Einmal im und nicht nur am Inn

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Vor dem Start noch ein souveränes Lächeln von (hinten von links) Jakob Steinbichler, Richard Steinbichler, Renate Steinbichler, Michael Kölbl junior, Michael Kölbl mit ihren Begleitern von der Wasserwacht Rainer Grasberger, Freddy Eisner und Christian Obkirchner (vorne von links).

Wasserburg - Wenn die Wasserwacht in den Inn geht, ist es in der Regel ernst. Am Samstag aber war es ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk, das Teilnehmer wie Zuschauer beeindruckte.

Ein bisschen mulmig schien es Michael Kölbl und Richard Steinbichler dann doch zu sein. Im Neoprenanzug sollten sie sich in die kalten braunen Fluten stürzen. Da tat ein wenig moralische Unterstützung gut: Der Bürgermeister ließ sich von seinem Sohn Michael, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Wasserburg von seiner Ehefrau Renate und Sohn Jakob begleiten.

"Natürlich ist eine gewisse Anspannung vorhanden, aber die seit Wochen anhaltende Vorfreude überwiegt ganz klar", versicherte Steinbichler dann unmittelbar vor dem Start tapfer. Er hatte vor zwei Jahren den Grundstein für das Abenteuer Innschwimmen gelegt. Damals hatte er beim Nordic-Walking-Tag mit Rosi Mittermaier und Christian Neureuther im Beisein des Ortsgruppenvorsitzenden der Wasserwacht, Freddy Eisner, den Traum geäußert, seine Heimatstadt einmal vom Wasser aus sehen zu können. Kurzerhand setzte sich dessen Truppe zusammen und tüftelte einen Plan aus.

Heuer war dann die Gelegenheit für die Realisierung des Wunsches gekommen: Richard Steinbichler feierte seinen 60. Geburtstag, und da auch Michael Kölbl mit seinem Fünfzigsten einen "Runden" hatte, überraschte man beide mit dem ganz speziellen Geschenk. Dem Angebot, einmal im reißenden Inn schwimmen zu gehen, konnten sich die Geehrten selbstverständlich nicht entziehen. Nur Rosi Mittermaier und Christian Neureuther, die eigentlich auch dabei sein wollten, sagten kurzfristig wegen einer Verletzung ab.

Dass das Abenteuer ausgerechnet in den Räumen eines Bestattungsunternehmens in der Nähe des Innufers gestartet wurde, mochte durchaus makaber anmuten. Die Beteiligten nahmen es jedoch mit viel Humor. Vor dem Betreten des Flusses im Burgerfeld unterhalb der Staustufe standen zahlreiche Sicherheitshinweise von Freddy Eisner und seinem Stellvertreter Rainer Grasberger, die den Ehrengästen beim Anziehen der engen Neoprenanzüge behilflich waren. "Diese Anzüge werden sonst von unseren Mitgliedern bei der Wasserrettung getragen. Die kleine Menge Wasser im Inneren ist dabei gewollt, wird vom Körper rasch aufgewärmt und isoliert zusätzlich gegen die Kälte von außen."

Nachdem alle Fragen beantwortet, Schwimmwesten angelegt und Helme aufgesetzt waren, gab es noch ein letztes Winken in die Kameras. Dann ging es hinein ins vom aufgewühlten Sand bräunlich schimmernde Wasser. "Der Inn hat in diesen Tagen mit etwa 14 Grad seine Jahreshöchsttemperatur erreicht. Bessere Bedingungen als heute könnte es also trotz Nieselregens gar nicht geben", merkte ein schmunzelnder Freddy Eisner an. Und tatsächlich: Schon nach den ersten hundert Metern und einer kurzen Pause auf der Kapuzinerinsel hatten die Geburtstagskinder und ihre Begleiter sichtlich Spaß und näherten sich der größten Mutprobe des Vormittags.

Unter den Augen zahlreicher Schaulustiger steuerten die Schwimmer auf die großen Eisbrecher der Innbrücke zu, und es gelang tatsächlich allen, sich unter großer Kraftanstrengung an die Holzgestelle zu klammern und bejubeln zu lassen. Da verkniff sich selbst ein CSU-Stadtrat seinen ersten doppeldeutigen Gedanken, dass der Bürgermeister lieber nicht "mit dem Strom schwimmen" sollte und bekundete lautstark seinen Respekt. Insgesamt ließ sich die Gruppe sechs abwechslungsreiche Kilometer flussabwärts treiben, ehe man kurz vor Zell wieder aus dem Wasser stieg.

Michael Kölbl war bei der abschließenden Brotzeit begeistert, aber auch erschöpft: "Das war wirklich ein gelungenes Geburtstagsgeschenk der Wasserwacht und ich habe es sehr genossen. Wann hat man schon einmal die Möglichkeit, im Inn zu schwimmen? Und dann auch noch so eine lange Strecke!" Für Richard Steinbichler stand auch noch ein anderer Aspekt im Vordergrund: "Wissen Sie, jetzt arbeite ich schon seit 28 Jahren am Inn. Heute durfte und musste ich zum allerersten Mal im Inn arbeiten." Ehefrau Renate war am meisten von der Tatsache beeindruckt, dass man sich trotz der starken Strömung wirklich an den Eisbrechern habe festhalten können.

Von Freddy Eisner erhielten alle Teilnehmer zum Abschluss ein großes Lob, und so ganz nebenbei erfuhr man auch noch, dass der Wasserburger Bürgermeister in früheren Jahren mit Erfolg an der Prüfung zum Rettungsschwimmer teilgenommen hatte. Die Flussschwimmer hätten nun am eigenen Körper erlebt, welche Naturgewalt der Inn entfaltet, so Eisner. Das werde leider immer wieder unterschätzt.

Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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