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Protestaktion der Eltern geplant

Streit um Millionensanierung: Mittelschule Eiselfing vor dem Aus?

Die Mittelschule Eiselfing ist sanierungsbedürftig. Kann diese millionenschwere Maßnahme gestemmt werden oder ist der Erhalt der Schule in Gefahr?
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Die Mittelschule Eiselfing ist sanierungsbedürftig. Kann diese millionenschwere Maßnahme gestemmt werden oder ist der Erhalt der Schule in Gefahr?

Ist die Zukunft der Mittelschule Eiselfing gefährdet? Es gibt Eltern, die dies befürchten. Denn es steht eine Millionensanierung an, die die Mitgliedsgemeinden im Schulverband – Eiselfing, Amerang und Schonstett – schultern müssen. Steigt Amerang aus?

Eiselfing/Amerang/Schonstett – Um ihren Sorgen Ausdruck zu verleihen, haben Eltern am Mittwoch, 7. Juli, ab 18.30 Uhr zu einem stillen Protest aufgerufen – in Amerang. Dort tagt der Gemeinderat nichtöffentlich zur Thematik. Bürgermeister Konrad Linner teilte auf Anfrage mit, sich dem Protest zu stellen und das Gespräch mit den Eltern zu suchen. Er will ihnen erklären, warum Amerang sich noch nicht festgelegt hat.

Eltern kämpfen für den Erhalt

„Wir lieben diese Schule“, sagt eine Mutter, die ihren Namen nicht veröffentlich haben will. Sie hat die Protestaktion vor dem Ameranger Rathaus auf die Schnelle organisiert, bei Landratsamt und Polizei angemeldet. Ihr Sohn, der die fünfte Klasse besucht, fühle sich in der kleinen und kompakten Mittelschule Eiselfing sehr wohl, sagt die Mutter.

In eine städtisch orientierte Bildungseinrichtung – etwa in Wasserburg – würden viele Landkinder aus den Gemeinden Eiselfing, Schonstett und Amerang nicht passen, findet sie. „Wir Eltern wollen unsere Schule behalten. Eine Schließung können wir nicht akzeptieren. Das muss verhindert werden“, betont die Mutter mit Nachdruck.

Teilsanierung kostet 8,5 Millionen Euro

Kommt es soweit? Alles ist noch offen, zeigte sich auch im Gemeinderat Eiselfing. Bürgermeister Georg Reinthaler verkündete in öffentlicher Sitzung am Dienstagabend, dass die Kostenschätzung eines Fachbüros für die Teilsanierung der Mittelschule, bei der mehrere Gebäudekomplexe aus den 60-iger Jahren stammen, mittlerweile vorliegt.

Die Experten gehen von 8,5 Millionen Euro aus, so Reinthaler auf Nachfrage der Wasserburger Zeitung. Die Förderung wird nach Angaben von Reinthaler laut Regierung von Oberbayern sehr gering ausfallen – sie liege leider nur bei etwa zehn Prozent. Die Mitgliedsgemeinden Eiselfing, Amerang und Schonstett müssten also eine Millionensanierung gemeinsam stemmen.

Lesen Sie auch: Ein Dorf packt an: Eiselfing baut Corona-Testzentrum für Schüler und Lehrer

Dem Mittelschulverband, dessen Vorsitzender Reinthaler ist, gehört eigentlich auch Griesstätt an. Die Aufteilung der Anteilskosten für den Bereich der Mittelschule im Falle einer Sanierung würde über einen Schlüssel errechnet, der die aktuelle Zahl der Schüler aus den jeweiligen Gemeinden berücksichtigt. Die Gemeinde Griesstätt schickt ihre Mittelschüler zur Zeit allerdings nach Rott.

Amerang will auch Alternativen prüfen

Könnte diesem Beispiel eine weitere Kommune folgen – diesmal Richtung Wasserburg? „Das Ganze wird zunehmend emotionaler, zumindest bei einer der Mitgliedsgemeinden“, deutete der Eiselfinger Bürgermeister im Gemeinderat am Dienstagabend an. Amerangs Bürgermeister Konrad Linner weist dies zurück.

Nicht emotional gehe seine Gemeinde mit der Thematik um, sondern ganz im Gegenteil: sachlich und ohne Denkverbote. „Wir setzen uns mit der Materie umfassend auseinander und prüfen selbstverständlich auch alle Alternativen“, sagt Linner.

Will heißen: Amerang untersucht auch, ob die Mittelschule Wasserburg eine Option für die Kinder aus dem Dorf sein könnte. Amerang hat sich die Bildungseinrichtung beim Nachbarn Wasserburg angeschaut und sich das pädagogische Konzept erklären lassen.

In Amerang werde die Thematik nicht nach dem Grundsatz „wir machen mit, koste es, was es wolle“, behandelt, sagt der Bürgermeister. Er ärgert sich über „Halbwahrheiten“, die im Rahmen der Debatten zur Haltung von Amerang verbreitet würden. Und weist den Vorwurf zurück, die Kinder der Gemeinde seien es Amerang nicht wert, die Sanierung mitzufinanzieren.

„Es ist doch nicht so, dass die Mittelschule Wasserburg eine minderwertige Schule ist, in die wir unsere Kinder abschieben würden. Im Gegenteil: Die Mittelschule Wasserburg hat einen hervorragenden Ruf.“

Linner: nicht die Augen vor finanzieller Belastung verschließen

Auch finanziell dürfe eine Kommune wie Amerang nicht die Augen vor den Folgen einer Sanierung im Schulverband verschließen. Dieser müsse einen hohen Kredit aufnehmen. Die Rechtsaufsicht werde prüfen, ob der Verband Alternativen untersucht habe. Genau dies tue Amerang, ohne sich bereits festgelegt zu haben.

Fest stehe außerdem: Bei einem Neubau gebe es wenigstens eine 50-prozentige Förderung, der Anteil, den Amerang zu zahlen habe, sei in diesem Fall vermutlich geringer als bei einer Sanierungslösung.

Nur zu Dritt zu stemmen

Eiselfing und Schonstett haben sich dagegen bereits entschlossen. Nach jahrelangen Beratungen über die Sanierungsproblematik sei sich der Gemeinderat einig, dass die Kommune alles Machbare unternehmen wolle, den Standort zu erhalten, sagt Bürgermeister Reinthaler. Schonstetts Rathauschef Paul Dirnecker bekräftigt, dass auch der Schonstetter Gemeinderat für den Erhalt der Mittelschule Eiselfing sei.

Schonstett: „Tolle Schule nicht auflösen“

Doch Dirnecker und Reinthaler akzeptieren die Haltung von Amerang, auch alternative Wege zu prüfen. „Wenn wir von Schonstett aus nur die Kosten betrachten würden, müssten wir auch überlegen, ob wir uns das leisten können.

Doch wir sind uns sicher, langfristig gesehen wäre es ein großer Fehler, die Mittelschule Eiselfing aufzulösen“, sagt Dirnecker, der an das in Eiselfing vorhandene hervorragende pädagogische Konzept und die vorrangig kleinen Klassen erinnert. Auch das Schulamt habe stets betont, der Standort Eiselfing sei nicht gefährdet. „Warum sollen wir eine solch tolle Schule im Dorf auflösen, da darf es nicht nur ums Geld gehen“, findet der Rathauschef.

Ohne Amerang geht es nicht

Dirnecker weist jedoch darauf hin, dass die Schulsanierung ohne Amerang nicht zu stemmen ist. „Steigt Amerang aus, löst sich der Schulverband auf“, ist er überzeugt. So sieht das auch sein Eiselfinger Kollege Reinthaler. „Wir brauchen die drei Mitgliedsgemeinden, um das Vorhaben zu stemmen. Sonst geht es nicht.“

Das ist der Zeitplan: Entscheidung am 4. August

Was bisher geschah:

2017 : Schulverband gibt Machbarkeitsstudie für Sanierung in Auftrag.

2018 : Ergebnis liegt vor. Da ein Neubau (17 Millionen Euro) nur wenig mehr kosten würde als eine Generalsanierung (14 Millionen Euro) gibt es keine öffentliche Förderung für die Sanierung, nur für einen Neubau.

2019: Start der Prüfung einer Teilsanierung.

2021 : Kostenschätzung Teilsanierung liegt vor: 8,5 Millionen Euro.

Was jetzt geplant ist.

Donnerstag, 7. Juli: Die Bürgermeister informieren die Elternbeiräte der Grundschulen und der Mittelschule im Verbandsgebiet über die Situation.

22. Juli. : gemeinsame nichtöffentliche Sitzung aller Gemeinderäte von Eiselfing, Amerang und Schonstett.

4. August: Alle Gemeinderäte tagen parallel öffentlich und entscheiden.duc

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