Einmal eine Stadtrunde, bitte!

Wasserburg - Der Busbahnhof ist fertig, die großen roten Stadtbusse gehören mittlerweile zum Stadtbild, vor allem weil sie seit zwei Jahren im Stundentakt fahren.

Aber wie wird dieses Angebot der Stadt von den Bürgern genutzt?

": 37" steht an der Bushaltestelle an der Max-Emanuel-Kapelle in Richtung Badria. Der Stadtbus, die Linie 9418, kommt also jede Stunde in der 37. Minute vorbei, auch wenn im Fahrplan der Stadt Wasserburg die Minute Nummer 38 angegeben ist. Aber bei dem Verkehrsaufkommen in der Stadt und der ständig wechselnden Witterung interessiert niemanden diese eine Minute, der Bus kommt sowieso mit einer Verspätung. Schick sind sie, die leuchtend roten Busse des RVO. Aber anscheinend werden sie nur von wenigen genutzt: Vereinzelt verteilt in dem großen Bus sitzen fünf Menschen, der Busfahrer unterhält sich mit einem Kollegen.

Ob hier immer so wenig mitfahren? "Viel mehr sind es eigentlich nie", meint der Busfahrer, "wirklich viel ist es schon, wenn mal zehn Leute dabei sind."

Na gut, nächster Halt: Rosenheimer Straße, Sparkasse. Eine Person steigt ein, drei Passagiere verlassen den Bus. Dieses Bild zieht sich durch bis zur Endstation Badria: Entweder sind die Haltestellen verwaist, oder maximal zwei Leute steigen ein. Von der Watzmannstraße bis zum Badria ist der Bus dann leer.

Relativ wenig los, aber dennoch mehr als vor der Einführung des Stundentaktes am 1. November 2009. "Im ersten Jahr, also 2010, ist die Anzahl der Fahrgäste um 20 Prozent gestiegen", berichtet Andreas Hiebl, der bei der Stadt Wasserburg für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zuständig ist. Und die Zahl sei in diesem Jahr konstant geblieben, so Hiebl. Genaue Informationen lägen zwar noch nicht vor, aber die ersten drei Quartale des Jahres sprächen dafür.

Aber vielleicht ist in Richtung Reitmehring mehr los? Der Bus biegt in den neuen, nach acht Monaten Bauzeit fertig gestellten Busbahnhof ein. Von anderen Fahrzeugen keine Spur, nur ein anderer roter Tupfer ist ganz am anderen Ende des Bahnhofs zu sehen.

"Jetzt ist hier nichts los, aber mittags herrscht hier nach wie vor ein Chaos", sind sich die Busfahrer einig. Wenn alle Busse aus allen Richtungen in den Bahnhof hinein und wieder hinaus wollen, werde es eng. Bürgermeister Michael Kölbl spricht von 1000 Schülern, die mittags einsteigen. Für die Busfahrer ist der Zeitplan damit nicht einzuhalten, "bis wir da rausgekommen sind haben wir schon wieder mindestens fünf Minuten Verspätung". Hiebl gelobt Besserung: "Zurzeit wird der Busbahnhof jeden Tag, wenn die Schüler einsteigen, entweder von mir oder anderen beobachtet, um zu sehen was verbessert werden kann." Dass noch Verbesserungspotenzial vorhanden ist, bestreitet er nicht. Allerdings soll ein Schnellschuss vermieden werden. Denn wenn jetzt auf die Schnelle eine Lösung "übers Knie gebrochen" werde, müsse vielleicht in ein paar Wochen wieder nachgebessert werden, "und das wollen wir vermeiden." Zwar ist die Übergangszeit bis alles komplett geregelt ist laut Hiebl "natürlich noch schwierig", aber diese Probleme werden auch noch überwunden.

Wenigstens sind Richtung Reitmehring mehr Fahrgäste unterwegs, immerhin ist es auch der Bus, der die Leute zu ihren Zügen bringt, die um 9 Uhr herum in Richtung Rosenheim, München und Mühldorf abfahren. Jetzt sitzen um die 25 Menschen im Bus, aber normalerweise seien es mehr, so der Fahrzeugführer. Wenn dann erst einmal alle in Reitmehring ausgestiegen sind, heißt es: Warten. In zehn Minuten kommen die Züge, das Gespräch kommt auf Attel.

"Kein Mensch fährt da" - so sagt der Busfahrer ungeschönt. "Andauernd fahre ich mit einem leeren Bus hin, und mit einem leeren Bus wieder zurück." Dabei hatten die Atteler so darauf gepocht, eine bessere Busverbindung nach Wasserburg zu bekommen. Jetzt ist es soweit, und keiner ist da. "Aber das ist nur unter der Woche so", sagt Hiebl, da hat die Stiftung Attl einen eigenen Fahrdienst. "Am Samstag wird das Angebot ausgesprochen häufig genutzt". Vor allem die Bewohner der Stiftung nutzten die Gelegenheit, einen Ausflug nach Wasserburg zu unternehmen.

5 nach 9, es ist Zeit für die Rückfahrt nach Wasserburg. Der Bus ist wieder etwas leerer. Vereinzelt steigen noch Schüler ein, deren Unterricht später beginnt. Auch sie haben, wie so viele anderen Passagiere, kein Einzelticket, sondern nutzen die Zehner-, Monats- oder Jahreskarte.

"Genau das ist, was wir unter anderem bei der letzten Preiserhöhung erreichen wollten", berichtet Hiebl. Eine Einzelfahrt kostet immer 1,50 Euro, egal ob man eine Station fährt oder zehn. Eine Zehnerkarte kostet dafür nur noch zehn Euro - ist also deutlich günstiger. Und wer eine Dauerkarte hat, fährt auch mehr damit. Das Ziel des Stadtbusverkehrs sei aber nicht, Gewinn zu erzielen, das sei "sowieso unmöglich". Denn die günstigeren Fahrpreise des Stadtbusses gegenüber dem RVO subventioniert die Stadt mit gut 160000 Euro im Jahr. "Das Ziel ist, den Wasserburgern eine gewisse Mobilität zu sichern."

Das ist wohl auch gelungen, vor allem jetzt, da die Stadtbusse im Stundentakt fahren. Das ganze System, angefangen von den Fahrzeiten bis hin zu den Ticketpreisen, ist sehr einfach, um den Leuten so weit wie möglich entgegenzukommen. Fehlt nur noch, dass mehr Bürger dieses Angebot wahrnehmen: Wieder bei der Max-Emanuel-Kapelle angekommen ist die Anzahl der Fahrgäste wieder auf fünf geschrumpft.

Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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