Erstmals wieder mehr Wasserburger

+
Jeder Geburt in Wasserburg stehen fast zwei Todesfälle gegenüber. Elisa macht sich darüber sicher noch keine Gedanken, ihre Eltern möglicherweise schon eher.

Wasserburg - Nach sechs Jahren ist der schleichende Einwohnerverlust Wasserburgs erst einmal gestoppt: Die Statistik verzeichnet zum Jahreswechsel 12.982 Bürger, 62 mehr als vor einem Jahr.

Von einer echten Trendwende kann bei 0,5 Prozent Zuwachs sicher noch nicht gesprochen werden. Trotzdem ist es auch in den Augen von Bürgermeister Michael Kölbl erfreulich, dass die Negativserie vorbei ist - für ihn keine echte Überraschung: Mit den Neubauprojekten an der Salzburger Straße, Am Ziegler und im Burgerfeld und den Sanierungen in der Altstadt sei letztes Jahr zusätzlicher beziehungsweise attraktiverer Wohnraum in Wasserburg entstanden. "Das dürfte alles miteinander diesen Zuwachs ergeben haben."

Andererseits steige der Wohnflächenbedarf pro Einwohner weiter - wie schon seit vielen Jahren, was sich ja auch bei den Sanierungen zeigt, bei denen regelmäßig deutlich luxuriösere Wohnungen entstehen. "Langfristig gehen wir davon aus, dass wir keine echte Zuwachs-, aber auch keine Abwanderungsregion sind", so Kölbl.

Allerdings: Die Geburten alleine sind es nicht, die für die Stadt so eine Stabilisierung bewirken könnten. 2010 waren 99 Jüngst-Wasserburger gemeldet worden, 2011 wurden es 98. Dem standen im vergangenen Jahr 181 Todesfälle entgegen. Aus eigenen Kräften wäre Wasserburg also eine aussterbende Stadt, selbst wenn man berücksichtigt, dass sich bei den Todesfällen die überdurchschnittliche Zahl von Altenheimplätzen niederschlägt.

Der Zuwachs kommt ausschließlich aus dem Zuzug. Mit 1096 Anmeldungen war das Bürgerbüro auch im letzten Jahr gut beschäftigt, schließlich gab es fast ebenso viele Wegzüge - aber eben nur fast.

Insgesamt 751 Bürger haben "nur" ihren Zweitwohnsitz in Wasserburg gemeldet. Das ist nahezu die gleiche Zahl wie vor zehn Jahren (755). Die Zahl aller Bürger ist seit 2001 um 200 gestiegen, die Zahl der Geburten dagegen weiter gesunken: Vor 20 Jahren wurden im Schnitt 180 neue Erdenbürger pro Jahr in Wasserburg registriert, vor zehn Jahren waren es 123.

11 528 Wasserburger haben einen deutschen Pass. Daneben sind in der Einwohnerstatistik 70 Nationalitäten verzeichnet, wobei sich hier immer noch der Krieg am Balkan vor 20 Jahren abbildet: Neben Kroatien, mit 107 Meldungen auf Platz zwei der Nationalitäten, gibt es beispielsweise 69 aus Bosnien und Herzegowina, 50 aus dem Kosovo, vier aus Mazedonien, zehn aus Slowenien und alleine drei Kategorien mit dem Stichwort Serbien: 40 Serben, eine Meldung aus "Serbien (einschließlich Kosovo)", 28 aus "Serbien und Montenegro".

Einfacher ist es offensichtlich mit der Nationalität "Türkei": Mit 378 stellen die Türken unverändert die größte Gruppe unter den Nichtdeutschen in Wasserburg. Vor einem Jahr waren es allerdings noch 19 mehr. Nach den Kroaten auf Platz drei liegen die Italiener (106), die Österreicher (95) und die Rumänen (77). Ein Bürger ist staatenlos.

Männer und Frauen sind weiterhin relativ ausgeglichen, mit einem leichten Überhang an Frauen. Der zeigt sich bei den ältesten Bürgern und vor allem bei den Kriegsjahrgängen deutlicher.

Die älteste Wasserburgerin wurde letztes Jahr 104, zwei sind 102, eine ist 100. Seit dem stärksten Jahrgang 1965 mit 244 Wasserburgern wird der demografische Jahresbaum kontinuierlich schlanker und hat sich seit dem Jahrgang 2001 bei etwa 100 Wasserburgern eingependelt.

Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser