Erste Bremsspuren

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Helmut Schenk aus Großkarolinenfeld und Anton Kathrein aus Rosenheim sprachen mit weiteren Vertretern der Verbände bayme und vbm über die aktuelle Lage der Metall- und Elektroindustrie.

Rosenheim - Deutliche Abkühlung, gedämpfte Erwartungen, große Unsicherheit: Das sind die wesentlichen Erkenntnisse der jüngsten Umfrage der Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände "bayme" und "vbm" unter den Mitgliedsunternehmen in der Region.

Für die bevorstehende Tarifrunde fordern die Verbände von der IG Metall vor allem "Flexibilität".

"Die Erwartungen für das erste Halbjahr 2012 haben sich erheblich eingetrübt", sagte Professor Dr. h.c. Anton Kathrein als Vorsitzender der bayme vbm Region Südost-Bayern in einem Pressegespräch in Rosenheim. Bezüglich des Inlandsgeschäfts würden die zuversichtlichen Stimmen mit 17 Prozent, die skeptischen mit gut 13 Prozent nur noch leicht überwiegen.

Beim Export gehen nach den jüngsten Umfragewerten fast ein Viertel der Befragten von Rückgängen aus. Nur 13 Prozent erwarten eine weitere Verbesserung. "Damit blicken in Südostbayern beim Export mehr Unternehmen pessimistisch in die Zukunft als in ganz Bayern, wo sich positive und negative Erwartungen die Waage halten", erklärte Kathrein.

Der Beschäftigungsanstieg wird nach Meinung der Metall- und Elektroarbeitgeberverbände 2012 weit weniger stark ausfallen als im vergangenen Jahr. Für ganz Oberbayern wird mit 1500 zusätzlichen Arbeitsplätzen in der Metall- und Elektrobranche gerechnet. "Auf Südostbayern werden dort wohl nur rund 150 zusätzliche Stellen entfallen", vermutet Kathrein. Trotzdem ändere diese Entwicklung nichts am Fachkräftemangel. Techniker und Ingenieure seien nach wie vor Mangelware: "Wer eine gute Ausbildung hat, wird auch in Zukunft nicht arbeitslos sein."

Die verschlechterten Umfrage-Ergebnisse sind nach Auffassung Kathreins auf die Skepsis in den Unternehmen zurückzuführen. Viele Fragen seien derzeit unbeantwortet; zum Beispiel, ob der Finanzmarkt in größere Turbulenzen gerät oder wie sich die Schuldenkrise in der Eurozone weiter entwickelt.

Diese Verunsicherung beginne sich nun auszuwirken: "Wir erwarten eine deutliche konjunkturelle Abkühlung. Wir hoffen aber auch auf eine Stabilisierung der Lage im zweiten Halbjahr." Wichtig seien nun verlässliche Rahmenbedingungen. Eine weitere Verunsicherung seitens der Wirtschafts- oder der Tarifpolitik könnte nach Einschätzung des Vorsitzenden von bayme und vbm fatale Folgen haben. Bei der bevorstehenden Tarifrunde müsse daher Flexibilität im Fokus stehen. "Was man bisher von der IG Metall hört, geht es aber dort genau um das Gegenteil", ärgerte sich Kathrein. So gehe eine unbefristete Übernahme von Azubis an der Realität vorbei.

Kathrein: Zeitarbeit verhindert Arbeitslosigkeit

Die Zeitarbeit sei ein ganz entscheidendes Flexibilisierungsinstrument, um Volatilitäten in der Auftragslage abzufedern. Die derzeitigen Bestrebungen der IG Metall würden aber allesamt auf eine Einengung der Zeitarbeit hinauslaufen.

Bei der Pressekonferenz anwesend waren auch drei Unternehmer aus der Region, die aus ihrer Sicht die wirtschaftliche Lage darstellten. Die Erfahrungen von Helmut Schenk, Geschäftsführer von KWS-Elektronik in Großkarolinenfeld, deckte sich größtenteils mit dem Umfrageergebnissen. "Der Auftragseingang ist mit ersten Bremsspuren behaftet." Trotzdem zeigte auch er sich für den Verlauf des Jahres 2012 vorsichtig zuversichtlich: "Wir müssen mittel- und langfristig auf technische Innovationen setzen, um uns gegen die Konkurrenz zu wappnen."

wu/OVB

Quelle: rosenheim24.de

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