Vom Ende aus den Medien erfahren

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Wie es weitergeht, wissen sie nicht: Traurig stehen Eva und Peter Bayer vor ihrem Quelle-Shop.

Wasserburg (WZ) - Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Quelle ist pleite. 4000 Mitarbeiter stehen ab November auf der Straße - nicht nur die Arbeitnehmer im Fürther Versandhaus! **Video-Umfrage**

Auch die Inhaber der Quelle-Shops stehen in vielen Orten stehen vor dem Nichts - wie das Ehepaar Bayer, das einen Shop in der Wasserburger Ledererzeile betreibt.

Video-Umfrage: Was sagen Sie zum Ende von Quelle?

"Wir haben aus den Medien vom unausweichlichen Ende erfahren. Es hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen." Eva Bayer (57) kämpft mit den Tränen. Erst einen Tag später sei von Quelle eine E-Mail gekommen, die über das Aus informierte, aber nicht von der Zentrale, sondern vom zuständigen Außendienstmitarbeiter.

Bis Mittwoch konnten die Bayers wenigstens weiter Waren bestellen - bis die Lager leer sind, lautete die Marschroute des Konzerns. "Die Kunden haben auch reichlich Gebrauch davon gemacht." Einen Tag später dann plötzlich der Schwenk: ab sofort keine Bestellungen mehr.

Von der Teufelskrallen-Creme bis hin zur kompletten Küche oder zum Flachbildfernseher - gekauft wurde im Shop alles. "Die großen Sachen haben wir natürlich bestellt. Aber Rasierer, Toaster und Kaffemaschinen hatten wir immer da. Der Kunde braucht das ja sofort." Eva Bayer ist in ihrem Element, wenn sie von ihrem Geschäft erzählt. Um die Kunden tut es dem Ehepaar am meisten leid. Denn der Laden ist auch ein sozialer Treffpunkt gewesen. "Zu uns kommen täglich zwei weit über 80-jährige Damen, um sich mit uns zu unterhalten. Die haben schon gefragt, was aus ihnen wohl werden soll, wenn es uns nicht mehr gibt."

Drei Monate Hoffnung

Dabei waren Eva und Peter Bayer im Sommer nach der Rettungsaktion, als Ministerpräsident Horst Seehofer den aktuellen Katalog für 50 Millionen drucken ließ, noch recht zuversichtlich. "Von Quelle hieß es damals, dass es für uns weitergehen wird." Zwar sollten Quelle-eigne Häuser geschlossen werden, selbstständige Shop-Betreiber aber weitermachen. "Die kosten ja auch weniger", so Peter Bayer. Ein neuer Vertrag wurde den Bayers in Aussicht gestellt, doch auf den warteten sie vergeblich.

Vor ein paar Tagen dann ein erstes Warnzeichen: "Unser Außendienstmitarbeiter sagte uns, dass der Flächendienst eingestellt werde. Er müsse jetzt nach Fürth fahren, die Zukunft der Shops sei ungewiss."

Seit 1975 ist der berufliche Werdegang von Eva Bayer eng mit dem Fürther Konzern verbunden. Schon Mitte der Siebziger Jahre betrieb sie im selben Laden lange Zeit einen Quelle-Shop. Wegen der Kinder hörte sie auf. Als dann die Vorgängerin vor fünf Jahren aufhörte, stieg die gelernte Verkäuferin wieder ein. "Wir haben natürlich auch Geld reingesteckt. Die Renovierung, die ganzen Regale, die Lampen. Das ist doch jetzt allles nichts mehr wert. Wir haben sogar darüber nachgedacht, ob unsere Tochter nicht eines Tages den Laden übernimmt - darüber brauchen wir uns ja jetzt keine Gedanken mehr zu machen." Die 57-Jährige schüttelt verweifelt den Kopf.

Ans Aufgeben denken die Bayers trotz Zunkunftsangst und grenzenloser Enttäuschung nicht. "Wir haben Kontakt zum Otto-Versand, die haben großes Interesse signalisiert. Den Laden wollen wir auf keinen Fall zumachen. Wir verkaufen auch etwas anderes und sind offen für alles", beteuert Peter Bayer. "Wir wünschen uns nur, dass uns die Kunden weiter vertrauen."

Ob in ihren Shop ein Schnäppchen-Ausverkauf stattfinden wird, können die Bayers nicht sagen. "Wir haben die Waren auf Kommission hier. Ob sie abgeholt werden oder zu Sonderpreisen verkauft, das wissen wir leider nicht", bedauert Eva Bayer. Denn auch dazu hat sich der Quelle-Konzern noch nicht geäußert.

Gabriele Dorby (Wasserburger Zeitung)

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Quelle: rosenheim24.de

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