Erinnerung an ermordete Patienten

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Die Gedenktafel des Inn-Salzach-Klinikums wurde jetzt bei den vielen anderen aufgehängt, die in Hartheim schon länger an die Mord-Opfer erinnern.

Wasserburg - Mit einer Dokumentation hat der damalige Ärztliche Direktor Hans Ludwig Bischof 1994 begonnen, die Deportation und Ermordung von Patienten der Psychiatrie in Gabersee 1940/41 aufzuarbeiten.

Jetzt erinnert in Hartheim eine Gedenktafel an dieses grauenvolle Kapitel der Krankenhausgeschichte.

Wenige Wochen nach Beginn des Zweiten Weltkrieges war die Tötung von unheilbar Kranken und Menschen mit Behinderung ein weiteres mörderisches Unternehmen Adolf Hitlers. Für das "Euthanasie-Programm" wurden sechs "Reichsanstalten" errichtet, Schloss Hartheim bei Linz in Oberösterreich war eine davon. Ursprünglich wurde das Renaissance-Schloss nahe Linz von den Ordensschwestern des heiligen Vinzenz von Paul als Pflegeanstalt geführt. Dann erfolgten die Enteignung und der Umbau zur Tötungsanstalt für den Südosten des "Dritten Reiches". Die Nationalsozialisten errichteten Gaskammer und Krematorium. Ab 1940 begann man mit der systematisch organisierten Tötung des aus nationalsozialistischer Sicht "lebensunwerten Lebens". Insgesamt wurden in Schloss Hartheim 30 000 Menschen ermordet.

Unter den Opfern waren auch zahlreiche Patienten und Patientinnen der Heil- und Pflegeanstalt Gabersee. Drei Transporte gingen direkt von Gabersee aus nach Schloss Hartheim. Den offiziellen Zahlen nach kamen 509 Patientinnen und Patienten aus Gabersee in Hartheim um. Tatsächlich dürften es weitaus mehr Menschen gewesen sein. Denn mit der Schließung Gabersees 1941 waren noch über 400 Patientinnen und Patienten nach Haar verlegt worden. Diese fielen dann von dort aus dem Naziterror zum Opfer. Nur etwa 100 von vormals über 1000 Patienten waren in Gabersee verblieben, um mit sieben Pflegern und einem Arzt den Gutshof weiter zu bewirtschaften.

Heute ist das "Mordschloss" Hartheim eine internationale Gedenkstätte. Schon mehrfach wurde Hartheim von Mitarbeitern aus dem Inn-Salzach-Klinikum besucht. Dabei fielen auch die vielen Tafeln auf, mit denen Angehörige, Anstalten und Behinderteneinrichtungen "ihrer" Getöteten gedenken. Es reifte der Wunsch, dass auch das Inn-Salzach-Klinikum neben den Stiftungen Attl oder Ecksberg an seine in Hartheim ermordeten Patientinnen und Patienten erinnern sollte.

Wolfgang Schmid von der Berufsfachschule für Krankenpflege setzte jetzt im Rahmen eines Unterrichtsprojektes dieses Vorhaben um. Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern der beiden Examenskurse 66 und 67 wurde ein Konzept entwickelt, um die Gestaltung und Übergabe einer Gedenktafel auf den Weg zu bringen. Unterstützung erfuhr das Projekt besonders durch Geschäftsführer Dr. Theo Danzl, der sich auch um die Bereitstellung der finanziellen Mittel kümmerte.

"Man kann vergeben, aber niemals vergessen", lautet der Appell des Mahnmals. Seit dem 1. September, genau 70 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges, erinnert jetzt die Gedenktafel aus rotem Marmor an die 509 unschuldigen Opfer aus Gabersee.

wj/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser