"Fressluke" im Rathaus wird nachgebessert

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"Fressluke" wird das kritisierte Fenster mit Durchreiche auch genannt.

Wasserburg - Nach der Restauration der kompletten Rathausfassade für 165.000 Euro, gab es für das moderne Metallfenster im Erdgeschoss heftige Schelte.

Da sei intern klar ein Fehler passiert. "Mia ham uns a an Kopf glangt", bekannte Bürgermeister Michael Kölbl im Hauptausschuss gleich zum Auftakt. Doch das sollte ihn und die Stadtverwaltung nicht vor teils heftiger Kritik bewahren. Denn mit der Aufarbeitung des Fehlers tut man sich im Rathaus offensichtlich nicht ganz so leicht - auch mit Blick auf die 19 000 Euro, die für die "Verbesserungen" am Café Schranne ausgegeben wurden. "Das sind schließlich Steuergelder", so Kölbl.

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Da waren die Stadträte im Ausschuss rigoroser. Bereits in der letzten Sitzung des Stadtrates hatte sich das abgezeichnet, als Peter Stenger, immerhin Mitglied der Bürgermeister-Fraktion SPD, heftig kritisierte, warum man zu dieser Baumaßnahme keinen Ausschuss gefragt habe, wie es sonst auch üblich sei.

Zur Hauptausschusssitzung lag nun ein Antrag von Oliver Winter (CSU) vor, sowohl die Metalltür, die seitlich eingebaut wurde, als auch das Fenster an der Rathausfront zu entfernen und durch Bauteile mit Holzrahmen zu ersetzen. "Denn so schreibt es die Satzung vor", pochte Winter auf die Einhaltung eigener Grundsätze.

Das Gegenargument der Stadtverwaltung dazu war eine Bilderserie, die belegte, dass "mindestens ein Drittel der Erdgeschoss-Fenster und -Türen in der Altstadt aus Metall sind", wie Stadtbaumeister Manfred Förtsch-Menzel schätzte. Die Satzung sehe entsprechende Ausnahmen vor.

Außerdem habe das Landesamt für Denkmalschutz die jetzige Rathaus-Lösung genehmigt - auch wenn der Denkmalpfleger jetzt in einer Stellungnahme von einer nicht befriedigenden Ausführung schrieb. Tatsächlich war seinerzeit beim Ortstermin, an dem der Stadtbaumeister nicht teilnehmen konnte, der dann umgesetzte Entwurf aus drei Alternativen ausgewählt worden.

"Wer hat den Mist genehmigt?"

Für Oliver Winter stellte sich bei den oft wenig geglückten Bildbeispielen eher die Frage, "wer den Mist genehmigt hat." Die Stadt müsse auf alle Fälle ein positives Beispiel geben, sonst könne man von privaten Bauherren schon gar nicht verlangen, dass sie schöne aber teurere Lösungen suchten. Dabei sei das Rathaus als "Denkmal Nummer eins", wie auch Marlene Hof-Hippke feststellte, in besonders herausgehobener Stellung.

Wie eine verträgliche Lösung ausschauen könnte, das blieb vorerst offen. Denn die bisher eingebauten "70er-Jahre-Elemente" waren im Nachhinein gesehen zwar ein gewohnter Anblick, aber sicher auch nicht korrekt. Historische Bilder belegten, dass das Fenster in der Front ursprünglich ein "Loch" in den Keller war. Die Seitentür gab es schon früher.

Mit der Türe konnten dann die Stadträte auch leben, wenn auch das "Sammelsurium" von Stilen entlang der Salzsenderzeile kritisiert wurde: Vier Türen in vier verschiedenden Ausführungen. Dass die Granitstufen austauscht werden müssen, darüber bestand ebenfalls Einigkeit. Warum hier überhaupt neue gesägte Stufen verwendet wurden statt alter, wie sie am Bauhof offensichtlich bereit liegen, konnte niemand erklären.

Kann in jetziger Ausführung nicht belassen werden

Härter tat sich die Stadtverwaltung mit dem Fenster. Erst wenn eine bessere Alternative vorliege, sollte man sich entscheiden, so der Vorschlag, der vom Ausschuss aber nicht akzeptiert wurde: "Das Fensterelement kann in der jetzigen Ausführung nicht belassen werden" lautete schließlich der von Hans Köck (CSU) formulierte klare Beschlussvorschlag, dem alle sechs Ausschussmitglieder zustimmten, auch Werner Gartner (SPD), der zuvor als Einziger etwas mildere Töne angestimmt hatte. Nur der Bürgermeister war am Ende gegen diesenBeschluss.

Ob das neue Fenster dann aus Metall oder Holz ist, das ließ man immerhin offen. "Möglichst aus Holz" heißt es in dem Beschluss. Christoph Scholter vom Denkmalamt hatte festgestellt, dass das Problem nicht am Metall liege. Das erlaube sogar eine besonders schlanke Gestaltung, "die aber hier nicht genutzt wurde."

Lange dauern soll es bis zur Nachbesserung nicht: "Schnellstmöglich" seien dem Hauptausschuss neue Gestaltungsvorschläge zu machen, so der Beschluss. Zur Touristensaison müsse der Umbau abgeschlossen sein, forderte Andreas Roder (Block). Das werde dann wieder eine "Geschmacksdiskussion" fürchtete Bürgermeister Kölbl, dem der "Schnellschuss" nicht gefiel. Doch die Mehrheitsverhältnisse waren eindeutig: 6:1.

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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