Fastenzeit: Eine Frage der Einstellung

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Metin Kara (Foto), Akin Kabagc und Mehmet Erciyes kochen den ganzen Tag für ihre Gäste, halten sich aber an die Fastenregeln des Ramadan. Fotos mitterer

Wasserburg - Auch inmitten von Versuchungen halten zahlreiche Muslime die Fastenzeit ein - besonders schwer haben es Gastronomen.

Um ihn herum wird gegessen, doch Metin Kara, Besitzer von Metins Pide- und Kebap-Salon, bleibt hungrig. In seinem Lokal wird getrunken, aber Mehmet Erciyes, Besitzer des Pandora Döner Restaurants am Bahnhof, verzichtet auf Getränke. Seine Gäste rauchen, aber Akin Kabagc, Besitzer des Istanbul Imbiss, raucht nicht mit - zumindest nicht tagsüber.

Denn zurzeit ist Ramadan. Das ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders und gleichzeitig islamischer Fastenmonat. Das heißt: Von 11. August bis 9. September darf zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nichts gegessen, getrunken oder geraucht werden. Gar nicht so einfach, besonders wenn man den ganzen Tag hungrige Kunden mit türkischen Spezialitäten versorgen darf. Oder?

Akin Kabagc

"Kein Problem", relativiert Akin Kabagc. "Das ist reine Gewohnheitssache." Seit seinem 15. Lebensjahr hält sich Kabagc an die Fastenzeit. "Hier in Deutschland ist es einfacher als in der Türkei. Dort ist es deutlich heißer, und bei großer Hitze aufs Trinken zu verzichten, ist sehr schwer."

Mehmet Erciyes

Auch Mehmet Erciyes hält seit seinem neunten Lebensjahr an dieser Tradition des Fastens fest, auch wenn er schon seit über 30 Jahren in Deutschland lebt. "Ich bin Gläubig. Und wenn man daran glaubt, ist es nicht so hart. Auch nicht in meinem Restaurant." In der Türkei sei ihm die Einhaltung der Fastenregeln aber leichter gefallen, weil sich einfach mehr Leute daran hielten.

Etwas schwerer als seine beiden Kollegen tut sich da Metin Kara. Spätestens nachmittags spürt er die ersten Auswirkungen und wird müde. "Es ist schwer, zu arbeiten und gleichzeitig zu fasten. Wenn dann um dich herum die ganze Zeit gegessen wird, wird es nicht leichter." Trotzdem käme für ihn ein Bruch des Fastens nicht in Frage. Es sei vor allem eine Frage der Einstellung: "Nur wer wirklich überzeugt ist, dass er es schaffen kann, kann diese vier Wochen durchhalten. Wer anfängt zu zweifeln, wird schnell schwach."

Laut Kara genießt der Ramadan in der muslimischen Gemeinde in der Region einen großen Stellenwert, viele der Mitglieder hielten sich noch daran. Dabei müssten sie nicht, die Einhaltung ist nicht verpflichtend. "Du sollst dich nicht quälen", lautet eine Grundregel des Fastens. Wer durch das Fasten gesundheitliche Schäden befürchten muss, ist davon befreit. Stattdessen soll er sich wohltätig engagieren. Jeder entscheidet für sich selbst, ob er fasten will oder kann, eine Einflussnahme oder gar Wertung durch Andere findet nicht statt.

Für Kara ist die Zeit des Fastens trotz des Verzichts gleichzeitig eine Zeit des Genusses: "Wer den ganzen Tag über fastet, lernt abends beim Essen die richtige Wertschätzung der Nahrung. Man wird wird sich darüber bewusst, dass es nicht selbstverständlich ist, jeden Tag etwas zu Essen auf dem Teller zu haben", erklärt Kara.

Am Ende des Ramadans steht dann das Fest des Fastenbrechens. An drei Tagen wird mit Freunden und Verwandten zusammen gefeiert. Kara fährt dazu in die Türkei, die anderen beiden bleiben in Wasserburg. "Feiern kann ich auch hier", meint Erciyes. "Und einer muss sich ja um meinen Laden kümmern", fügt Kabagc an, dessen Frau und Kinder gerade in der Türkei im Urlaub sind.

Aber nicht alle Muslime halten es so streng mit dem Fasten. "Ich kann nicht von vier Uhr morgens bis neun Uhr Abends auf Nahrung verzichten und gleichzeitig arbeiten. Bevor ich nach außen hin so tue, als würde ich den Ramadan einhalten, und dann heimlich damit breche, lasse ich es lieber gleich sein", erzählt ein junger Türke. Er beobachet, dass besonders die jüngere Generation, die in Deutschland geboren ist, den Ramadan nicht mehr so ernst nimmt.

jm/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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