Explosion in der Romed-Klinik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Wasserburg - Die Explosion und die Schreie der Pateinten auf Station 2 sind bis ins Foyer des Hauses zu hören. Freitag, 19.03 Uhr: die Großübung in der Romed-Klinik hat begonnen.

Kaum ist der zweite Knall verklungen, gehen sämtliche Türen zum Foyer der Klinik zu. "Aha, der Brandmelder ist ausgelöst", kommentiert Kreisbrandinspektor Georg Wimmer, der mit Vertretern des Katastrophenschutzes vom Landratsamt und Mitgliedern mehrerer Feuerwehren zur Beobachtergruppe gehört.

An der Pforte treffen mehr und mehr Klinikmitarbeiter ein, wollen Informationen und Material um auf die betroffene Station gehen zu können. Die Frau an der Pforte lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen, telefoniert erstmal mit der Integrierten Leitstelle, meldet den Brand im ersten Stock des Krankenhauses.

Es ist 19.10 Uhr. Während sich Dr.Manuel Unterthiener, der chirurgische Dienstarzt, Überblick über die Situation verschafft, treffen Georg Schmaderer und Rudi Göpfert, der Kommandant der Wasserburger Feuerwehr und sein Stellvertreter, ein und tun das Gleiche. "Eine Person ist noch im betroffenen Zimmer", erklärt ihnen Unterthiener. Noch ist wenig Rauch im kurzen Flügel der betroffenen Station. Dr.Martin Heindl, Chefarzt der Gynäkologie, wird ungeduldig: "Im Ernstfall wäre ich da schon längst reingelaufen, hätte versucht, den Patienten rauszuholen." Es wäre bei dem Versuch geblieben, denn als die Atemschutzgeräteträger der Feuerwehr mit Pressluftflaschen auf dem Rücken die Zimmertür öffnen, ist schlagartig der ganze Flur in dichten Qualm gehüllt.

Vor dem Krankenhaus sind längst die Fahrzeuge der alarmierten Wehren aus Wasserburg, Attel-Reitmehring, Edling und Bachmehring in Stellung gegangen, Rotes Kreuz, Johanniter und Malteser sowie die Schnelle Eingreiftruppe Attelthal stehen bereit um den Feuerwehrlern die von Station2 heruntergebrachten Patienten abzunehmen.

Selbstverständlich keine echten Patienten. Die sind schon seit Stunden anderweitig untergebracht. Schwestern, Pfleger und Verwaltungspersonal sind - kunstvoll zurecht gemacht - in die Rolle von Patienten und Angehörigen geschlüpft, spielen mit Leidenschaft. "Ich habe einer Schwester schon eine Valium-Spritze angedroht, wenn Sie nicht aufhört zu schreien", lacht Dr.Heindl. Für Heiterkeit sorgt ein Mitarbeiter, der höchst überzeugend einen alkoholisierten Patienten mimt und jeden, der des Weges kommt, um Biernachschub angeht. Bis ihn ein Feuerwehrler schließlich mit sanfter Gewalt aus dem Haus bugsiert. Die braucht es auch bei der "Frau" des Patienten, in dessen Zimmer der Brand ausbrach. Die wehrt sich so rabiat gegen ihren Abtransport, dass Feuerwehrgruppenleiter Thomas Rothmaier, der drinnen die Löscharbeiten koordiniert, sich zwischendurch mit Desinfektionsmittel und Pflaster verarzten lassen muss.

Der Rauch im kurzen Flur der Station2 ist auch um 19.35 Uhr noch undurchdringlich. Von draußen sorgt ein Sprühregen der großen Drehleiter dafür, dass der ohnehin schwüle Abend auf Station2 noch ein bisschen schwüler wird, sechs Atemschutzgeräteträger wechseln sich alle paar Minuten bei der Brandbekämpfung ab. Länger geht es bei der Hitze nicht. "Feuerwehrler im eigenen Saft" wird Kreisbrandmeister Stephan Hangl die unter Maske und Schutzanzug triefenden Kollegen später kommentieren.

"Wir brauchen hier mehr Tragen, es stauen sich mittlerweile fünf Betten und drei Rollstühle", fordert Unterthiener derweil Nachschub an. "Der macht das richtig gut", lobt Beobachter Hangl die Ruhe und Übersicht des jungen Arztes. Die Aufzüge sind gesperrt, die Patienten müssen über die Treppe hinausgebracht werden. Ob es nicht noch ein zweites Treppenhaus gebe, will ein Feuerwehrmann vom Arzt wissen. Doch, am anderen Ende der Station sei noch eines, sagt Unterthiener und fügt, als die Feuerwehrler schon mit Hurra dorthin wollen, hinzu, dass das aber viel enger wäre. Kommando zurück und doch alle Patienten durchs zentrale Treppenhaus.

Das dauert, denn nicht nur, dass dort auch die Schlauchleitungen als Stolperfalle liegen, es bedarf auch dreier ausgewachsener Feuerwehrler um eine Patientin im Rollstuhl die Treppe hinunter zu bringen, vier Wehrler müssen an einer Trage anfassen. Was in einem Fall fast zu viel war: Die ausgesprochen schlanke Verwaltungsmitarbeiterin wird so schwungvoll ins Freie gebracht, das die eben noch überzeugend Leidende sich trotz Gurt geistesgegenwärtig festkrallt, um nicht in der Kurve von der schrägstehenden Trage zu rutschen.

"Feuer aus" heißt es um 19.45 Uhr, eine Viertelstunde früher als im Drehbuch der Brandschutzübung vorgesehen. Die falschen Patienten sind alle bei den Rettungsdiensten in besten Händen. Station2 wird durchgelüftet, schließlich sollen die echten Patienten so schnell wie möglich in ihre Zimmer zurück.

Die Nachbesprechung der Verantwortlichen beginnt noch auf dem Parkplatz gegenüber des Haupteinganges. Ein paar Kleinigkeiten sind dem einen oder anderen Beobachter aufgefallen. Und es hat sich herausgestellt, dass die Kommunikation zwischen Feuerwehren und Rettungsdiensten dringend verbessert werden muss. Zur Abstimmung treffen sich die Verantwortlichen in den nächsten Tagen.

syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser