Per Facebook auf die Anklagebank

Wasserburg - Richtig gute Bilder auf Facebook brachten zwei jungen Männern eine Vorladung vor das Wasserburger Amtsgericht - als Angeklagte.

Sie sollen in der Silvesternacht einen 19-Jährigen verprügelt haben.

Mit Schlägen begann das neue Jahr für einen 19-jährigen Studenten aus dem Raum Wasserburg äußerst schmerzvoll. Er hatte mit Freunden, ebenso wie viele andere Jugendliche, den Jahreswechsel erst mit einem Blick von der schönen Aussicht am Kellerberg und nach 24 Uhr in der Altstadt kräftig gefeiert.

Gegen 0.30 Uhr zog er mit seinen Freunden weiter in eine Kneipe, wo er wenig später in einen Konflikt mit zwei jungen Frauen geriet. Dabei schüttete der junge Mann einem der beiden 18-jährigen Mädchen sein Bier ins Gesicht, worauf sich deren Freundin mit einer Watschn revanchierte und sich anschließend beim Barkeeper über den rüpelhaften Gast beschwerte.

Fliegende Fäuste als Überraschung

Der bat den Studenten schließlich, das Lokal zu verlassen, und dieser folgte der Aufforderung wenig später. Als er in Begleitung seiner Freundin die Eingangstür öffnete, erlebte er allerdings sein blaues Wunder. Denn da flogen ihm ein paar Fäuste ins Gesicht und er ging zu Boden. Dabei sei er wie unter Schock gestanden und habe sich auch nicht gewehrt. Anschließend verließ er gemeinsam mit seiner Freundin das Lokal, telefonierte mit seiner Mutter und erstattete anschließend Anzeige bei der Polizei.

Zwei der vermutlich vier Täter erkannte er in den Freundeslisten von Bekannten auf Facebook wieder, und deshalb mussten sich nun ein 21-jähriger Schüler aus München und ein 20-jähriger gelernter Koch aus dem Raum Wasserburg wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Wasserburg verantworten.

Doch die beiden Angeklagten bestritten den ihnen zur Last gelegten Sachverhalt. Laut ihrer Aussage kennen die beiden weder den Geschädigten, noch die beiden in den Streit verwickelten jungen Frauen, und auch von einer Schlägerei hätten sie nichts mitbekommen. Der 20-Jährige gab an, mit einer größeren Gruppe unterwegs gewesen zu sein und "ein bissl" was getrunken zu haben. Erst sei er auf der schönen Aussicht gewesen, später dann in der Kneipe. Genaueres wusste er von dem Abend nicht mehr.

Beim Verlassen des Lokals habe er sich dann durch eine Gruppe von zehn bis 15 Menschen "quetschen" müssen. "Doch ich wollte nur durch und raus, denn ich war total voll", sagte der 20-Jährige. Entfernt glaubte er sich daran zu erinnern, dass ein Mädchen geschlagen worden sei, doch das habe ihn nicht wirklich interessiert, betonte der Koch, der laut seiner Aussage vom Strafbefehl überrascht gewesen sei.

Ebenso wie sein 21-jähriger Mitangeklagter, der mit einer anderen Gruppe an diesem Abend unterwegs gewesen ist. Der Schüler gab an, nach der schönen Aussicht am Marktplatz und anschließend in der Kellerkneipe gefeiert zu haben. Im Lokal habe sich die Gruppe dann aufgelöst und er habe so gegen 3 Uhr den Heimweg angetreten. Von einem "Geschubse" habe er nichts bemerkt.

Zeugen im Alkoholnebel

Auch acht geladene Zeugen konnten an den beiden Verhandlungstagen keine eindeutigen Hinweise auf den Tathergang geben. Übereinstimmend gaben sie an, nichts bemerkt oder auch zu viel getrunken zu haben, um sich genau erinnern zu können. Lediglich der Geschädigte konnte genaue Angaben machen.

Um die Täter zu finden, habe er sich Wasserburger Freunde herausgesucht, die viele Freunde hätten. Zum Glück hätten die beiden Angeklagten so gute Bilder im Facebook, dass er sie sofort wiedererkannt habe. Der Koch habe ein markantes Kinn und der Schüler erinnere ihn an einen früheren Freund, also sei er sich absolut sicher, dass es sich bei den beiden Angeklagten um die Täter handle.

Die beiden Verteidiger bezweifelten die Aussage des Geschädigten und beriefen sich darauf, dass keiner der Zeugen eine Schlägerei oder Handgreiflichkeiten der beiden Angeklagten beobachtet hatte. Daher beantragten sie Freispruch für ihre Mandanten.

Doch Staatsanwaltschaft und Gericht hielten den Tatnachweis für erbracht. Auf Vorschlag der Jugendgerichtshilfe verurteilte das Gericht den 20-jährigen Koch zu einer Geldstrafe von 900 Euro und den Schüler aufgrund seiner finanziellen Situation zu zehn Tagen gemeinnütziger Arbeit. Zudem müssen beide an einem FreD-Alkohol-Kurs teilnehmen.

Die Sache sei nicht einfach gewesen, weil der Großteil der Zeugen betrunken gewesen sei, hieß es in der Urteilsbegründung. Der Geschädigte sei zwar der einzige Belastungszeuge, aber absolut glaubwürdig gewesen. Da die beiden Angeklagten keine Vorahndung hätten, auf einem guten Weg und aus gutem Haus seien, sei kein Arrest verhängt worden. Das bedeute aber nicht, dass sie keine Täter sein könnten. Die Taten seien so nicht nachvollziehbar, aber beide seien nicht unerheblich betrunken gewesen.

Die Verteidigung der beiden jungen Männer hat Berufung gegen das Urteil eingelegt.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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