Der erste Monat als Rathauschef ist geschafft

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Georg Reinthaler hat die ersten vier Wochen als neues Gemeindeoberhaupt gut überstanden und ist nach wie vor begeistert von diesem Job.
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Eiselfing - Es hat sich einiges geändert für Georg Reinthaler, seit er Bürgermeister ist. Doch nach wie vor ist er begeistert von den Aufgaben als Gemeindeoberhaupt. Der erste Monat ist rum. Wie lief es?

Georg Reinthalers Neffen haben mit ihren Fünf und Sechs Jahren noch Probleme, die Position des Onkels einzuordnen. „Der Georg ist der Kinderbürgermeister, weil er ja auch noch so jung ist. Wo ist denn dann der richtige Bürgermeister und was macht der?“ kam den beiden kürzlich mal über die Lippen. Schmunzelnd berichtet Reinthaler im Gespräch mit Wasserburg24 über die aktuelle Eingewöhnungszeit. Doch auch der „Richtige“ ist Onkel Georg, und der hat gut zu tun, um für die Belange der Gemeinde Eiselfing da zu sein.

Grade war er noch Student, jetzt Bürgermeister. Die Tage sind ganz unterschiedlich, aber alle immer gut gefüllt. Georg Reinthaler hat die ersten vier Wochen gut überstanden. Durchaus glücklich wirkt er, als er uns im Rathaus empfängt. Sofort fällt auf, dass die Wände grün gestrichen sind, doch dieser Farbton zierte schon zu Zeiten seines Vorgängers, Rupert Oberhuber, den Raum. „Hat nichts mit meiner Parteizugehörigkeit zu tun, passt aber“, lächelt Reinthaler.

Einige lustige Termine gab es, wie etwa den „Zapfkurs“ in einer Brauerei. Eine Umstellung sei es durchaus gewesen, erklärt der Bachmehringer. In der Chefrolle war er noch nie. „Plötzlich ist man eben auch verantwortlich, wenn etwas nicht so läuft, muss erklären und viel entscheiden“. Reinthaler hat keine Angst vor Entscheidungen, auch klare Ansichten gehören vertreten.

In den vergangenen Wochen seiner Dienstzeit hat er bereits ein Gespür für die Mitarbeiterrunde entwickeln können und auch viele öffentliche Stellen und Einrichtungen in „seiner Gemeinde“ angeschaut. „Ich hab mir die Schule zeigen lassen, und bin mit den Bauhof-Mitarbeitern unterwegs gewesen, um eben auch mal die Details kennenzulernen“.

Zudem sei auch verstärkter Bürgerkontakt an oberster Stelle des Alltags: „Bislang war der Kontakt zu den Eiselfingern sehr positiv. Ich kenne viele Bürger, aber längst nicht alle. Und auch umgekehrt ist es so. Was mir sehr gefällt ist, dass ich schon sehr viel ins Gespräch kommen konnte mit den Menschen hier“. Ihm sei bewusst, dass es auch kritische Stimmen gibt und immer geben werde, doch er versuche stets auf die Anliegen einzugehen, beruhigt der Grünenpolitiker.

Ganz offen geht er auf die Frage ein, ob das Parteibuch für ihn wichtiger Partner im Alltag sein werde. „Natürlich ist es mir wichtig, auf Umweltpunkte und dergleichen, die für die Grünen stehen, ein besonderes Augenmerk zu legen. Aber nicht nur. Ich werde auch abseits des Parteibuchs arbeiten, soll heißen, völlig frei über Anliegen nach bestem Wissen entscheiden. Das liegt einfach in meiner Natur“.

Reinthaler vereidigt Reinthaler

Sechs neue Gemeinderäte und ein neuer Bürgermeister stellte auch für die erste Sitzung in Eiselfing eine Herausforderung dar. Bereits eine Woche vorher habe man sich zu einem Gespräch getroffen, um sich kennenzulernen und vorzufühlen. Georg Reinthaler betonte sichtlich zufrieden, dass nun auch in der Geschäftsordnung der Bau- und Umweltausschuss festgeschrieben sei. Dies sei für Reinthaler wichtig gewesen, weil so auch bei Umweltprojekten die Zuständigkeit nun ganz offiziell gegeben sei.

Ein neuer Bürgermeister wird immer auch vereidigt, auch in Eiselfing gilt dies. Lustig: Der Lebensälteste Gemeinderat vereidigte den neuen Bürgermeister. Dies war ausgerechnet Reinthalers Vater. „Es war sehr emotional und hatte einen äußerst persönlichen Charakter“ erzählt der junge Rathauschef. Im Gegenzug hat der Sohn den Vater als Gemeinderat vereidigen dürfen.

Die ersten Tagesordnungspunkte stellten Diskussionsbedarf dar. Es ging um den nötigen Ausbau des Kindergartens. „Wir haben das aber wirklich gut als Gemeinschaft gemacht und für die Familien entschieden“, zeigt sich Georg Reinthaler glücklich. So sprachen sich die Gemeinderäte und der Bürgermeister für einen Ausbau des Kindergartens aus, der in Zukunft zwei Krippengruppen haben wird.

Jung und alt an einem Tisch

Als „Gegenpol“ zum jungen Rathauschef steht als zweiter Bürgermeister Johann Herzog an Reinthalers Seite. Er hat lange Jahre Erfahrung im Gemeinderat, diese Ergänzung passe gut.

Bereits einen Trauungstermin für Herbst hat Georg Reinthaler schon in Empfang genommen. Der dafür notwendige Lehrgang findet im Juni statt, damit auch nichts schiefgeht, bei der ersten Amtshandlung vor einem Brautpaar.

Besondere Schmankerl wird es in der Amtszeit von Georg Reinthaler sicher geben:Das Thema Biber bleibt in der Gemeinde Eiselfing nicht außen vor, viel zu gern tummelt sich das Tier nahe der Murn und weiteren Fleckerl. „Ich bin offen für Gespräche und habe mir bereits die beliebten Lebensräume in unserer Gemeinde angeschaut. Die Landwirte, die mit Schäden zu kämpfen haben, können sicher sein, dass ich ihre Anliegen ernst nehme und auch ein Ohr für diese Probleme haben werde“. Derzeit erfährt Reinthaler noch viel Skepsis, ob sich ein Grüner Bürgermeister nicht vor allem nur um die Biber-Freunde kümmern werde. Klarstellen möchte er, dass er die Biberproblematik ernst nehme und in Kürze auch das Gespräch zu den Landwirten suchen werde. „Ich weiß, dass viele drunter leiden, wir werden eine Lösung finden“. Auch der Kontakt zum Landratsamt bestehe diesbezüglich, so das Gemeindeoberhaupt.

Masterarbeit in der Zielgeraden

Zeit zum Ausruhen hat Georg Reinthaler momentan auch nicht, wenn der offizielle Feierabend eingeläutet wird. „Meine Masterarbeit ist leider noch nicht fertig. Abends und an den Wochenenden erledige ich diese für mich noch wichtige Aufgabe“. Bis Mitte Juli sollte die Arbeit abgeschlossen sein, dann ist die Studienzeit auch offiziell vorbei.

Trotz Ehrenamt ein Fulltimejob

Den Spagat zwischen ehrenamtlichen Bürgermeisterposten und eventuell anderweitigen Tätigkeiten journalistischer Art habe er bislang noch nicht gefunden, gibt Reinthaler zu. Es müsse sich alles erst einspielen, doch ganz aufgeben möchte er auch die redaktionelle Leidenschaft nicht. „Mein Vorgänger hat mich schon frühzeitig darüber informiert, dass dieses Amt ein absoluter Vollzeitjob ist. Und so werde ich nur gelegentlich und nebenher journalistisch unterwegs sein“. Seine Berichterstattungen im Bereich der Gemeindepolitik werde er komplett aufgeben: „Ich kann nicht einfach den Bürgermeisterkollegen und Gemeinderäten über die Schulter schauen und darüber Berichte schreiben“ ist Reinthaler überzeugt. Unverfängliche Themen außerhalb der Kommunalpolitik werde er jedoch gerne hin und wieder zu Papier bringen.

Ganz nüchtern sieht Georg Reinthaler, dass das Bürgermeisteramt nichts auf Lebenszeit ist. „Man muss sich alle sechs Jahre einer Wahl stellen, somit sollten bestehende Kontakte für eine spätere Arbeit natürlich gepflegt werden. Doch ich hoffe natürlich, dass mich die Bürger lange als ihren Bürgermeister behalten mögen“.

Er will sich 100 Prozent auf die Gemeindeanliegen konzentrieren. Und zeigt sich dennoch als „ganz normaler Bürger“.

Etwas anstrengend sei es für die Familie und den Freundeskreis dabei durchaus. Einige haben schon gefragt, ob sie das Gemeindeoberhaupt noch duzen dürfen, andere kommen auf die Eltern von Georg Reinthaler zu und bitten um Weitergabe von Anliegen. „Ich bin mir aber sicher, dass sich alles gut einspielen wird“, zeigt sich der jüngste amtierende Bürgermeister des Landkreises Rosenheim zuversichtlich.

Quelle: rosenheim24.de

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