Die ersten ganz ohne Gentechnik

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Jeden Tag werden von 850 Landwirten aus Ober- und Niederbayern über 500 000 Liter Milch von gentechnikfrei gefütterten Kühen an die Molkerei Bauer geliefert und sofort verarbeitet.

Wasserburg - Als erste Molkerei in Deutschland verarbeitet die Firma Bauer seit einigen Monaten ausschließlich Milch aus garantiert gentechnikfreier Fütterung.

Jetzt gibt es auch die ersten Produkte mit einem entsprechenden Siegel.

40 Jahre ist es her, dass die Privatmolkerei Bauer schon einmal den Vorreiter machte für möglichst natürliche Produkte: 1971 war der Bauer-Joghurt der erste auf dem Markt, bei dem auf den Einsatz von Farb- und Konservierungsstoffen sowie künstlichen Aromen verzichtet wurde. Inzwischen habe man sich mit "vielen kleinen Schritten dem Ziel des verantwortungsbewussten nachhaltigen Umgangs mit Natur und Ressourcen weiter genähert", so Geschäftsführer Markus Bauer.

Das Siegel "Ohne Gentechnik" ist dabei ein neuer Meilenstein. Denn auch wenn dieses Thema in den letzten Monaten etwas in den Hintergrund geraten schien: Für die Zukunft bedeutet es für Bauer den entscheidenden Unterschied in der Lebensmittelproduktion.

Dass das auch die Verbraucher und viele Handelspartner so sehen, habe sich in den letzten acht Wochen gezeigt, so Marketingleiter Jens Fischer: Als erste Produkte mit dem "Ohne Gentechnik"-Siegel kamen zwei neue Käsesorten auf den Markt, "mit gutem Erfolg". Zur wichtigsten Lebensmittel-Messe "Anuga" im Oktober werden drei weitere Bauer-Produkte folgen.

Warum es noch nicht mehr sind - Bauer produziert nach eigenen Angaben mehr als 290 Frischprodukte und 53 Käsesorten - erklärt Fischer mit Zuliefer-Problemen: Für jeden Bestandteil des Endproduktes und die entsprechende Produktionskette muss in Deutschland 100-prozentige Gentechnikfreiheit garantiert werden, damit ein Siegel verliehen wird. "Da sind wir wesentlich strenger als die EU-Vorgaben oder unser Nachbar Österreich."

So benötigt man für Käse beispielsweise spezielle Kulturen, für einige werden auch Gewürze verarbeitet. Und Fruchtjoghurt enthält Fruchtauszüge. Für all das bräuchte man entsprechende Zertifikate, die aber nicht einmal Bio-Produkte immer haben. Besondere Probleme macht der Zucker. "Derzeit will noch kein deutscher Zuckerproduzent die Gentechnikfreiheit garantieren", bedauert Markus Bauer.

Trotzdem bleibt die Molkerei bei dem Ziel, möglichst bald auch auf die Joghurt-Becher das neue Qualitätssiegel drucken zu können. "Der Druck auch auf die Zulieferer wird steigen, die Verbraucher wollen das", ist man in Wasserburg überzeugt. Inzwischen habe ein Käse-Mitbewerber nachgezogen, und einige Lebensmittel-Produzenten aus anderen Branchen hätten sich schon bei Bauer nach den Erfahrungen erkundigt.

Qualität als wichtiges Kaufargument auf der einen, Verantwortung für Umwelt und zukünftige Generationen auf der anderen Seite seien die entscheidenden Beweggründe für die Umstellung gewesen, versichert man bei der Molkerei, die seit 1887 durch fünf Generationen im Besitz der Familie ist.

Aber auch die derzeit 850 Milchproduzenten in Ober- und Niederbayern sollen etwas davon haben. Die Landwirte habe man eigentlich nicht von dem Ziel Gentechnikfreiheit überzeugen müssen, so Markus Bauer. Probleme habe es allenfalls bei der Umsetzung gegeben, beispielsweise beim Bezug entsprechender Futtermittel. Sogar mit Greenpeace hat man dabei zusammengearbeitet. Für die entsprechende Beratung der Landwirte und die Zertifizierung in der Molkerei wurde mit "Lacon" ein renommiertes Fachinstitut engagiert.

Die erhöhte Verantwortung wird den Landwirten auch vergütet: 0,5 Cent pro Kilogramm Milch gebe es von Bauer für die Gentechnik-Freiheit auf den Milchpreis oben drauf als Prämie. "Immerhin haben wir da gemeinsam mehrere Jahre drauf hingearbeitet."

Karl Königbauer/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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