Engel machen "Mut zum Leben"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Pater Anselm Grün.

Wasserburg - "Jeder Mensch hat einen Engel" - davon ist Pater Anselm Grün überzeugt. Mehrere seiner insgesamt 300 Bücher hat der Benediktiner aus Münsterschwarzach diesem Thema schon gewidmet.

Nun näherte er sich dem himmlischen Phänomen auch bei einem Vortrag, der 600 Zuhörer in die Badria-Halle lockte.

Viele moderne Christen haben so ihre Probleme mit "englischen" Erscheinungen, verstehen sie als eines der vielen orientalischen Bilder der Bibel, die interpretiert werden müssen. Für andere Gläubige sind die Himmelsboten dagegen ganz konkret, so konkret, dass selbst Pater Anselm am Ende ein wenig zur Vorsicht mahnen musste: Man sollte "seinen" Engel nicht zu sehr vereinnahmen und personifizieren wollen, so sein Rat auf die Frage aus dem Publikum, ob es denn nun ein oder mehrere Schutzengel sein könnten pro Person.

"Man kann nur in Bildern darüber sprechen." So versuchte der Theologe und studierte Betriebswirt den Brückenschlag zwischen völliger Abstraktion und der Versuchung, das Engelsphänomen zu irdisch in Beschlag nehmen zu wollen. Letzteres habe die Esoterik gemacht, so der Pater, und der wollte er dieses Feld wahrlich nicht überlassen.

So motiviert entstand sein Annäherungsversuch an diese "personalen Mächte", die einerseits nicht greifbar, andererseits aber durchaus konkret erfahrbar seien. Grün beschrieb ihr Wirken in vielen Beispielen, die man auch so verstehen könnte, dass der Begriff "Engel" der Versuch ist, eine nach christlicher Überzeugung von Gott ausgehende Erfahrung zu benennen und zu beschreiben, nämlich "dass wir nicht allein sind, dass wir immer angenommen sind, dass wir begleitet und beschützt sind."

Der Benediktiner verdeutlichte dies einerseits mit der oft psychologisch unterlegten Interpretation biblischer Geschichten, in denen göttliches Wirken beschrieben wird, andererseits mit Beispielen aus seiner Beratungsarbeit: Gerade auch in scheinbaren Unglücks-Situationen zeige sich das Wirken der Engel, "denn unser innerster Kern wird immer beschützt, wir können daher wieder heil werden." Und: "Jeder von uns kann Engel sein für einen anderen."

Selbst im Tod "tragen uns die Engel über die Schwelle", so das Bild des Paters dafür, dass in dieser schweren Stunde niemand alleine ist - nach christlichem Verständnis und auch nach dem vieler anderer Religionen. Engel gebe es auch dort als die Beschreibung einer Kraft, "die hin und her strömt zwischen Gott und uns."

Mit seiner Ermunterung, die Engel auch als ein Bild für "die Leichtigkeit des Seins" zu verstehen, taten sich viele Zuhörer offensichtlich noch etwas schwer. Die Fragen nach dem einstündigen Vortrag drehten sich weniger um das Engel-Verständnis nach Grünscher Sicht, sondern mehrheitlich um ganz konkrete Engel-Probleme: Die Aufgabenteilung zwischen ihnen beispielsweise, ihre Zahl oder die Dämonen als Gegenspieler. "Wir sollten offen sein, ohne uns zu fixieren", so versuchte Pater Anselm Grün, zu konkrete Vorstellungen etwas aufzuweiten. "Wenn wir sie packen wollen, fliegen sie davon", war sein plastisches Bild dafür.

Als Seelsorger ging es ihm offensichtlich darum, mit dem Engels-Begriff vor allem "Mut zum Leben" zu machen.

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser