Eigene Wohnung als Jungbrunnen

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Marianne Altinger gehört mit 68 zu den jüngsten Bewohnern im "Stadler Garten". "Schöner als hier könnten wir Senioren es nicht haben", findet sie.

Wasserburg - Als visionär galt vor zehn Jahren die Gründung der barrierefreien Seniorenwohnanlage "Stadler Garten". Das Konzept hat sich bis heute bewährt.

Marianne Altinger ist eine typische Vertreterin der neuen jungen Senioren: 68 Jahre alt, fit und aktiv, kümmert sie sich um ihren Vater, der mit 88 Jahren ebenfalls im "Stadler Garten" wohnt. Als frühere Hauswartin und jetzige Bewohnerin hat Marianne Altinger die Entwicklung der Mieterschaft in den vergangenen zehn Jahren intensiv mitverfolgt.

"Selbst unsere ältesten Bewohner sind aufgrund der Tatsache, dass sie ein selbstständiges Leben in ihren eigenen vier Wänden führen, geistig fit und aktiv geblieben", freut sie sich. "Wer sich im Alter um seine eigene Wohnung und seine eigenen Angelegenheiten kümmern muss, noch selber einkauft und sich nicht einigeln kann, der bleibt frischer als in einem Heim, in dem einem viel abgenommen wird", ist sie überzeugt.

Was Bewohnerin Marianne Altinger empfindet, lässt sich nach Angaben von Gerontologin Sabine Weng wissenschaftlich nachweisen. Die Münchenerin hat für die Arbeitsgruppe "Sozialplanung und Altersforschung" vor über zehn Jahren im Auftrag des Stadtrates das Konzept für den "Stadler Garten" entwickelt und die Wohnanlage anfangs auch begleitet. "Der Stadler Garten galt 2001 als vorausschauendes, besonders innovatives Konzept, würde heute vom Sozialministerium sogar protegiert", betont Sabine Weng, auch Beraterin in der vom Sozialministerium installierten Koordinierungsstelle für neue Wohnformen im Alter.

Barrierefrei, eine unterschiedliche Struktur mit jungen Senioren und Hochbetagten als Voraussetzung für gegenseitige Unterstützung, Gemeinschaftsräume, die einen guten nachbarschaftlichen Geist fördern: Das sind nach wie vor die wichtigsten Bausteine, so Sabine Weng.

Auf ihnen steht auch der "Stadler Garten". Die 31 Wohnungen mit senioren- und behindertengerechter Ausstattung sowie Wintergarten in ruhiger Lage im Burgerfeld lassen sich nach wie vor gut vermieten, zieht der Liegenschaftsverwalter der Stadt, Robert Mayerhofer, Bilanz der vergangenen zehn Jahre. Die 15 Zwei-Zimmer-Wohnungen seien allerdings gefragter als die 16 mit einem Zimmer, weil viele Senioren ein getrenntes Wohnen und Schlafen bevorzugen würden.

Die Altersstruktur reiche von Anfang 60 bis über 90 - "wobei wir uns mehr jüngere Mieter und eine dadurch etwas ausgeglichenere Altersmischung wünschen würden". Die Heiliggeist-Spitalstifung als Vermieterin muss die Deckungslücken bei den Mieteinnahmen mit Stiftungsmitteln ausgleichen, denn 6,70 Euro Nettomiete pro Quadratmeter reichen nicht aus.

Selbstständig in den eigenen vier Wänden wohnen und trotzdem ein Gemeinschaftsleben genießen: Auch dieser Wunsch ist für all jene, denen nachbarschaftliche Kontakte in der Anlage am Herzen liegen, in Erfüllung gegangen. Bewohnerin Marianne Altinger nennt Kaffeenachmittage, gemeinsame Feste, Treffen zum Kuchenbacken in der Gemeinschaftsküche oder ganz aktuell zum Basteln herbstlicher Dekorationen für das Haus.

"Natürlich fühlt sich von solchen Aktivitäten nicht jeder angesprochen, doch es gibt eine rührige Hausgemeinschaft, die die Gemeinschaftsräume gerne nutzt." Das liegt auch daran, dass elf Mieter bereits seit der ersten Stunde im "Stadler Garten" wohnen und ein Wir-Gefühl entwickelt haben.

Wer zusätzliche ambulante pflegerische Hilfe benötigt, muss sich übrigens selber um diese Dienstleistung kümmern. Das Sozialamt der Stadt berät und informiert über Betreuungsstellen und Pflegedienste, "doch wir bieten keine Pflegeleistungen an", betont Mayerhofer. Praktische Unterstützung für die Bewohner gibt es jedoch durch den Fahrdienst der Stadt.

Die Seniorenbeauftragte von Wasserburg, Friederike Kayser-Büker, sieht angesichts dieser Hilfen und Wohnprojekte wie dem "Stadler Garten" die Chance, dass sich der größte Wunsch der Mehrheit aller Bürger erfüllen lässt: "Fast jeder möchte möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben." Eine stationäre Versorgung im Heim komme heute für viele anders als noch in den 80er- und 90er-Jahren oft erst dann infrage, wenn es alleine wirklich nicht mehr funktioniere.

Vorausschauend vom Eigenheim, das oft nicht seniorengerecht ausgestattet sei und mit Gartenpflege sowie Winterdienst belaste, in eine barrierefreie Wohnanlage umzuziehen, sei jedoch sicherlich ratsam. "Wohnformen wie der Stadler Garten gehört die Zukunft", ist Friederike Kayser-Büker überzeugt. "Deshalb müssen wir bereits heute vor allem eins tun: barrierefrei bauen." Dazu hat sich der Wasserburger Stadtrat auch per Grundsatzbeschluss verpflichtet.

Heike Duczek/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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