Feierliche Grundsteinlegung für ein offenes Ohr

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Als Stellvertrer der Bewohner versenkte Fritz Albert mit Betreuer Manfred Gruber-Brunnlechner die Kupferhülse, dahinter Karl-Heinz Haider und Doris Müller vom Förderverein, Ingrid Hoppenstedt, Bürgermeister Michael Kölbl, Franz Turzin, Leiter des Betreuungshofes, Otto Zwiefelhofer und Elke Mirus, Geschäftsführerin des Bayerischen Landesverbands für die Wohlfahrt Gehörgeschädigter.

Wasserburg - Alle zwei Jahre findet in Rottmoos im Betreuungshof ein Sommerfest statt. Heuer war es ein besonderes: Verbunden damit war die feierliche Grundsteinlegung für die neue Kapelle.

Eugen Maron, Architekt der konfessionsunabhängigen Begegnungsstätte nicht nur für Heimbewohner, meinte, nach seinem Wissen sei eine Kapelle in Form eines offenen Ohres, wie sie in Rottmoos gebaut wird, bisher in Deutschland, wenn nicht sogar weltweit einzigartig. Ebenso erstaunlich sei, dass sich die Gehörlosen sich unbedingt einen Glockenturmes für ihre Besinnungsstätte wünschten.

Verbunden mit ihren Glückwünschen zum gelungenen Baustart brachten die Ehrengäste auch ihre Hochachtung für den Förderverein zum Ausdruck. Die Form eines offenen Ohres passe wohl besser als jeder andere Grundriss zu einer Einrichtung für Hör- und Sprachgeschädigte Menschen.

"Das Merkwürdigste an der Zukunft ist", so Doris Müller, Vorsitzende des Rottmooser Fördervereins, "die Vorstellung, dass man unsere Zeit später die gute alte Zeit nennen wird". Sollte die Kupferhülse, die heute in den Grundstein einbetoniert werde, in 100 Jahren oder später zutage gefördert werden, dann fänden unsere Nachfahren darin Informationen über die Bewohner und Mitarbeiter von Rottmoos. Zu den Zeitzeugnissen, die Doris Müller in die Hülse schlichtete zählen auch Informationen über den Förderverein, über den Bayerischen Landesverband für die Wohlfahrt Gehörgeschädigter (BLWG), die BLWG-Bladl, Baupläne und Baugenehmigung, Informationen zum Glockenguss, eine aktuelle Wasserburger Zeitung, verschiedene Zeitschriften sowie Internetauszüge zum Zeitgeschehen 2010. Und weil sich Doris Müller vorstellen kann, dass es vielleicht später keine Bücher mehr gibt, enthält die Kupferhülse auch 100 Buchtitel, darunter "Der kleine Prinz", Lieblingsbuch von Architekt Eugen Maron. Nicht vergessen wurden Münzen, Briefmarken und Postgebühren, ein Schafkopfspiel und Rezepte vom Schweinsbraten und Knödeln sowie eine Auswahl bayrischer Witze, über die 2010 gelacht wird. Ganz spontan steuerte ein Bewohner einen beachtlich großen Euro-Geldschein dazu bei und und Vertreter von Gruppen der Behinderteneinrichtung lieferten persönlich gefertigte kleine Kunstwerke ab.

Den Abschluss bildete ein Anschreiben an alle, die diese Hülse eines Tages in der Hand halten und sich mit dem Inhalt beschäftigen werden. Dieses Schreiben soll einen kleinen Einblick in die Zeit geben, in der diese Kapelle gebaut wurde, dass die 6,60 Meter lange Kapelle nicht nur "ein offenes Ohr sein" für die Bewohner der Gehörloseneinrichtung Rottmoos sein soll, sondern für alle, die einen Platz der Ruhe und Besinnung aufsuchen möchten, unabhängig von ihrer Glaubensrichtung.

prj/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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