Fast rund um die Uhr Waschtag

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20 bis 25 Tonnen Wäsche werden bei Starotex (rechts im Bild Produktionsleiter Oliver Christmann) in der Woche gewaschen.

Wasserburg - 85.000 bis 90.000 Wäschestücke werden in Deutschlands größter Altenheimwäscherei in einer Woche gereinigt. Ein Blick hinter die Kulissen der Firma Starotex.

Der Besuch bei der Firma, seit zehn Jahren ansässig auf dem Gelände des Inn-Salzach-Klinikums, zeigt: Waschen will gelernt sein, wenn es um 20 bis 25 Tonnen Textilien pro Woche geht. Wer hier arbeitet, kennt die derzeit hochsommerlichen Temperaturen nicht nur vom Badesee, sondern auch vom Arbeitsplatz. In den Hallen der Firma Starotex ist es immer warm, was daran liegt, dass hier die Bügeleisen im Zwei-Schicht-Betrieb ohne Pause dampfen, die Mangelmaschine und das Heißluft-Pressgerät für die Top-Form der Oberhemden im Dauerbetrieb sind. Auch die Luftfeuchtigkeit ist hoch: Schließlich wird jedes Kleidungsstück nach dem Waschen im bügelfeuchten Zustand zum knitterfreien Trocknen ausgeschlagen.

Die Großwäscherei ist auch trotz der Tatsache, dass hier Schmutzwäsche gewaschen wird, ein besonders sauberer Ort. Die Hygiene bestimmt den Betriebsablauf - von der Annahme der Wäschesäcke, bei der die ganz in weiß gekleideten Mitarbeiterinnen einen Mundschutz tragen, bis zur Personalschleuse, bei der sich die Tür nur öffnet, wenn vorher die Hände desinfiziert wurden. Das Waschmittel ist neutral, besitzt immer den gleichen, zertifizierten PH-Wert, damit die 12 000 Bewohner aus über 100 Seniorenheime nicht nur frisch gereinigte, sondern auch hautfreundliche Textilien zurückbekommen, betont Produktionsleiter Oliver Christmann.

Die angelieferte Wäsche aus ganz Süddeutschland wandert nach seinen Angaben nach dem Einlesen und Scannen jedes einzelnen Socken, Pullis und Taschentusches in Säcke verpackt per Lift unter die Firmendecke, wo automatisch alle 4,5 Minuten die neun Kammern umfassende Waschstraße zum Befüllen einlädt.

Der gewaltige, raumfüllende Automat hat optisch nichts mehr mit einer normalen Waschmaschine gemeinsam - ebenso wenig wie die drei 30-Kilo-Maschinen für die Feinwäsche. Auch hinter den Bullaugen der zehn Trockner, die ebenfalls jeweils 30 Kilo Wäsche bearbeiten, drehen sich gewaltige Kleidungsberge - gesteuert über Sensoren, die eine schonende Behandlung ermöglichen.

Das Waschen übernimmt der Maschinenpark, doch auch bei der Firma Starotex ist nach dem Trocknen Handarbeit angesagt - wie daheim in jedem Haushalt. Pullover, Unterwäsche, Jacken, Strümpfe, Hosen: All dies wird säuberlich zusammengelegt.

Um die Hilfe, auf die die Mitarbeiterinnen beim Bügeln zurückgreifen können, beneidet sie jedoch sicherlich jede Hausfrau: Hemden und Blusen werden über Puppen gespannt, Manschetten und Knopfleisten sowie Kragen einem Heißluft-Pressvorgang unterzogen, der sie optimal in Form bringt. Knitterfalten: Fehlanzeige. Bei den Nachthemden hilft Kollege Computer: ein Faltroboter richtet bis zu 700 Hemden und bis zu 2500 Nachthemden am Tag her. Damit Frau X aus Nürnberg nicht die Unterwäsche von Frau Y aus Wasserburg erhält, wird jedes gesäuberte Stück noch einmal eingelesen, bevor in eingeschweißte Pakete verpackt zurück an die Seniorenheime geht, die zweimal pro Woche beliefert werden, gehen, erläutert Christmann..

Eine logistische Herausforderung, die bis ins letzte Detail ausgearbeitete Arbeitsvorgänge erforderlich macht. Schließlich sind bei Starotex nach Angaben von Produktionsleiter Christmann vier Millionen erfasste Kleidungsstücke im Umlauf. Know-how ist auch notwendig, um zu verhindern, dass Omas Angorapulli zu heiß gewaschen wird und einläuft oder die Hose des Lieblingsanzuges, mit dem ein Altenheimbewohner viele Erinnerungen verbindet, die Bügelfalte verliert. "Alte Menschen hängen an ihren Kleidungsstücken", weiß Christmann aus Erfahrung.

Er hat den Beruf des Textilreinigers und Wäschers gelernt, ist außerdem Textilmeister. Gerne würde er sein Wissen Auszubildenden weitergeben: Doch alle Versuche, auch in Wasserburg Lehrstellen zu schaffen, scheiterten bisher am mangelnden Interesse. "Unser Beruf hat ein Imageproblem", seufzt Christmann. Er sucht auch händeringend nach neuen Mitarbeitern, die auch angelernt werden. Denn Starotex wächst stark: Vor zehn Jahren begann die auf Seniorenheime spezialisierte Tochter von Stangelmayer in Kolbermoor, wo vor allem Hotel- und Krankenhauswäsche sowie Berufskleidung gewaschen wird, mit sieben Mitarbeitern in Wasserburg, heute sind es 65, darunter nur drei Männer. Tendenz steigend: Denn immer mehr Seniorenheime vergeben nach Angaben von Christmann ihre Wascharbeiten an externe Dienstleister.

Starotex möchte am Standort Wasserburg weiter wachsen, betont Christmann. Die Tochter von Stangelmayer, die im Jahr einen Umsatz von vier Millionen Euro erwirtschafte, engagiert sich auch in der Stadt - unter anderem als Sponsor des Wasserburger Laufes für das Mehrgenerationenhaus, an dem sich ein Team der Firma beteiligt hat. duc

Quelle: rosenheim24.de

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