Erlebnisreisen zu Höfen und Almen

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Die Preisträger aus den Landkreisen Rosenheim und Mühldorf (von links hinten) Georg Rappel, Anna Maria Liedschreiber, Katharina Kern, Michaela Astl, Bettina Preissinger mit Gertraud Bruckmaier und Josef Kobler vom Amt für Landwirtschaft und Forsten in Töging sowie Theresia Dirnecker, auf deren Hof die Verleihung stattfand mit Preisträgerin Ulrike Reuther und Ministerialrätin Dr.Viktoria Lofner-Meir.

Eiselfing - Bei einem feierlichen Festakt auf dem "Bosch'n Hof" in Höhfelden erhielten 14 Landwirte aus Ober- und Niederbayern ihr Zertifikat für "Landerlebnisreisen in Bayern".

Die Hälfte der Betriebe ist in den Landkreisen Rosenheim, Miesbach und Mühldorf angesiedelt. Um ihre Betriebe fit für den Tourismus zu machen, hatten die Landwirte an einem sechstägigen Qualifizierungsseminar unter dem Motto "Komm, ich zeig dir mein Bayernland" teilgenommen.

Theresia Dirnecker aus Höhfelden trat dann auch gleich den Beweis der erfolgreichen Seminarteilnahme an, denn die Zertifikatsverleihung fand auf ihrem Familienbetrieb nahe Eiselfing statt und sie übernahm die Bewirtung der Gäste in ihrem neu eröffneten Hofcafé. Mit der Harfe umrahmte den festlichen Abschluss Johanna Schellenberger aus Sachrang. Die Bundessiegerin des Wettbewerbs "Jugend musiziert" macht gerade ein Betriebspraktikum bei einer der Seminar-Teilnehmerinnen.

Dr.Viktoria Lofner-Meir, Ministerialrätin im Bayrischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hob in ihren Grußworten das große Engagement und Durchhaltevermögen der Absolventen hervor, die sich mit der Qualifizierungsmaßnahme eine weitere Einnahmequelle geschaffen hätten. Rund 84 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe hätten mehrere Standbeine, um mit Multifunktionalität ihre Existenzen zu sichern. Die Palette reiche vom Erlebnisbauernhof, über die Obstbrennerei und die Gartenbäuerin bis hin zur Direktvermarktung und zum Hofcafé. Bayern und vor allem die Landwirtschaft habe viel mehr als nur Lebensmittel zu bieten und daher habe das Konzept der Qualifizierungsmaßnahme darauf abgezielt, die Teilnehmer dabei zu unterstützen, ihre Stärken zu erkennen und mit einem Grundlagenseminar die Unternehmerleistung erbringen zu können. "Das I-Tüpfelchen ist die Vernetzung mit anderen Landwirten und der Wirtschaft", so die Ministerialrätin.

Kirstin Neumayr vom Bayerischen Landesverband der Busunternehmen sah die Landerlebnisreisen als Volltreffer, der im Trend liege. Urlauber entschieden sich wieder für klima- und sozialverträgliche Bus-Reisen und schätzten echten, unverfälschten Urlaub ohne künstlich organisierte Tourismuswelt.

"Man muss das verkaufen, was knapp ist", stellte Seminarleiterin Gertraud Bruckmaier vom Amt für Landwirtschaft und Forstern (AFLF) in Töging das Konzept der Landerlebnisreisen, näher vor. Dabei spielten die Zeit, Wurzeln und Traditionen, Echtheit und Ursprünglichkeit eine große Rolle und viele landwirtschaftliche Betriebe könnten genau das bieten. Die Schatztruhe müsse nur fachgerecht geöffnet werden.

Michaela Astl und Katharina Kern haben den Schlüssel hierzu als Almbäuerinnen auf der Schweinsteiger Alm im Sudelfeld gefunden, die sie zusammen von Mai bis Oktober mit Milchkühen, Jungvieh und Pferden bewirtschaften. Sie bieten Almerlebnistage für Schulklassen und Tourismusgruppen mit Wanderungen zum Gebirgsbach an, erzählen vom Almleben und stellen mit ihren Besuchern Käse her.

Theresia Dirnecker aus Höhfelden bewirtschaftet mit ihrer Familie einen klassischen Milchviehbetrieb, vermarktet hausgemachte Spezialitäten und regionale Produkte im Hofladen und im neu eröffneten Hofcafé. Anna Maria Liedschreiber aus Gmund am Tegernsee macht die Gäste beim Schnapsbrennen mit einem alten Kunsthandwerk von der erlesenen Frucht bis zum edlen Destillat vertraut, das natürlich im Anschluss auch probiert werden kann. Bettina Preissinger aus Tuntenhausen bewirtschaftet mit der Familie einen biologisch-dynamischen Milchviehbetrieb mit Anbau alter Getreidesorten. In ihrem Garten wachsen Kräuter und Bauernblumen und es gibt viel über die Pflanzen nach Hildegard von Bingen zu erfahren.

Georg Rappel betreibt auf seinem Hof an der Ratzinger Höh eine der wenigen Most- und Essigmanufakturen Bayerns. Ulrike Reuther aus Maitenbeth ist Bäuerin auf dem Demeter-Betrieb Ziegenmeierei, macht spannende Hofführungen und bewirtschaftet einen Cafégarten.

In Höhfelden präsentierten in einem Pavillon die Kursteilnehmer ihre Betriebe und ihre "landgemachten" Spezialitäten der Öffentlichkeit. Wie erfolgreich Unternehmenskonzepte sein können war am Beispiel von Kursteilnehmerin Sonja Hörmannskirchner aus Freising deutlich. Für ihr Unternehmenskonzept "Wieser Erlebnisbauernhof" erhielt sie den bayerischen Staatspreis im Landeswettbewerb "Bäuerin als Unternehmerin des Jahres 2011".

Die Geschichte von Landerlebnisreisen begann 2001 mit der Ausbildung von Gartenbäuerinnen anlässlich der Landesgartenschau. Das Seminar zur Vermarktung touristischer Angebote auf dem Bus- und Gruppenreisemarkt übernahmen dann die AFLFÄmter in Töging und Tirschenreuth 2008. 2009 entwickelte die Landesanstalt für Landwirtschaft ein bayernweit gültiges Qualifizierungskonzept. 2010 war in Ingolstadt ein Seminar und eine Fortbildung für Landwirte aller Bezirke. Damit war die Idee eines bayernweiten Zusammenschlusses geboren. Seit November 2010 gibt es die "Interessengemeinschaft Landerlebnisreisen Bayern". Infos auch unter www.landerlebnisreisen-bayern.de.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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