Eindeutige Tendenz zu Stilllegung

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Ein Gleis ins Nirgendwo: Im Frühjahr wird wohl die endgültige Entscheidung über die Bahnlinie Reitmehring-Altstadt fallen.

Wasserburg - Ende November soll das Gutachten zur Altstadtbahn komplett vorliegen. So lange haben sich die Stadträte eine Denkpause verordnet.

Die ersten Reaktionen auf die Zusammenfassung lassen aber doch darauf schließen, dass es eine breite Mehrheit für die endgültige Stilllegung der Bahnstrecke geben wird.

Immer wieder war die Reaktivierung der 4,4 Kilometer langen Strecke zwischen Reitmehring und der Altstadt politischer Aufreger in Wasserburg, seit die Bahnlinie vor 23 Jahren durch einen Dammrutsch unterbrochen wurde. Wohl auch deshalb dringt Bürgermeister Michael Kölbl nun auf betont sachliches Vorgehen. "Gründlich beraten und transparent entscheiden" gibt er als Linie aus, nachdem das Ergebnis des Gutachtens vorgestellt wurde.

So ist ihm auch keine Wertung zu entlocken: "Wir werden uns das gesamte Gutachten gut anschauen, wenn es Ende November vorliegt, und voraussichtlich im Februar im Stadtrat beraten. Erst danach wird es eine Entscheidung geben."

Schon jetzt aber steht für Kölbl fest, dass die Experten von Gevas ihre Aufgabe gut gelöst haben: "Die Ergebnisse sind solide abgesichert." Und auch der Investitionsbedarf sei sicher nicht zu hoch angesetzt.

Nicht nur darin stimmen die meisten Gruppen im Stadtrat dem Bürgermeister zu. Auch in einem weiteren Punkt gibt es Einigkeit: Die Trasse an sich soll als Verkehrsweg gesichert bleiben - aktuell vielleicht als Radweg, in ferner Zukunft aber auch für eine andere Nutzung, wenn dies die Verkehrsentwicklung erfordert. Nur der Bereich im Meggle-Firmengelände soll wohl eindeutig stillgelegt werden.

Das fordert nicht nur die CSU, auch SPD, Bürgerforum und Freie Wähler halten diesen Schritt für fällig. Die Firma Meggle, die in der Vergangenheit immer wieder die Auflösung der Gleistrasse durch ihr Firmengelände gefordert hat, ist im Moment betont zurückhaltend. Pressesprecher Johannes Friedrich begrüßt "jede Form der Planungssicherheit". In die aktuelle Diskussion werde man sich aber nicht einmischen: "Wir respektieren die Souveränität der Stadt und ihre Entscheidungen."

Während die meisten Stadträte froh sind, dass die Aussage des Gutachtens so eindeutig ausfällt, man also nicht um jede Zahl feilschen müsse, sehen langjährige Kämpfer für die Reaktivierung die Sache kritischer. Dr. Martin Geiger, ehemaliger Bürgermeister und Mitgründer eines aktuell nicht mehr aktiven Vereins "Wasserburger Bahn", will sich zum Gutachten selbst nicht äußern, ohne es detailliert zu kennen. Für ihn geht es aber letztlich um eine grundsätzliche Frage, "die gleiche, die sich schon vor 150 Jahren beim Bahnbau stellte: Wie kann die Altstadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden?" Rentabilität und Wirtschaftlichkeit auf lange Sicht dürften dabei nicht verwechselt werden, und: "Man muss bei den Kosten ja auch die Summen für eine Anpassung der Straßen an den künftigen Verkehr gegenrechnen, beispielsweise aktuell die Kreisel."

Auch Thomas Kauderer von Pro Bahn stellt die Konsequenz aus der volkswirtschaftlichen Prüfung in Frage. Die "überraschend schlechten Zahlen" könne man momentan nur so zur Kenntnis nehmen, auch wenn sie zum Teil nicht gleich nachvollziehbar seien. An anderer Stelle in Bayern würden aber "auch 300 Fahrgäste schon als Erfolg gefeiert, bei ebenfalls hohen Kosten" - für die Altstadtbahn waren 300 bis 500 Kunden täglich prognostiziert worden. Es gehe auch um "Daseinsvorsorge". Und dass die jahrzehntelangen Versäumnisse bei der Reaktivierung nun die technischen Kosten der Wiederherstellung erhöhen würden, das könne man ja wohl nicht als Argument gegen die Strecke verwenden.

Von Karl Königbauer/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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