Erste Zweifel werden laut

Wasserburg - Wer 600.000 Euro angeboten bekommt, nimmt sie. Auch die Stadt Wasserburg. "Denn wenn wir's nicht machen, geht das Geld woanders hin", sagt der Bürgermeister.

Es ist schon einige Monate her, dass aus dem Umweltministerium in München die Zusage kam, 600000 Euro zu einer weiteren Querungsmöglichkeit für Fußgänger und Radfahrer über den Inn beizusteuern (wir berichteten). Umweltminister Dr.Marcel Huber, ein Befürworter des Radtourismus, hatte sich dafür stark gemacht, dass Wasserburg von den Konzessionsverhandlungen zwischen dem Innwerkbetreiber-Verbund und dem Freistaat profitiert.

Bürgermeister Michael Kölbl ging im Rahmen der Bürgerversammlungen erneut auf das Thema ein. Ein "Affenkäfig", sprich ein eingezäunter Weg für Fußgänger und Radfahrer über das bestehende Innwerk, ist laut Kölbl aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Der Umweltminister äußerte eine gewisse Vorliebe für einen Fußgänger- und Radfahrersteg über die Kapuzinerinsel. Die koste laut Kölbl nach ersten Schätzungen rund vier Millionen Euro netto - die Mehrwertsteuer käme noch obendrauf. Mit einer bis anderthalb Millionen Euro netto deutlich günstiger wäre eine an das Innwerk angehängte Brücke, für die sich der Stadtrat letztendlich auch entschied.

Die 800000 bis 1,4 Millionen Euro, die laut der ersten Kostenschätzung nach Abzug des Zuschusses noch etwa übrig bleiben, hofft Kölbl auf drei Schultern verteilen zu können. "Wenn wir uns die Kosten teilen, dann ist es für alle erträglich", so der Bürgermeister. Der Kraftwerksbetreiber-Verbund legt Wert auf ein gutes Einvernehmen mit den Kommunen entlang des Inns, der Landkreis will den Übergang wegen der Verbindung der überregionalen Radwege und die Stadt Wasserburg wolle ihn für die Bürger.

Ob diese den Überweg bei Kosten von 300000 Euro aufwärts für die Stadt so dringend wollen, wie es eine Unterschriftenaktion der SPD vor einigen Jahren vermuten lässt, daran kamen im Rahmen der Bürgerversammlungen in der Altstadt und in Reitmehring erste Zweifel auf. Zumal die Nachfrage, ob es denn Zahlen gebe, wie viele Radfahrer oder Fußgänger eine Brücke am Innwerk nutzten, nicht beantwortet werden konnte. Es gibt keine Zahlen.

Ein Reitmehringer hat sich die Mühe gemacht und mit Hilfe eines Programmes des Vermessungsamtes im Internet die Strecke von der AOK im unteren Burgerfeld zum Altstadtbahnhof über die rote Brücke, eine Brücke über die Kapuzinerinsel und über das Innwerk ausgerechnet: Knapp 900 Meter sind es via Kapuzinerinsel, über die rote Brücke sind es knapp 1330 Meter und über das Innwerk 1500 Meter. Als Abkürzung kann ein Fußweg über den Inn wohl nur zwischen dem Burgerfeld und der Burgau beziehungsweise dem Weg nach Attel dienen. "Wenn's drum geht, dass die Brücke gut genutzt wird, dann müsste sie über die Insel führen, nicht über das Wehr", fasste ein Wasserburgerin in der Altstadt zusammen. Und nach der Reitmehringer Bürgerversammlung fragte ein Anwesender in die Runde, ob die Händler und Gastronomen in der Altstadt es wohl so gut fänden, wenn Radltouristen über eine Brücke am Innwerk von einem überregionalen Radweg auf den anderen wechselten, ohne überhaupt in die Stadt hinein zu fahren.

Seit Jahren gegen das Projekt sind die Wasserburger Grünen: Aus ihrer Sicht wäre das Geld für den Überweg sinnvoller in Bus, Bahn oder andere Verkehrsprojekte investiert. Sie zweifeln am infrastrukturellen Nutzen des Innübergangs, halten ihn für Luxus.

Ob sich die Stadt diesen Luxus leisten kann und will, das entscheidet letztendlich der Stadtrat.

syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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