Drogen sind des Pizzabäckers Problem

Wasserburg - Es seien doch keine "schlimmen" Drogen, befand der Angeklagte, der den ganzen Wirbel um seinen Konsum nicht wirklich nachvollziehen konnte. Die Strafe akzeptierte er aber.

Mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit geriet ein 20-jähriger Pizzabäcker im November des letzten Jahres in eine Polizeikontrolle in Gabersee. Dabei zeigte er sich gegenüber den Beamten, die in seiner Geldtasche zwei Haschischklumpen mit 1,2 Gramm fanden, äußerst redselig und enthemmt. Ein daraufhin durchgeführter Bluttest ergab 1,03 Promille Alkohol und einen deutlichen Drogenkonsum. Nun musste sich der junge Mann vor dem Amtsgericht Wasserburg wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr in Tateinheit mit dem unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln verantworten.

Das Gericht traf dabei keinen Unbekannten, denn erst im Februar dieses Jahres war der Angeklagte, der bereits drei Einträge im Bundeszentralregister hat, wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 250 Euro verurteilt worden. Auch damals waren Alkohol und Drogen im Spiel.

Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte geständig und räumte die Tat voll ein. Obwohl er bereits mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist und seinen Führerschein abgeben musste, sah er für sich jedoch kein Drogenproblem. Den Gedanken, dass Trinken und Kiffen nicht so gut sei, habe er schon manchmal, "aber wenn die richtigen Leut beisammen sind, mach ich's doch wieder", sagte der Angeklagte vor Gericht.

Drogen konsumiere er seit seinem 15. Lebensjahr. Dabei handle es sich vorwiegend um Cannabis, doch auch Amphetamine und Super Tex habe er schon probiert. Am Tattag habe er einen Freund heimgefahren und vorher ein paar Bier "und vielleicht ein Schnapserl" getrunken. Unglücklicherweise sei er dann kurz vor der Wohnung des Freundes in die Kontrolle geraten. Auf die Frage des Gerichts, wann er denn mit Alkohol und Drogen aufhören wolle, antwortete der Angeklagte, dass er dann vielleicht nächste Woche und vielleicht für ein Jahr aufhören würde. Schließlich müsse er sich auf die MPU vorbereiten.

Für ihn handle es sich um keine schlimmen Drogen und deshalb habe er auch schon überlegt, in ein anderes Bundesland umzuziehen, wo der Konsum erlaubt sei. Der Besitz von Betäubungsmitteln sei bundeseinheitlich verboten, klärte das Gericht auf. "Wenn Sie mit Drogen Auto fahren, ist der Schein überall weg, da wird es mit der MPU nix".

"Sein Problem sind die Drogen" fand die Jugendgerichtshilfe, die eine Reifeverzögerung bei dem Angeklagten nicht ausschließen wollte. Da ein Drogenfreiheits-Kurs beim Angeklagten nicht viel bewirken würde, schlug der Fachdienst des Jugendamts als Strafe Sozialstunden und vier Termine in einer Orientierungsgruppe bei Neon vor. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einem Wochenende Freizeitarrest, acht Tagen gemeinnütziger Arbeit und der Teilnahme am Neon Präventions- und Suchthilfeprogramm, je nach therapeutischer Weisung. Beim Angeklagten zeige sich kein Ansatz der Erkenntnis und keine Bereitschaft, was zu ändern, hieß es in der Urteilsbegründung.

Der Angeklagte müsse sich "nicht nur für ein Jahr, sondern für ein ganzes Leben" ändern. Im Arrest habe er Zeit, darüber nachzudenken. Der Angeklagte fand den Arrest nicht sinnvoll, da er kein Krimineller sei und dort mit "lauter solchen Leuten" zusammen käme. Trotzdem nahm er das Urteil an.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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