Erfolg und auch ein wenig Frust

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Museumsobjekt des Monats ist ein Aquarell des Wasserburger Malers Gustav Eichhorn (1857-1928). Es zeigt einen Reiter, der auf das längst abgerissene Burgtor zureitet. Stadtmauer und Burg schützten die Stadt, Stadttore schloss man abends, geschlossen blieben sie wenn Seuchen drohten oder ein Verbrecher zu entkommen versuchte. Daher kommt die Redensart "Torschlusspanik haben", die hatte, wer befürchtete, die Nacht vor der Stadt verbringen zu müssen. Keine Torschlusspanik muss haben, wer noch die Ausstellung über Redensarten "Aus dem Nähkästchen geplaudert..." sehen möchte. Es geht noch heute, morgen und am Sonntag.

Wasserburg - Verdoppelt hat sich im Jahr 2012 die Zahl der Besucher des Wasserburger Museums auf über 6400, nicht mitgezählt sind die Teilnehmer der 26 Stadtführungen, denen die Führer das Museum zeigten.

"Das ist ein super Ergebnis" freut sich Sonja Fehler. Einziger Wermutstropfen für die Museumsleiterin ist die zeitliche Verschiebung für den Bau des Depots. "Das hat uns hart getroffen, wir sind quasi handlungsunfähig bis zum Bau".

Sechs Sonderveranstaltungen organisierten im letzten Jahr Sonja Fehler und Volontärin Maike Gildenast, es begann mit der Ausstellung "Wasserburger Handelsgeschichte", das Haus machte mit beim "Internationalen Museumstag", beim "Tag des offenen Denkmals" und bei "Wasserburg leuchtet", es folgten die Sprichwörter-Ausstellung und die kleine Weihnachtsausstellung. Dass vor allem letztere immer wieder Besucher anlockt zeigen die Besucherzahlen allein im Dezember. 1578 waren es in diesem Monat und davon zwischen dem zweiten Weihnachtsfeiertag und bis gestern 356, "das zeigt, dass die neuen Besucherzeiten, dass wir die letzte Dezember- und die erste Januarwoche bis Dreikönig offen haben, gut angenommen werden", so Fehler.

Stattgefunden haben außerdem 134 Führungen durch das Haus und fünf Lehrerfortbildungen, "letztes Jahr haben wir viel mit Schulen zusammen gearbeitet".

Drei Wochen ist das Museum von kommenden Sonntag an geschlossen. Saniert werden in dieser Zeit endlich die historischen Fenster und Putze. Ab 2. Februar wird die kleinere Ausstellung "Wasserburger Waschzauber. Die Seifensiederei Hinderegger" zu sehen sein, am 21. März wird die große Ausstellung "Kommt nach Wasserburg! Reisevergnügen einst und jetzt" eröffnet. Zu sehen sein werden zu diesem Thema lauter Leihgaben von Mitgliedern des Fremdenverkehr- und Heimatvereins sowie vom Stadtarchiv. Zum Jahresschluss gibt es wieder eine Weihnachtsausstellung. Dieses Mal soll gezeigt werden, wie die Nationen in Wasserburg das Fest feiern.

Für die Sammlung ist dieses Jahr die Nachinventarisierung und Umbettung der Textiliensammlung vorgesehen. Begeistert ist Sonja Fehler von dieser Sammlung mit Trachten, Kleidern, auch religiösen Objekten bis aus dem 18. Jahrhundert. Sehr selten sei das und ebenso selten habe ein Haus auch noch alte Bilder von Bürgern, so dass man im Kontext wirklich sehen könne, wie die Wasserburger in den letzten 300 Jahren gekleidet waren.

Im nächsten Jahr soll bei der Sammlung die Umbettung der Grafik ins Städtische Archiv erfolgen. Und dann? "Ganz klar, ein Aufnahmestopp, wir haben für Objekte keinen Platz mehr, auch die Außendepots sind voll", sagt die Museumsleiterin. Angeboten würden dem Museum archäologische Objekte immer wieder, auch Textilien oder Gemälde, vieles mit kulturhistorsichen und auch monitären Werten.

Fertig verpackt für einen Umzug ins geplante Depot sind bereits die Archäologikas, im Museum rechnete man mit einem Umzug nächstes oder übernächstes Jahr. "Die zeitliche Verzögerung hat uns schon auch enttäuscht, da wir viel mitgeplant und mitgearbeitet haben", meint Sonja Fehler. In der letzten Sitzung 2012 beschloss der Stadtrat vor allem wegen der teuren Sanierung der Wasserburger Mittelschule und dem Neubau der Turnhalle das Thema Depotbau auf 2016 zu verschieben (wir berichteten).

Objekte zu veräußern kommt für Sonja Fehler nicht in Frage, der Kontext sei wichtig, mit einem Verkauf würde man eine Tradition brechen und die künftigen Generationen um ihr kulturelles Erbe betrügen. "Wir müssen und werden damit leben und machen weiter Ausstellung und Veranstaltungen", betont die Museumsleiterin. So richtig wohl ist aber nicht, "das ganze Gebäude ist sehr sanierungsbedürftig und ich habe Angst, dass es eine Havarie gibt". Ein Wasserrohrriss oder dass es zum Dach hineinregnet, diese Vorstellung ist für Sonja Fehler eine Katastrophe, "wir könnten mit den Objekten nirgendwo hin, wir könnten nichts evakuieren". Mit den rund 200000 Euro aus dem Stadtsäckel komme man für den laufenden Betrieb des Hauses auf jeden Fall gut zurande. "Es geht aber um das Inventar".

vo/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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