Wächst Edling zu schnell, Herr Schnetzer?

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Edling - 150 Neubürger allein 2012: Im Gespräch mit wasserburg24 berichtet Bürgermeister Schnetzer, wie er diese Herausforderung für seine kleine Gemeinde meistern will.

Matthias Schnetzer ist Bürgermeister in Edling. Seit 2008 kümmert er sich hier um das Gemeindewohl. Zuvor war er bereits einige Jahre als zweiter Bürgermeister aktiv. Die Gemeinde wächst stetig. Für wasserburg24 hat sich das Gemeindeoberhaupt ein bisserl Zeit genommen und den Ort mit der Redaktion erkundet:

Herr Schnetzer was macht Edling so lebenswert?

„Wir sind strukturell sehr gut aufgestellt. Die Grund- und Mittelschule wurde saniert, drei Kindergärten, davon zwei gemeindliche, gibt es in unserem Ort. Eine voll ausgelastete Kinderkrippe wurde letztes Jahr eröffnet. Wir sind auch in der Alltags-Versorgung gut organisiert. Haben mit zwei Hausärzten, die am Ort ansässig sind gute Voraussetzungen, dass jeder der möchte, eben seinen Alltag komplett vor Ort leben kann. Außerdem freuen wir uns, dass im nächsten Jahr der Stundentakt nach München durch die Südostbayernbahn eingeführt wird. Von der Bank über die Apotheke bis hin zur Nahversorgung, alles zusammen können wir ein großes Gebilde bieten, das ein Leben in Edling komfortabel macht. Und das rege Vereinsleben zeigt eine große Verbundenheit zum Ort.“

Nehmen Sie Stress und Ärger mit nach Hause oder können Sie diese beruflichen Gedanken daheim völlig ausblenden?

„Ich musste es tatsächlich lernen. Zu meinen Anfangszeiten als Bürgermeister war ich schon so gestrickt, dass ich die Sorgen des Arbeitsalltags mit in die eigenen vier Wände gezogen habe, abschalten konnte ich zu Beginn noch nicht so gut. Aber meine Frau und meine zwei Kinder haben mir zu verstehen gegeben, dass das echt wichtig ist. Jetzt klappt’s recht gut.“

Welche Highlights gab es im ersten Halbjahr 2013 in Edling?

„Wir freuen uns so sehr, dass die Generalsanierung der Schule abgeschlossen werden konnte. Außerdem liefert die heuer installierte Photovoltaik-Anlage auf unserem Schuldach unseren eigenen Strom. Wir speisen nicht ein, sondern nutzen den erlangten Strom auch selbst. Eigenverbrauch, der sogar von den Schülern an einem Bildschirm im Schulgebäude abgelesen werden kann. Ein Fuchs informiert die Kinder, wie viel Strom aktuell produziert wird.“

Ein großes Baugebiet ist in kürzester Zeit komplett bebaut worden. Viele junge Familien haben sich hier angesiedelt. Ist Edling ein durchwegs junger Ort oder darf sich generationsübergreifend jeder hier wohlfühlen?

„Wir haben viel in unsere Jugend investiert mit der Schulsanierung. Aber natürlich dürfen wir auch die älteren Menschen nicht vergessen. Darum freuen wir uns, dass aktuell ein großes Pflegeheim gebaut wird. Hier wird ab nächsten Mai vieles dafür getan, um älteren Menschen ortsnah alle unterschiedlichen Arten der Pflege zu ermöglichen. Sei es das Angebot des betreuten Wohnens, oder die Tagespflege, aber auch die Vollpflege und die spezielle Betreuung für Demenzpatienten. Es werden alle Facetten des Bedarfs organisiert. Wenn also auch ein Pflegeangebot ortsnah angeboten wird, ist es auch für die Angehörigen der Patienten möglich, den Vater oder die Mutter beispielsweise regelmäßig zu besuchen.“

Was gilt es jetzt noch zu tun?

„Wir müssen wirklich aufpassen, dass wir nicht zu schnell wachsen. Wir hatten im vergangenen Jahr einen Zuzug von über 150 Neubürgern. Natürlich ist es wichtig, dass wir mit der Infrastruktur nachkommen. Baugrund zu verkaufen und sich über neue Bürger freuen, damit ist es nicht getan. Kindergartenplätze, Schulversorgung, Kanalisation – das Wachstum muss gesund erfolgen. Dann funktioniert es auch. Ich bin da guter Dinge. Wir haben in diesem Jahr so viel geschafft und abgearbeitet. Es ist eine großartige Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat. Persönliche Dinge bleiben außen vor, jeder weiß, warum er gewählt wurde und trägt diese Verantwortung für den Bürger gerne.“

Spüren Sie Unmut durch die Bürger?

„Davon merk ich nichts. Ich bin ja der Meinung, dass es enorm wichtig ist, dass man die Bürgerinnen und Bürger informiert. Beispielsweise auf der Gemeindeseite oder in den Bürgerversammlungen. Auch hier ist eine Vorausschau immer ein wichtiger Punkt für uns. Aber auch der Gemeinderat und ich sind stetig im Austausch. Immer schon einige Tage vor der nächsten Sitzung werden Themen in gesammelter Runde besprochen. Und oftmals kommen ganz neue Ansichten in Betracht. Auch ein Rathaus kann eben viel Einblick geben, fast gläsern wirken. Der Ton macht die Musik, sag ich immer. Das ist in der Zusammenarbeit sowohl mit dem Bürger als auch im Gemeinderat wichtig.“

Welcher Edlinger der Geschichte verdient Ihren vollen Respekt?

„Wenn man in Edling ein Vorbild hat, dann ist es wohl die „Interessensgemeinschaft zur Wiedererlangung der Selbständigkeit“. Wir waren ja von 1978 bis 1981 zwangseingemeindet in die Stadt Wasserburg. Die grad erwähnte Gruppierung aus ein paar Edlingern hat es vor dem Verwaltungsgericht geschafft, Edling wieder frei zu klagen.“

Wie wird der Winter in Edling? Wird’s eine Rutschpartie oder ist die Streuversorgung gesichert?

„Als vor zwei Jahren mal dieser Engpass in Sachen Streusalz war, haben wir uns ein zweites Silo gekauft. Somit liegen 80 Tonnen Salz vorrätig, haben schon einen guten Vorrat im Frühbezug erstehen können. Im September kommt nochmal eine weitere Lieferung, und dann sind wir absolut gerüstet für die Wintermonate. Grundsätzlich ist der Ort vom Räum- und Streudienst gut angerichtet. Vor kurzem wurde ein neues Kommunalfahrzeug mit Schneeschild gekauft, bald kommt noch ein neuer Pflug hinzu. Was der Winter bringt, wissen wir alle nicht. Wir sind gut aufgestellt auch personell. Und mit 20 Quadratkilometern ist alles durchaus überschaubar.“

Der Spaziergang endet. Wir waren am Krippnerhaus, an den Kindergärten, der Turnhalle und der Schule. Haben Eindrücke vom Wasserturm des Ortes, der, ebenfalls saniert, wieder in neuem Glanz erstrahlt. Und lernten einen Kommunalpolitiker kennen, der sich wünscht, dass er immer erkennen werde, was notwendig sei. Matthias Schnetzer möchte auch weiterhin nicht zu risikofreudig sein, sondern sich Gedanken machen, bevor etwas realisiert wird, verrät er noch. Was wichtig für die Gemeinde sei, solle auch immer im Vordergrund stehen, betont der Rathauschef. Er hoffe auf einen fairen Wahlkampf im nächsten Jahr. Hier gelte aber Edling ohnehin nicht als politisch laute Gemeinde. Der Ton macht eben die Musik.

Regina Mittermair

Quelle: rosenheim24.de

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