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„Haben es uns nicht leicht gemacht“

Problem-Kreuzungen an der B 304: Warum sich Edling trotz Kritik für Ampeln ausspricht

Die Kreuzung in Brandstätt gilt als Unfallschwerpunkt. Hier sollen demnächst Ampeln installiert werden.
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Die Kreuzung in Brandstätt gilt als Unfallschwerpunkt. Hier sollen demnächst Ampeln installiert werden.

Das Verkehrsgutachten für die vier Problem-Kreuzungen an der B 304 in Edling ist da. Das Konzept der vier Ampeln hat schon im Vorfeld für viel Aufruhr gesorgt. Warum Edling trotzdem an der Idee festhält.

Edling - Die Verkehrsprobleme an der B 304 im Gemeindegebiet Edling könnten bald der Vergangenheit angehören. Wie bereits berichtet, hatte die Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Straßenbauamt Rosenheim ein Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Bis 2024 sollen an der Bundesstraße vier neue Ampeln entstehen, um die Unfallschwerpunkte in der Kommune zu entschärfen.

Betroffen sind die Kreuzungen jeweils in Brandstätt, an der Kesselseestraße, in Hochhaus und in Staudham. Diese Knotenpunkte sind dem Gemeinderat ein Dorn im Auge. Die Idee, hier Ampeln zu installieren, besteht deshalb schon länger. Nach Abschluss des Verkehrsgutachtens zeigte sich nun auch das Straßenbauamt überzeugt, diesen Schritt zu gehen. „Eine sehr positive Nachricht“, erläuterte Bürgermeister Matthias Schnetzer (CSU) in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Das Gremium zeigte sich freudig überrascht von dem Ergebnis und insbesondere von der unkomplizierten Einwilligung des Straßenbauamts, der Forderung zu entsprechen. Für 2023 sei vorgesehen, die Planungen durchzuführen, 2024 sollen die Ampeln errichtet werden, so der Bürgermeister. Die Lichtverkehrsanlagen sollen miteinander vernetzt und deshalb auch gleichzeitig errichtet werden. Allerdings werde bei jeder Kreuzung eine Linksabbiegerspur benötigt, erklärte Schnetzer weiter. Diese sei in Brandsätt nicht vorhanden. „Das größte Problem wird deshalb der Grunderwerb sein“, so der Rathauschef.

Grunderwerb nötig

Noch sei unklar, wie viel zusätzliche Fläche benötigt werde und auch wie hoch die Kostenbeteiligung der Kommune ausfallen werde, so Schnetzer weiter. Sollte mit den Grundstücksbesitzer aber keine Einigung erzielt werden können, sei angedacht, ein Planfeststellungsverfahren einzuleiten. „Das heißt Enteignung“, erklärte Schnetzer. Doch der Bürgermeister zeigte sich zuversichtlich, dass eine Einigung mit den Anwohnern möglich sei. „Es geht ja nicht um viel Grund“, sagte er.

Ebenfalls positiv überrascht war Dr. Stefan Schweitzer (CSU), sorgte sich aber um die negative Stimmung in der Bevölkerung. Bereits im Vorfeld war der Vorschlag auf Unmut in den sozialen Medien gestoßen und hatte Diskussionen unter den Bürgern ausgelöst. „Ich glaube, dass haben wir alle mitbekommen“, so Schweitzer. Er plädierte deshalb dafür, das Gutachten noch mehr publik zu machen. „Brandstätt ist ein Unfallschwerpunkt. Das muss in der Bevölkerung auch so kommuniziert werden.“ Florian Prietz (UBG) stimmte dem zu. Die Bürger sollten wissen: „Wir haben es uns nicht leicht gemacht.“

Intelligente Ampelschaltungen

Bürgermeister Schnetzer erklärte, dass auch er die Diskussion im Internet verfolgt habe. Es seien viele Autofahrer gewesen, die befürchteten, auf ihrem Weg nach München nun noch länger zu brauchen. Der Rathauschef erklärte, dass „die Ampeln intelligent geschaltet werden“. Außerdem würden die Anlagen auch mit dem Bahnübergang in Reitmehring abgestimmt, um weitere Staus zu vermeiden. Die Forderung nach Kreisverkehren, wie in den sozialen Medien mehrfach zu lesen war, sei nicht umzusetzen. „Das Gutachten hat gezeigt, dass nur Lichtzeichenanlagen Entlastung schaffen können“, verdeutlichte er. „Der Verkehrsfluss nach München wird auf der Strecke Vorrang haben, somit sollen weitere Verkehrsstaus vermieden werden“, fasste dritte Bürgermeister Nicole Bauer-Schäfer (ÜWG) die Situation zusammen.

Jürgen Hansen (UBG) fragte nach, ob auch Fußgängerampeln angedacht seinen. Insbesondere am Ortsteil Sonnenpoint, in der Nähe des Sportplatzes, halte er dies für sinnvoll. Schnetzer erklärte, dass für die jetzige Maßnahme keine Fußgängerampeln angedacht seien. „Es wird eine Überquerungshilfe geben“, so Schnetzer. Wie der Übergang der Bundesstraße am Sonnenpoint erleichtert werden könnte, werde derzeit in der Verwaltung überlegt. „Diese Überlegungen sind aber von dem jetzigen Gutachten entkoppelt“, so der Bürgermeister.

Drei Fragen an das Straßenbauamt Rosenheim

Viele Verkehrsteilnehmer sind nicht glücklich über die Ampellösung an der B 304 bei Edling und fürchten lange Staus auf dem Weg nach München. Warum sieht das Straßenbauamt hier überhaupt die Notwendigkeit, die vier betroffenen Kreuzungen anders zu gestalten?

Stefan Leitner, Bereichsleiter Straßenbau: „Die Notwendigkeit einer Umgestaltung ist durch das hohe Unfallaufkommen an den Kreuzungen begründet. Es handelt sich dabei überwiegend um Unfälle mit Missachtung der Vorfahrt.“

Warum sind an den betroffenen Kreuzungen keine Kreisverkehre möglich, wie von vielen vorgeschlagen? 

Leitner: „Der Verkehr an den vier Kreuzungen fährt hauptsächlich im Zuge der hochbelasteten B 304. Durch den Bau von Ampeln kann die Signalsteuerung so programmiert werden, dass der Verkehr auf der B 304 nur dann aufgehalten wird, wenn aus den Seitenstraßen Fahrzeuge ausfahren oder von der B 304 nach links in die Seitenstraßen abbiegen wollen. Zudem müssten an den vier Kreuzungen für den Bau von Kreisverkehren mehr Grundstücksflächen erworben werden als dies für den Bau von Lichtsignalanlagen erforderlich wäre.“

Wie wird die „intelligente Ampelschaltung“ aussehen? Was bedeutet das für die Autofahrer?

Leitner: „Es ist geplant, die Ampelanlagen verkehrsabhängig zu steuern. Das heißt, der Verkehr auf der B 304 ist auf Grün geschaltet. Dieser wird nur dann aufgehalten, wenn aus den Seitenstraßen Fahrzeuge ausfahren oder von der B 304 nach links in die Seitenstraßen abbiegen wollen. Durch die Ausstattung der Ampelanlagen mit einer Verkehrserfassung wird die Dauer der Grünzeiten anhand des aktuellen Verkehrsaufkommens bestimmt. Details, wie zum Beispiel Spurensignalisierung für Linksabbieger oder erforderliche Fußgängerquerungen können allerdings erst nach Vorliegen der Planung und Rücksprache mit Polizei und der Unteren Verkehrsbehörde festgelegt werden. Nachdem wir uns derzeit noch in der Vorplanung befinden, wird eine bauliche Umsetzung aber frühestens ab 2024 erfolgen können.“

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