrügers im Rotlichtmilieu der 120.000-Einwohner-Stadt.

Klaus S. und seine Kollegen in der Rosenheimer Autobranche vermuten, dass es sich um einen gezielten Betrug im Auftrag eines osteuropäischen Ganoven gehandelt hat, der seinen Fuhrpark mit einem Chrysler 300 C SRT 8 - deutschlandweit sind davon nur 80 Stück zugelassen - erweitern wollte.

1000 Euro Belohnung ausgesetzt

"Die Chancen, dass das Auto wieder auftaucht, sind gering", macht sich Klaus S. wenig Hoffnungen. Für Hinweise, die zum Betrüger oder zum Auto führen, setzt er privat eine Belohnung von 1000 Euro aus. Das neue Kennzeichen: GÖ-A 8448; die Fahrgestellnummer ist: 1C3H8E3W87Y564696.

Weil der Kunde mehr denn je König ist im Zeitalter der Leasing- und Kreditverträge, ist ein Autokauf wie bei dem Chrysler gängige Praxis, wie auch Mitarbeiter von anderen Autohäusern bestätigen. Es muss schnell gehen. Kaum jemand wartet mit der Schlüsselübergabe, bis auch das letzte Detail überprüft ist. "Das war Pech. Der Kollege hat genau den einen unter 10.000 Käufern erwischt, an den keiner von uns geraten will", bringt es ein Autoverkäufer auf den Punkt.

Was Betrugsopfer Klaus S. besonders wurmt: Theoretisch könnte der Pole die gleiche Masche sofort wieder abziehen. Zwar steht er jetzt im Fahndungsregister der Polizei, einen Eintrag bei der Schufa bekommt er aber nicht, weil der Kredit nicht zur Auszahlung gekommen ist...

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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