Ja, mir san mim E-Bike da

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Wasserwerk vor E-Werk - nicht nur, dass Hans Maier hier eine halbe Reifenlänge vor Fritz Neuner liegt, auch bei den Fahrten mit den Elektrofahrrädern hat das Wasserwerk die Nase vorn.

Wasserburg - Mit dem Frühling beginnt auch die Radlsaison. Immer mehr Fahrradfahrer sind mit elektrischer Unterstützung unterwegs - auch Stadtwerke-Mitarbeiter.

"Jetzt sind die E-Bikes auch bei uns angekommen", lacht Alex Mitter von Bikes&Parts in Unterreit. Bisher sei Bayern Schlusslicht in Deutschland gewesen, aber jetzt steige die Nachfrage deutlich. Und das nicht nur bei der Generation 50+, sondern in den letzten zwei Jahren auch bei den Jüngeren, die E-Bikes als Ersatz für Auto oder Mofa nutzen, fügt Bernhard Gruber vom gleichnamigen Bikeservice in Haag an. Walter Seidinger, Fahrradfachmann aus Wasserburg, hat sogar schon E-Mountainbikes in den Bergen gesehen. "Es ist definitv der Markt der Zukunft", meint auch Gerhard Lindauer von Radsport Lindauer in Ramerberg.

Billig ist ein E-Bike nicht. Rund um die 2000 Euro müsse man schon anlegen, sind sich die Fachleute einig. Dazu kommt der Akku, der den Motor antreibt. Laut Gruber hat sich der Mittelmotor durchgesetzt, "weil er kein Rad bevorzugt". Mitter empfiehlt seinen Kunden einen Lithium-Ionen-Akku, möglichst ein deutsches Fabrikant, "da ist im Notfall der Sevice einfacher, schneller."

Wobei kein Akku eine unbegrenzte Lebensdauer hat. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) geht von 1000 Ladezyklen beziehungsweise drei bis fünf Jahren Lebensdauer aus, wobei nach etwa 350 Ladezyklen die Kapazität abnehmen. Das kann Kurt Fritsch nur bestätigen. Der Chef der Wasserburger Stadtwerke hat für seinen Betrieb zwei E-Bikes angeschafft und nun, nach einem Jahr, merke man langsam, dass die Akkuleistung nachlasse.

85 Prozent der Käufer seien 50 Jahre oder älter schätzt Mitter, Lindauer und Seidinger haben die gleiche Erfahrung gemacht. Ziel ist zumeist, sich möglichst lange die Mobilität zu erhalten. Oft aber, hat Mitter amüsiert festgestellt, ist auch ein Partner deutlich schneller unterwegs - und dann kauft sich der Langsamere ein E-Bike, damit wieder gemeinsam geradelt werden kann.

Aber es kommen auch immer mehr jüngere Käufer. Sei es die Mutter, die Unterstützung beim Ziehen des Kinderanhängers will, oder der Berufstätige, der morgens mit Motor flott in die Arbeit kommen und auf dem Heimweg ohne Motor gleich noch etwas für die Fitness tun will.

Einfach mal schnell losgehen und E-Bike kaufen, das geht nicht, sind sich die Fachleute einig. Da ist schon eine ausführliche Beratung nötig. "Wobei die Leute sich vorher schon gut informiert haben", so Seidinger. Dennoch muss geklärt werden, welche Antriebsart es nun genau sein, wo der Motor sitzen soll. Mindestens eine Stunde für die Beratung, dazu Zeit zum Probefahren, also zwei bis drei Stunden sollte man schon einplanen. "Dann weiß man in etwa, was man braucht, um auf so einem Radl glücklich zu werden", so Lindauer.

E-Bike bei den Stadtwerken

Glücklich mit ihren E-Bikes sind die Mitarbeiter der Stadtwerke, Sie fuhren in einem Jahr mehr als 1000 Kilometer auf die beiden Radl. Wobei die Wasserwerkler die eifrigeren E-Radler sind, fast doppelt so viel Kilometer zurückgelegt haben, wie die Kollegen vom E-Werk. A propos Kollegen: Wenn da mal einer vergisst, den Akku wieder aufzuladen? Bisher rot im Kalender anzustreichen, aber: "In zwei Stunden ist er wieder voll."

Den Großteil der gut 1000 Kilometer haben Fritsch, Maier sowie Franz Klein und Fritz Neuner vom E-Werk auf die E-Bikes gestrampelt, "ich bin im Stadtgebiet nur noch mit dem E-Bike unterwegs", so Fritsch, "bei mir ist es wetterabhängig", gibt Maier zu. Die Techniker von Wasser- und E-Werk nehmen die Bikes nur, wenn sie schnell zum Ablesen müssen oder nur eine kleine Reparatur fällig ist. Denn mit dem ganzen Werkzeug wird's dann doch schwierig.

Den in den Prospekten angegebenen Akku-Reichweiten kann man übrigens nur bedingt trauen, die sind für Windstille, ebenes Gelände und kleinste Unterstützung ausgelegt. Wenn Wasserwerkschef Hans Maier mit kleinster Unterstützung zum Badria hochradelt - "Klasse, da kommt man nicht so verschwitzt an" -, verbraucht er weniger Reichweite, als Werkleiter Kurt Fritsch, der grinsend zugibt, immer auf Stufe drei unterwegs zu sein "da brauchst fast gar nix mehr tun." Ein schlechtes Gewissen braucht der Leiter der immer ökologischer werdenden Stadtwerke angesichts der Umweltfreundlichkeit der E-Bikes nicht zu haben. Doppelt nicht, denn: "Wir laden die Akkus mit Öko-Strom."

Sylvia Hampel/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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