Und sie fanden ihn... im Container liegend

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Noch lange kein Entsorgungs-Fall: der Stern von Bethlehem.

Wasserburg - Eine wahre Geschichte aus dem Jahre des Herrn 2010 um den hiesigen Stern von Bethlehem.

Es war einmal in den frühen 80er-Jahren, da sannen die Wasserburger Adventssinger nach einer dem Historischen Rathaussaal angemessenen Bühnendekoration für Adventsveranstaltungen. Ein schöner, großer Stern sollte es werden.

Ein Volksmusikant beugte sich über sein Zeichenbrett und ein Schreinermeister und Volkssänger aus Griesstätt schnitt nach alter, hoher Handwerkskunst edles Lindenholz zu einem mannshohen, schlanken zwölfzackigen "Stern von Bethlehem", der am Ende, in Altgold lackiert und praktisch zerlegbar, seinen adventlichen Dienst als Symbol vorweihnachtlicher Stimmung über den Bühnenbrettern des Rathaussaales antrat. So zierte er seither, zusammen mit Gärtnergrün und kleinen roten Weihnachtssternen in Töpfen die Adventssingen und oft auch nachfolgende vorweihnachtliche Aufführungen.

Nun begab es sich, dass sich auch heuer Hausmeister und Veranstalter aufmachten und in den weitläufigen Dachräumen des Rathauses den Stern suchten, dessen Urahn schon vor über 2000 Jahren die Weisen aus dem Morgenlande zur Geburtskrippe des Christkindes führte. Doch sie fanden den Stern nicht. Nicht in den - mittlerweile renovierten - Speicherräumen des Rathauses, wo er sonst das Jahr über seiner edlen Verwendung harrt. Nicht in den Räumen des städtischen Bauhofes. Und auch nicht unterm inn-städtischen Adventshimmel.

So ging bald die Rede "es waren Handwerker in dem Hause", Lift-Erbauer und andere Gesellen aus fremden Bundesländern. Also machten sich nun auch Verwaltungschef, Stadtbaumeister und Bauhofleiter auf die Suche nach dem "verlorenen Stern von Bethlehem". Und sie fanden ihn nach langwierigen Ermittlungen nicht in Windeln und Stroh in einer weichen Krippe liegend. Nein - sie fanden ihn, arg gemartert, in einem Sperrmüllcontainer der städtischen Abfallwirtschaft.

Barmherzige Mitarbeiter des Bauhofes machten sich sogleich ans Werk und pflegten den kranken Patienten wieder gesund. Und gerade noch rechtzeitig zum ersten Adventssingabend konnte er, wie alle Jahre wieder, die Besucher vom mittelalterlichen Zechgelage an der Bühnenwand ablenken und deren Aufmerksamkeit herunter holen auf das singende und musizierende "Heilige Land".

Der Hausmeister versprach sogleich, das heilige Requisit künftig vor dem Zugriff herzloser Handwerker ganz persönlich in Schutz zu nehmen, auf dass es alle Jahre wieder den Weg zum Wasserburger Adventssingen weise.

Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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