650 Einsätze in zehn Jahren

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Viel Engagement steckt in der ehrenamtlichen Einrichtung der "First Responder", die es seit zehn Jahren in Schnaitsee gibt.

Schnaitsee - Seit zehn Jahren gibt es in Schnaitsee die "First Responder" oder auch "Helfer vor Ort". Sie haben sich bewährt, doch sie haben auch Probleme, besonders mit der Unterkunft.

Kein Einzelfall: Wenige Kilometer vor Schnaitsee passiert ein schwerer Verkehrsunfall. Sofort versuchen Passanten, über den Notruf 112 Hilfe zu holen. Aber die umliegenden Rettungswachen Wasserburg, Garching und Trostberg liegen mehr als 15 Kilometer entfernt. Parallel zum Rettungsdienst des Roten Kreuzes werden von der Leitstelle aber die "Helfer vor Ort" (HvO) alarmiert, die wenige Minuten später an der Unfallstelle eintreffen und sofort mit der Versorgung der Verletzten beginnen. Kurze Zeit später übergeben sie die Patienten dem Notarzt und Rettungsdienst.

Durch diese "Ergänzung" des Rettungsdienstes wurde in den letzten zehn Jahren vielen Verletzten das Leben gerettet. Die "Helfer vor Ort" (HvO) gehören zur Rotkreuz-Bereitschaft Schnaitsee. Sie schließen eine wichtige Lücke, denn nach dem Bayerischen Rettungsdienstgesetz müssen im ländlichen Bereich 15 Minuten von der Alarmierung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes am Notfallort eingehalten werden, was vor allem bei schlechter Witterung oder bei mehreren gleichzeitigen Einsätzen oft im Raum Schnaitsee nicht erfüllbar wäre.

Im vergangenen Jahr eilten die HvO 68-mal zu Unfallstellen und versorgten 73 Patienten - meist mit Atemproblemen oder Herz-KreislaufErkrankungen. 18 Rotkreuzler teilen sich diesen Dienst, was bedeutet, dass sie mit Piepser am Wochenende und Feiertagen rund um die Uhr sowie wochentags in den Nachtstunden erreichbar sind. "Anfangs waren die HvO nur ein Pilotprojekt", erzählt der Schnaitseer BRK-Bereitschaftsleiter Josef Lepschy, "aber jetzt ist eine Erfolgsgeschichte daraus geworden."

Die Zahlen sprechen für sich: Über 650 Notfalleinsätze in den letzten zehn Jahren und über 50 000 zurückgelegte Kilometer mit einem speziellen Einsatzfahrzeug, das seit sieben Jahren zur Verfügung steht.

Nach den bisherigen Erfahrungen ergeben sich Einsatzzeiten von oft weniger als drei Minuten. Auch die Integrierte Leitstelle (ILS) in Traunstein schätzt daher die HvO Schnaitsee. "Ihr Einsatz ist für die Bevölkerung fast unschätzbar, etwa bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand, dann ist der Zeitvorteil oft lebensrettend", so Anton Groschack, Leiter der ILS.

Trotz dieser Erfolgsmeldungen gibt es auch Probleme: Die Helfer vor Ort haben keine ausreichende Unterkunft. So ergänzt ein mobiler Sanitäts-Faltcontainer die Ausstattung. "Damit haben wir die Möglichkeit, mehrere Personen lagern zu können, wenn wir etwa bei Großveranstaltungen Sanitätsdienste leisten", so Josef Lepschy. Den Faltcontainer, ein ehemaliger NVA-Raketenleitstand, entdeckten die HvOler bei ebay und ersteigerten ihn von einem Besitzer aus Weimar. Unzählige Freizeitstunden investierten sie in den Ausbau. Noch ist aber unklar, wo der Container untergebracht wird.

Seit mehreren Jahren nutzen die Schnaitseer Rotkreuzler einen Raum im alten Schulhaus, der aber nicht heizbar ist. Nun soll das Gebäude umgebaut werden, so dass auch dieser Lagerplatz wegfällt. Jetzt scheint sich eine Lösung abzuzeichnen: Auf einem Gemeindegrund neben dem Feuerwehrhaus ist der Bau einer Garage ins Auge gefasst. Geplant sind dabei auch Lagerräume, die die Schnaitseer BRK-Bereitschaft, die Wasserwacht und die HvO nutzen könnten. "Bisher lagern wir frostempfindliche Sachen, wie Infusionen, elektrische Geräte und Ausbildungsmaterial, bei verschiedenen Rotkreuz-Mitgliedern in privaten Räumen", so Lepschy. Sowohl BRK-Kreisverband als auch die Bereitschaft und Gemeindevertreter führen mit möglichen Sponsoren Gespräche, um den Neubau finanzieren zu können.

Neben den Einsätzen verbringen die Helfer vor Ort viel Zeit mit Ausbildung, Kursen und Lehrgängen. "Dabei arbeiten wir alle ehrenamtlich und finanzieren uns zu hundert Prozent aus Spendengeldern", erklärt Lepschy. Hinzu kommt, dass HvO-Einsätze über die Krankenkassen nicht abgerechnet werden können und die nicht gedeckten Kosten der BRK-Kreisverband tragen muss. "Oft sind es auch die Geretteten, die uns finanziell unterstützen."

re/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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