Erstes Gefecht mit Ladehemmung

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Albaching - Beim Auftakt zum Wallenstein-Festival schien alles rund zu laufen, bis die Kanone nicht zünden wollte. Doch auch sie tat am Ende ihren Dienst:

Alles hatte geklappt bei der Auftaktveranstaltung zum Wallenstein-Festival in Albaching: der Gottesdienst war würdig, der Festzug geordnet, trotz Schnee kamen mehr Zuschauer als erwartet, die Stimmung war gut, und dann streikt die "Dicke Berta", Bayerns größte Holzkanone, vor dem entscheidenden ersten Knall. Feuerproblem? Ladehemmung? Bis ein Mitwirkender auf einer Leiter nach oben kletterte und der riesigen Kanone unerschrocken in ihren Schlund schaute. Nach bangen Minuten in eisiger Kälte erfolgte dann doch der "Startschuss", für den Schirmherr Bürgermeister Michael Kölbl aus Wasserburg die Zündung initiierte.

Wallenstein-Festival in Albaching

Angefangen hatte alles recht würde- und stimmungsvoll in der vollen Albachinger Kirche, wo Alt-Abt Odilo Lechner gemeinsam mit Diakon Reinhold Lindner und Frater Emmanuel Rotter OSB zelebrierte. Die historischen Gewänder, Fahnen und die lateinische Messe aus dem 17. Jahrhundert vom Wasserburger Komponisten Abraham Megerle, die der Madrigalchor Edling "Concenti musicali" vortrug, ließen einen schon in die Zeit Wallensteins zurückversetzt fühlen. Einen würdevollen und ernsten Rahmen erhielt der gut einstündige Gottesdienst durch das Markus-Evangelium vom blinden Bettler und die Predigt von Odilo Lechner. Er hob immer wieder "ein großes Ziel" hervor, auf dass die Menschen durch die Geschichte hindurch zugehen und ermunterte sie, "wir alle sind eingeladen, mit Jesus durch die Geschichte zu gehen". Der Abt brachte die Albachinger Kirchgänger aber auch öfter zum Lachen, einmal sogar mit einem Witz. Für die musikalische Gestaltung bekam der Madrigalchor Edling am Ende des Gottesdienstes spontanen Applaus.

Der anschließende Festzug von der Kirche zur "Schwedenwiese" an der Tiefgasse verlief geordnet und bei guter Stimmung, trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt. Die Lanzenspitzen der marschierenden Soldaten streiften öfter Zweige und Äste, aus denen der Schnee dann auf die Köpfe der "Zivilisten" herabrieselte.

Vor dem ersten Gefecht zwischen Bayern und Schweden auf der teils matschigen, teils schneebedeckten Wiese wurde die Geduld der Zuschauer erstmal auf die Probe gestellt. Erst spielte die Wasserburger Blaskapelle die offizielle "Wallensteinhymne", es folgte ein kurzer historischer Abriss zu den Jahren 1632 und 1633 in Wasserburg und alle wichtigen Termine zum Wallensteinjahr wurden vorgetragen. Und dann schlugen endlich die ersten pyrotechnisch ausgelösten Schüsse in der Wiese ein. "A bisserl hastiger sollt's scho zuageh", war der Kommentar eines der Zuschauer, die immer mehr mit der Kälte zu kämpfen hatten.

Die Monolog-Kostproben der beiden Wallenstein-Darsteller Herbert Binsteiner aus Albaching und Peter Mühle aus Eiselfing kamen aber gut an beim Publikum. Albachings Bürgermeister Franz Sanftl bescheinigte in seiner Ansprache, dass das erste Gefecht "authentisch dargestellt" worden sei und wünschte den Darstellern "gutes Gelingen".

Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl fasste sich am kürzesten und wünschte den Darstellern "immer Jubel und Freude".

Auf die schwerste Probe wurden aber Geduld und kalte Gliedmaßen gestellt, als dann die "Dicke Berta" streikte.

Bei manchen halfen dann nur noch die Schnäpschen, um sich bei Laune zu halten. Immerhin mussten die Mitwirkenden noch den geordneten Rückzug zur Alpichahalle überstehen, wo es Essen und Trinken und vor allem Wärme im Überfluss gab. Spielleiter Christian Huber meinte auf die Frage, warum man denn den Wallenstein-Auftakt in den unwirtlichen Spätherbst verlegt habe: "Im Sommer kann's jeder".

Die Premiere des Theaterstücks "Wallensteins allerschnellster Tod" findet am 2. November um 20 Uhr in der Alpichahalle statt. Es gibt noch Karten.

id/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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