Schön und gefährlich: Watzmann Ostwand

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Schönau am Königssee - Die "Watzmann Ostwand" ist gleichzeitig Schauplatz hehrer Erfolge und tragischer Unfälle. Am Wochenende hat sie ihr 100. Todesopfer gefordert. Wir versuchen den Mythos zu erklären.

Die Erklärung zur fast 2000m hohen Ostwand fasst auch ungefähr die Erfahrungen von Franz Brandner, dem Bergwacht-Bereitschaftsleiter aus Berchtesgaden, zusammen. "Die Watzmann Ostwand ist die höchste Wand der Ostalpen", sagt er im BGLand24-Interview. "In der Wand muss man sich auskennen. Wenn sie den Weg nicht wissen, ohne Führer finden sie den kaum."

Genau bis zur Nebelgrenze hat es Lorenz H. geschafft, dann forderte die Watzmann Ostwand sein Leben.

Wenn wir von der Watzmann Ostwand sprechen, sprechen wir von einer Ganztagestour. "Der Weg rauf ist weit und dann müssen sie runter auch noch", berichtet Brandner aus eigenen Erfahrungen. "Es ist eine sehr alpine Tour." Diese Tour stellt durchaus einige Anforderungen an die Bergsteiger. Neben Schwindelfreiheit sollte der Alpinist ein gewisses Niveau an Kondition mitbringen und eine gute Portion bergsteigerische Erfahrung, dazu noch die richtige Riskio-Abschätzung und dann muss das Wetter mitspielen. Alles Faktoren, die über Leben und Tod entscheiden.

"Eine Wand ist immer so gefährlich, wie derjenige, der da raufgeht", resümiert der Bergwacht-Bereitschaftsleiter. Und Lorenz H. aus Albaching war eigentlich kein risikofreudiger Bergsteiger. Der eher ruhige 52-Jährige war am Wochenende mit einem Felsen in die Tiefe gestürzt. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Er war das 100. Todesopfer in der Watzmann Ostwand.

Die Watzmann-Ostwand war der letzte Berg, den Lorenz H. erklimmen konnte. Er stürzte mit einem Fels in die Tiefe.

"Er ist viel Berg gegangen und hat auch gern fotografiert", sagte uns ein Nachbar des Albachingers. Bei seinem Hobby verlor er am Samstag sein Leben. Seine beiden Bergkameraden mussten das mit ansehen und wurden in Begleitung der Bergwacht ins Tal gebracht. Dort wurden sie vom Kriseninterventionsteam betreut.

"Wir haben zehn bis 15 Einsätze in der Ostwand jährlich", so Brandner. "Dreiviertel der Einsätze führen zu einem glücklichen Ausgang." Leider nicht im Fall von Lorenz H. Dabei muss der Albachinger nicht mal einen Fehler gemacht haben. "Die Wege sind so schmal. Ein falscher Schritt und es kann vorbei sein", ist sich der Bergwacht-Bereitschaftsleiter der Gefahr in der Wand bewusst.

90 Mal ist Franz Brandner durch die Watzmann-Ostwand gestiegen. Einmal mit seinem Vater und seinem Sohn in drei Generationen.

Und auch der 52-jährige H. muss das gewusst haben und trotzdem hat ihn die Ostwand in ihren Bann gezogen. "Es ist eine hohe Wand, eine Herausforderung und irgendwo ein schöner Berg", kann es auch Brandner nicht anders erklären. Er ist die Wand bereits 90 Mal durchstiegen. "Ich kenne also alle Wege in der Ostwand aus der Luft und natürlich auch hauptsächlich durch die Besteigung." Dabei hat er auch was geschafft, was kaum einem gelingt: "Ich bin die Wand in drei Generationen gegangen - mit meinem Vater und meinem Sohn", erzählt der Bergwachtler lächelnd. "Es ist selten, dass der Junge schon und der Alte noch durch die Wand steigen kann." 

Die Angst sollte bei so einer Tour nie der Begleiter der Alpinisten sein, weiß der Bergwacht-Bereitschaftsleiter. "Wer Angst hat, macht Fehler." Angst dürfte Lorenz H. aufgrund seiner Erfahrung eher nicht gehabt haben. Für ihn war die Watzmann-Ostwand die letzte Wand, die er durchsteigen sollte. Seine Kameraden, Verwandte, Freunde und Bekannte werden ihn nie vergessen.

red-bgl24/cz

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © cz

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