Ehrenamtskarte: Gelächter und Ärger

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Feuerwehrtestlauf: Guido Plank (Mitte) und Andreas Ruf (rechts) beim Training unter Aufsicht von Manuel Kebinger.

Wasserburg - "Zehn Prozent aufs Schifferlfahren am Ammersee - was ich dahin schon an Benzin verfahre!" Verschaukelt fühlen sich viele Ehrenamtliche von der Ehrenamtskarte des Freistaats Bayern.

Beim alljährlichen Treffen der Wasserburger Vereine hatte Bürgermeister Michael Kölbl die Lacher auf seiner Seite, als er mit eindeutig süffisantem Unterton die Leistungen des Freistaates bekannt gab: Zehn Prozent Rabatt bei Schifffahrten auf dem Starnberger, Königs-, Ammer- und Tegernsee, verbilligter Eintritt in die staatlichen Museen und Sammlungen sowie bei den Schlössern der Schlösser-, Gärten- und Seenverwaltung. Beim Ratsch der Vereinsvertreter im vollen Feuerwehrsaal vielen dann aber häufig Wörter wie "Frechheit", "albern", "Unverschämtheit".

Kurz darauf kam bei der Delegiertenversammlung des TSV 1880 Heiterkeit auf, als der Vorsitzende die Angebote verlas. Wobei Helmut Pscherer die Ehrenamtskarte vom Prinzip "eine gute Sache" findet - wenn mehr dabei herausspringe.

Besonders angefressen sind die Feuerwehrler. Deren Ärger machte der Wasserburger Vorsitzende, Guido Plank, ganz öffentlich bei "Jetzt red i" Luft - und erntete viel Beifall dafür. Er kenne keinen anderen Verein, so Plank, dessen aktiven Mitgliedern der Staat gesetzlich vorschreibe, dass sie fit sein müssen. Und er wisse auch von keinem anderen Verein, dass die Mitglieder mitten in der Nacht zum Hilfseinsatz aus dem Bett springen. Unterstützung gebe es dennoch keine. Das änderte sich jetzt: Das "Fit&Fun" bot der Feuerwehr deutlich vergünstigte Konditionen und professionelle Trainingsbetreuung an. Sehr zur Begeisterung des Vorsitzenden.

Begeisterung kommt angesichts der Ehrenamtskarte bei Bürgermeister Michael Kölbl nicht auf. Der findet es gar nicht komisch, dass der Freistaat etwas in die Welt setzt, selbst wenig dafür bietet und alles weitere den Landkreisen und Kommunen überlässt. Der Hauptausschuss berät in seiner Sitzung am 19.April darüber, wie sich die Stadt an der Ehrenamtskarte beteiligen wird. Da dieses Angebot für ganz Bayern von der Rhön bis an die Alpen gilt, sind die Möglichkeiten beschränkt - es sei denn, die Stadt will sehr viel Geld in die Hand nehmen. Derzeit ist laut Kölbl geplant, den Inhabern der Ehrenamtskarte freien Eintritt in die Museen zu gewähren.

Zwei Großunternehmen haben sich schon beteiligt: der Flughafen München bietet kostenlose Flughafentouren an sowie zehn Prozent Rabatt bei Simulationsflügen. Und das Legoland gibt Karteninhabern und ihren Angehörigen 30 Prozent Rabatt auf den Eintrittspreis - aber nur, wenn die Karten im Internet gebucht werden.

Den Weg über die Wirtschaft will auch das Landratsamt gehen. Laut Sprecher Michael Fischer geht gerade ein Brief an die Unternehmen im Landkreis, dass die sich doch überlegen möchten, was sie für ehrenamtlich Engagierte tun können.

Sylvia Hampel (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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