Diskussion um Beschrankung nach tödlichem Unfall

Bahnübergang Viehhausen: Vor 70 Jahren gab es noch eine Schranke 

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Ein Bild aus dem Juli 1953: Im Hintergrund ist die Bahnschranke am Viehhausener Übergang zu sehen. 
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Edling/Viehhausen - Der gefährliche Bahnübergang in Viehhausen war in der Vergangenheit beschrankt. Das belegt ein Schwarz-Weiß-Foto aus den 50er-Jahren. Welche Geschichte dahinter steckt: 

Wann kommt endlich eine Schranke? Das fragen sich nach dem schweren Unfall im Juni 2018, das einer 24-Jährigen das Leben kostete, viele Bürger. Zumal es nicht die erste Tragödie an der Stelle war. 

Hans Peter Bubb will mit einer Petition Druck machen. Fast 6.000 Unterzeichner sprechen sich für eine Beschrankung aus. Zahlreiche Unterstützer waren in der jüngsten Bürgersprechstunde des Wasserburger Stadtrats vertreten, um der Gewichtung ihres Anliegens an Bürgermeister Michael Kölbl zusätzlich Nachdruck zu verleihen

Bahnschranke in Viehhausen in den 50er-Jahren 

Das Paradoxe an der Debatte: Es gab schon mal eine Bahnschranke. Ein Bild aus dem Juli 1953 beweist eindeutig, dass der Viehhausener Bahnübergang damals beschrankt war. Auf dem Schwarz-Weiß-Bild ist die Verwandschaft von Petitionsführer Hans Peter Bubb zu sehen: Sein Großvater Richard und sein Vater, Dr. Peter Bubb, sowie sein Onkel, Professor Heiner Bubb. Letzterer hat das Bild über Sophia Bubb mit folgenden Informationen zur Verfügung gestellt: 

Der Onkel, der Vater und der Nachbar können bestätigen, dass die Schranke bis etwa 1963 in Viehhausen existierte und manuell bedient wurde. Ein Bahnwärter habe in dem Häuschen neben den Gleisen auf ein Klingelzeichen des nahenden Zugs reagiert und die Schranke rechtzeitig gesenkt. Die Schranke, deren Wurzel sich jeweils auf der rechten Wegseite befunden und die aus einem Metallrohr mit weißroter Bemalung bestanden habe, sei mechanisch über Drahtseilzüge von dem Bahnwärterhäuschen betrieben worden. Das Häuschen befinde sich noch heute an der Bahnstrecke Rosenheim-Mühldorf. 

"Der Bahnwärter hatte auch noch eine zweite Schranke in Au zu bedienen, die den Weg zum Bimsteinerhof absicherte", erinnert sich Professor Heiner Bubb. "Die bestand aus rot-weiß bemalten Holzbalken und war ständig geschlossen. Ihr Öffnen musste man beim Bahnwärter mittels einer elektrischen Klingel anfordern."

Verkehrsdichte von damals nicht vergleichbar mit heute 

Als der Wärter in Rente gegangen sei, sei die Schranke in Viehhausen entfernt und die Warnblinkanlage, die heute noch steht, montiert worden. Die Asphaltierung der Straße sei erst später gekommen. Der Übergang sei deshalb so schmal sei, weil der damalige Weg ebenfalls schmäler gewesen sei. 

In den 50er-Jahren habe es außerdem auf dem gesamten Bahndamm keinen Bewuchs gegeben - das Gestrüpp neben den Gleisen prangerten viele als unzulässige Gefahr an. Erst nachdem die BR-Sendung "quer" vergangene Woche über die Tragödie berichtete, wurde der unübersichtliche Holzgestrüpphaufen an den Gleisen entfernt

"Meines Wissens kam es damals bei keiner der beiden Schranke jemals zu einem Verkehrsunfall", erklärt der Professor abschließend, obwohl er sich auch erinnern könne, dass es mal vorgekommen sei, dass die Schranke einmal versehentlich offen geblieben sei, wenn ein Zug durchfuhr. "Man muss aber auch bedenken, dass die Autoverkehrsdichte damals sehr viel niedriger war als heute." 

Und was sagt die Bahn dazu? 

"Eine Prüfung im historischen Unternehmensarchiv der Deutschen Bahn bezüglich der technischen Sicherung eines Bahnübergangs vor mehr als 60 oder 70 Jahren hilft nicht, die Frage zu beantworten, was unter den heutigen Rahmenbedingungen geboten ist", erklärt ein Sprecher der Bahn kurz und knapp auf Nachfrage der Redaktion per Mail. 

Die Sicherung eines Bahnübergangs hänge unter anderem von drei Faktoren ab:

  • Art der Bahnstrecke (Hauptbahn/Nebenbahn)
  • Geschwindigkeit des Zuges 
  • Verkehrsstärke auf der kreuzenden Straße

Der Ausbauzustand und die dadurch bestimmte technische Ausstattung eines Bahnübergangs folge nach eingehender Abstimmung aller Kreuzungspartner gemäß den Gesetzen und anerkannten Regeln der Technik, wie unter anderem dem Eisenbahnkreuzungsrecht (EKrG).

Die Bahn sei aufgrund des jüngsten Unfalls in Viehhausen in Abstimmung mit den beteiligten Kreuzungspartnern, betont aber: "Wir können diesen Gesprächen nicht vorgreifen.

Mit den Partnern der Kampagne "sicher drüber", darunter ADAC und Bundespolizei, engagiere man sich seit Jahren in der Unfallprävention und weisen gerade junge Autofahrer zum Beispiel über die sozialen Medien auf diesen Umstand und die Verkehrsregeln am Bahnübergang hin.

mb

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