Entgegen dem bayerischen Trend

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Über das Weihnachtsgeschäft jammern und auf den Winterschlussverkauf mit seinen Rabatten setzen, das ist die bayernweite Tendenz im Einzelhandel. Die Wasserburger Geschäftsleute haben dafür kein Verständnis, sie sind mit dem Dezember weitestgehend zufrieden.

Wasserburg - Es ist mitten in der Faschingszeit, der eine oder andere ist gedanklich schon bei Ostern, da beschäftigt sich mancher nochmal mit der Weihnachtszeit.

Die BBE-Handelsberatung startete eine repräsentative Umfrage in Bayern. Deren Ergebnis Wasserburger Geschäftsleute nicht nachvollziehen können.

Die BBE-Handelberatung ist deutschlandweit tätig. Für Bayern veröffentlichte sie jetzt das Ergebnis einer Befragung von 10.000 Unternehmen des Einzelhandels zum Weihnachtsgeschäft. Mit einem verheerenden Ergebnis: 70 Prozent der Einzelhändler, vor allen in den Bereichen Textil, Unterhaltungselektronik und Sport, sind unzufrieden oder sehr unzufrieden.

Das können die hiesigen Geschäftsleute nicht bestätigen. Moritz Hasselt, Vorstandsmitglied des Wirtschaftsförderungsverbandes, hat von seinen Mitgliedern keine negativen Rückmeldungen gehabt, allerdings machten sich Konjunkturschwankungen in Wasserburg - wie in weiten Teilen Oberbayerns - verzögert und vor allem abgeschwächt bemerkbar. Sein WFV-Vorstandskollege Heinz Forstmaier erinnert daran, dass das Weihnachtsgeschäft 2009 nach einem schwachen Jahr sensationell gewesen ist, "das war 2010 gar nicht zu toppen." Gut sei das Geschäft generell dennoch gewesen. Bei Forstmaier selber sei allerdings der Winterschlussverkauf "so schlecht wie lange nicht" gewesen.

Gerade bei der Unterhaltungselektronik hatten Wirtschaftsinstitute und andere Experten ein grandioses Weihnachtsgeschäft vorhergesagt. "Solche Prognosen haben oft nichts mit der Realität zu tun", sagt Eberhard Nowak von Nowak&Sturm. Das gilt bayernweit, denn bei 70 Prozent der von BBE befragten haben die Umsätze bestenfalls stagniert, die gleiche Prozentzahl der Händler ist unzufrieden. Ganz so ist es bei Nowak nicht, denn das Weihnachtsgeschäft sei zwar nicht herausragend gewesen - "da geht leider viel über das Internet" - spiele bei seiner Geschäftsgröße aber ohnehin nicht die ganz große Rolle. "Dafür war bei uns der Jahresbeginn ziemlich gut." Was ihn selbst etwas verwundert, denn der allgemeinen Ansicht, nach Weihnachten sei ohnehin alles billiger, könne er nicht gegensteuern - "da haben wir nicht die Macht am Markt" - und es stimme auch nicht.

Grandios sei das Weihnachtsgeschäft nicht gewesen, sagt Brigitte Maier von unifoto, das Vorjahresniveau aber habe man sicher erreicht. Und: "Viele unserer Kunden sagen, dass sie wegen der Beratung lieber bei uns kaufen", so Brigitte Maier, gerade bei Digitalkameras sei das offenkundig wichtig.

Dass die Sportartikelhändler bayernweit jammern, obwohl laut BBE-Umfrage jeder zweite ein Umsatzplus von mehr als zehn Prozent zu verzeichnen hatte, verstehen weder Paul Müller von Sport Gruber noch Johannes Zanker von Intersport Enzinger. Der verschneite Dezember sei doch gerade für die Sportgeschäfte ideal gewesen, alles Wintersportzubehör entsprechend gefragt. Zu Jahresbeginn ließen die Zahlen nach, der Bedarf war wohl weitgehend gedeckt.

Auch die Textilbranche hatte sich zu über zwei Dritteln als unzufrieden oder sehr unzufrieden bezeichnet. Was man weder beim Gewandhaus Gruber noch bei Mode Eberl in Haag und Wasserburg so ganz nachvollziehen kann. Der Dezember habe für die Textilbranche nicht mehr die große Bedeutung wie früher, wenn man nicht Wäsche oder Herrenoberbekleidung führe, heißt es aus Haag. Mit den vorweihnachtlichen Umsätzen sei man durchaus zufrieden, zumal wegen Bauarbeiten die Kundenparkplätze wegfielen. "Und der Februar läuft bisher extrem gut."

Ganz so positiv sieht Franz Jahrstorfer, Geschäftsführer im Wasserburger Gewandhaus Gruber, den WSV nicht, die Umsätze seien aber zufriedenstellend. Wegen des kalten Dezembers sei aber das Weihnachtsgeschäft gut gewesen. Denn die Kunden, die sich Jacken, Mäntel, Schals, Mützen, Handschuhe, Winterstiefel kauften, die hätten oft auch gleich noch Weihnachtsgeschenke mitgenommen. "Irgendwie war da die Stimmung gleich ganz anders", so Jahrstorfer, der allerdings zu bedenken gibt, dass wegen des Umbaus und der damit verbundenen Angebote das Gewandhaus in diesem Winter ohnehin eine Ausnahmesituation hatte.

Sylvia Hampel (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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