Oachkatzlmord vor Gericht

Wasserburg (WZ) - Eine Anzeige wegen vorsätzlicher Tiertötung, der Gegenvorwurf von Nötigung und die Retourkutsche der Beleidigungsklage - und das alles wegen eines toten Eichhörnchens!

Vor dem Amtsgericht wurde jetzt ein "Oachkatzlmord" verhandelt.

Das Geschehen, das nun einen ganzen Rattenschwanz respektive "Oachkatzlschwoaf" nach sich zog, spielte sich im April auf der Bundesstraße 304 ab: Ein 37-jähriger Krankentransportfahrer hatte beobachtet, wie ein vorausfahrender Pkw kurz vor der Abfahrt Wasserburg Ost ein Eichhörnchen erfasste und dabei tödlich verletzte. Für den Mann stellte dies einen klaren Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar, zumal er beobachtet haben wollte, dass der Fahrer, ein 50-jähriger Ingenieur der Holztechnik, absichtlich auf das niedliche Tierchen angehalten und dazu sein Fahrzeug sogar ruckartig nach links gelenkt habe.

Das Eichhörnchen habe sich mit einigen Sprüngen auf der Bundesstraße bewegt und sei schon von weitem sichtbar gewesen, gab der Zeuge vor Gericht an. Deshalb habe er seine Geschwindigkeit verringert. Nicht so sein Vordermann, der das Eichhörnchen überfahren habe und dann ungerührt weitergefahren sei.

Nachdem der Zeuge mit seinem Dienstfahrzeug kurz angehalten und das tote Tier an den Straßenrand gelegt hatte, nahm er die Verfolgung des Täters auf. Mit entsprechender Gestik und Lichthupe brachte er den leitenden Angestellten, der sich mit dieser Aktion bedrängt fühlte und deswegen ein gesondertes Gerichtsverfahren wegen Nötigung angestrebt hatte, an einer Einfahrt zum Stehen.

Fahrer hatte "nichts bemerkt"

Der Angeklagte gab an, bis zu diesem Zeitpunkt völlig ahnungslos gewesen zu sein. Er habe weder das Eichhörnchen, noch einen Aufprall bemerkt. Die Mitteilung des Tierschützers über das tote Tier habe er mit einem lapidaren "Na und" quittiert. Vielmehr habe er sich über das Verhalten des 37-Jährigen aufregen müssen, der ihn mit seinen Vorhaltungen daran gehindert habe, rechtzeitig am Arbeitsplatz zu erscheinen.

Seine vermeintliche Äußerungen "Du bist doch blöd" und "wo du herkommst, sind alle blöd", brachten ihm dann auch prompt noch eine Anzeige wegen Beleidigung ein. Allerdings bestritt der Angeklagte vor Gericht diese Ausdrucksweise, da sie nicht dem "seiner Stellung angemessenen Vokabular" entspräche. Er räumte jedoch ein, dass er geäußert habe, dass ihm das jetzt zu blöd werde und er nun schnell weg müsse, um die Beerdigung des "Oachkatzls" vorbereiten zu können. Damit habe er den Tierschützer durchaus provozieren wollen.

Da der Zeuge vor Gericht hinsichtlich der Beleidigungsvorwürfe keinen großen Belastungseifer zeigte und nur Gerechtigkeit für das Eichhörnchen forderte, wurde das Verfahren wegen Beleidigung eingestellt. Den Tatbestand der vorsätzlichen Tiertötung sah das Gericht nicht als erfüllt. Gegen Auflage einer Geldbuße über 100 Euro, zahlbar an das Tierheim Ostermünchen, wurde das Verfahren vorläufig eingestellt.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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