Eine Herausforderung

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Vorbild Attel? Im barocken Brauhaus, das von der Pfarrei und der Stiftung gemeinsam genutzt wird, steht jetzt dieser relativ filigrane Aufzug, der auch für Elektrorollstuhlfahrer geeignet ist.

Wasserburg - Herausgefordert fühlen sich Stadträte, Verwaltung und Architekt vom Aufzug im Rathaus. Knackpunkt ist die Mindestgröße.

80 oder 90 Zentimeter breite Türen? Was für einen "Fußgänger" eine Detailfrage ist, ist für einen Elektrorollstuhlfahrer eminent wichtig. Bei 90 Zentimetern Breite kann er den Aufzug benutzen, bei 80 nicht. Im Neubau kein Problem. Im denkmalgeschützten gotischen Rathaus diskussionswürdig.

Diskutiert wird über den Aufzug im Rathaus seit vielen Jahren. Zunächst über Sinn und Unsinn, jetzt über die Gestaltung. So auch in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses. Da stellte Architekt Udo Rieger geänderte Varianten für den Aufzug vor.

Die Behindertenbeauftragte des Landkreises, Anita Read, und das Landesamt für Denkmalschutz hatten noch Änderungswünsche, auch von Wasserburgern kamen massive Einwände, so Bürgermeister Michael Kölbl. Der Aufzug samt Schacht sollte kleiner werden, der Zugang, vor allem im Erdgeschoss filigraner, damit die Eingriffe ins Treppenhaus weniger werden könnten.

Rieger erklärte, er habe nach einiger Suche einen Hersteller gefunden, der sehr zurückhaltende Aufzugschächte baue. Die kleinere Variante passe ohne jedes Problem in den Lichthof, sei aber für Fahrer von Elektrorollstühlen nicht zu nutzen, die Tür sei nicht breit genug. Die größere Variante, bei der die Tür breit genug ist, bedinge eine Verlegung der Dachentwässerung. Die sei aber unproblematisch.

"Wir können keine Variante nehmen, die für Elektrorollstühle nicht geeignet ist. Die sind schließlich besonders auf den Aufzug angewiesen. Das grenzte ja an einen Schildbürgerstreich", zog Kölbl bei der Frage der Größe sofort einen Pflock ein.

Die Elektrorollstuhlfahrer entschieden auch eine andere Frage, die nach dem Zugang zum großen Rathaussaal: Da sind sowohl ein Steg über den Lichthof als ein Treppenlift von der Ebene des Sitzungssaales hinab technisch möglich. "Treppenlift? Können Elektrorollstuhlfahrer in der Regel nicht bedienen. Wie war das mit dem Schildbürgerstreich?" wischte Seniorenreferentin Friederike Kayser-Büker (SPD) diese Lösung vom Tisch. Zur Freude des Stadtbaumeisters, der durch den Treppenlift den zweiten Fluchtweg aus dem großen Rathaussaal permanent eingeschränkt sah.

Bleibt der Steg über den Lichthof. Wie breit der werden soll, ob er gebogen oder im rechten Winkel laufen wird und aus was für einem Material er bestehen wird, das ist noch offen. Kölbl erinnerte an die Geräuschentwicklung: Die Benutzung des Steges dürfe Konzert oder Theateraufführung im großen Saal nicht stören. Otto Zwiefelhofer (CSU) wollte wissen, ob ein Glassteg möglich wäre. Ist er, "aber es gehen auch Damen hinüber...", so Kölbl schmunzelnd. "Stimmt, aber es gibt ja auch milchiges Glas, hat sich das Durchsichtproblem erledigt", hielt Christian Stadler (Die Grünen) die Glas-Variante offen. Zur Gestaltung des Steges soll, was die Radien angeht, noch einmal die selbst im Rollstuhl sitzende Behindertenbeauftragte Anita Read befragt werden.

Einig waren sich die Ausschussmitglieder, dass es sehr positiv ist, dass der Lift im Erdgeschoss jetzt mittels einer kleinen Plattform angeschlossen wird, die Stufen vom Foyer hinab deutlich sichtbar und auch zu nutzen bleiben. Der Durchgang wird zwar schmal, ist aber auch nicht häufig begangen.

Peter Stenger (SPD) wollte wissen, wann die Arbeiten am Rathauslift beginnen. Im April/Mai ist es so weit, so Rieger und Kölbl, bis zum Ende der Sommerferien soll der Aufzug fertig sein.

syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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