"Ernstes Wörtchen" führt zu Schlägerei

Wasserburg/Rosenheim - An der Theke eines Wasserburger Lokals artete ein "ernstes Wörtchen" derart aus, dass es zu einer Schlägerei kam. Deswegen stand nun ein 35-Jähriger vor Gericht.

Nicht immer ist "der schönste Platz an der Theke", wie ein bekanntes Wirtshauslied suggerieren möchte, denn gerade dort kommt es oft zu verbalen Attacken und tätlichen Auseinandersetzungen - besonders dann, wenn die Thekenbesucher schon Einiges über den Durst getrunken haben.

Licht in eine solche Wirtshausschägerei sollte kürzlich das Amtsgericht unter Vorsitz von Richter Heinrich Loeber bringen. Es ging um eine nächtliche Schlägerei in einem Wasserburger Lokal, der eine verbale Auseinandersetzung an der dortigen Theke vorausgegangen war. Kurz vor 4 Uhr, sei der Angeklagte, ein in Bosnien-Herzegowina geborener und seit langem in Wasserburg wohnender, 35-jähriger Mann, im Lokal erschienen, um mit dem Besitzer ein "ernstes Wörtchen" wegen einer privaten "Unstimmigkeit" zu reden.

Weil der Wirt allerdings zu dieser nächtlichen Stunde nicht im Lokal anwesend war, wollte der Angeklagte, dass der "diensthabende" Barkeeper den Besitzer telefonisch verständigt.

Dies gelang aber nicht, weshalb der stark alkoholisierte späte Gast aggressiv wurde und einen Streit mit dem Barkeeper begann. Er beschimpfte diesen und soll auch weitere Drohungen von sich gegeben haben, so die Einlassungen des Barkeepers.

Er selbst habe die Drohungen zwar registriert, aber bewusst nicht auf diese reagiert, sondern sei seiner Arbeit hinter der Theke nachgegangen. Ob sich der alkoholisierte Angeklagte, der dem Barkeeper nicht gerade wohl gesonnen war, dadurch provoziert gefühlt habe, konnte während der Beweisaufnahme nicht eindeutig geklärt werden. Der Barkeeper als Geschädigter sagte aus, ohne jegliche Vorwarnung sei der Angeklagte auf ihn zugegangen und habe ihn mit dem Knie recht schmerzhaft in die Rippen gestoßen und mit den Fäusten mehrfach auf den Hinterkopf geschlagen. Es sei zu einem heftigen Gerangel zwischen den beiden Männern gekommen und der Angeklagte habe versucht, mit seinem Knie den Kopf des Barkeepers zu rammen. Schließlich, so der Barmann, sei es ihm gelungen, sich aus der Umklammerung zu lösen und aus dem Lokal zu flüchten. Er hatte die Tür von außen geschlossen und die Polizei gerufen, die auch schnell gekommen sei.

Von den wenigen um die nächtliche Stunde noch im Lokal anwesenden Gästen, die vom Gericht als Zeugen geladen waren, konnte keiner Ursachen noch genauere Angabe zum Hergang der tatsächlichen Auseinandersetzung nennen. Alle seien allzu sehr mit sich selbst beschäftigt und obendrein auch nicht mehr ganz nüchtern gewesen. So stand letztlich die Aussage des Barkeepers gegen die des Angeklagten, der bestritt, den Barkeeper vorsätzlich mit dem Knie gegen den Kopf getreten zu haben, aber möglicherweise im Gerangel eine Bewegung gemacht haben könnte, die sein Gegner als solche so gesehen haben wolle.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Jörg Zürner aus Mühldorf, vertrat die Ansicht, dass sich die Anklage allein auf den Einlassungen des geschädigten Barmannes stütze und dass dessen ärztliches Attest keine ernsthaften Verletzungen auswies. Zürner meinte sogar, in den Aussagen des Barkeepers einen gewissen "Belastungseifer" erkennen zu können.

Da sich die Zeugen auffallend widersprachen, konnte die Schuld an der Schlägerei auch nicht eindeutig dem Angeklagten angelastet werden und der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung konnte nicht aufrecht erhalten werden. Letztlich blieben nur die Beleidigungen übrig, die der Angeklagte auch nicht bestritt. Diese brachten ihm eine zweimonatige Freiheitsstrafe ein, die aufgrund einer noch einzubindenden, einschlägigen Straftat aus einem vorherigen Urteil nicht zur Bewährung ausgesetzt werden konnte.

je/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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