Flaute auf dem Bau

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Wohl eines der aktuell größten Bauprojekte in der Region: Der Neubau des Rathauses in Bad Aibling.

Rosenheim/Landkreis - In Zeiten von Euro- und Schuldenkrise legen die Menschen ihr Geld gerne handfest an. Immobilien sind gefragt. Doch das Baugewerbe in der Region profitiert davon nur wenig.

Denn die privaten Häuslebauer können nur schwer ausgleichen, was auf der anderen Seite an Investitionen der öffentlichen Hand fehlt. "Unser Umsatzniveau hat sich über die letzten Jahre eingependelt", so Robert Daxeder, Obermeister der Rosenheimer Bauinnung: "Es hat allenfalls geringfügige Steigungen gegeben."

Ein Blick in die Statistik bestätigt die Aussagen von Daxeder. Im Hochbau, beim Ausbessern von Straßen oder dem Sanieren von Abwasserkanälen waren zum Stichtag 30. Juni 2011 in den 594 Betrieben, die es in Stadt und Landkreis Rosenheim gibt, insgesamt 3590 Facharbeiter, Fachwerker, kaufmännische oder technische Angestellte beschäftigt. Der Umsatz dagegen lag zum Stichtag um 4,3 Prozent unter dem erzielten Vorjahreswert, wie aus den Zahlen des Landesamtes für Statistik hervorgeht.

Die Gesamtumsätze der Betriebe in der Region entwickelten sich nach einem kräftigen Einbruch vor fünf Jahren langsam, aber kontinuierlich wieder nach oben. 2006 machten die Firmen Umsätze in Höhe von rund 401,597 Millionen Euro. Ein Jahr später schrumpfte die Summe auf 361,422 Millionen Euro. Im Jahr 2008 meldeten die Firmen einen Umsatz von 397,853 Millionen Euro; ein Jahr später waren es dann 395,759 Millionen Euro und bis Ende 2010 stieg die Summe nun auf 402,3 Millionen Euro.

Die regionale Baubranche in Zahlen. Die Daten stammen vom Statistischen Landesamt.

"Das Wachstum, das wir haben, kommt vor allem von privater Seite", so Daxeder. Doch der private Haus- und Wohnungsbau hat längst nicht mehr das Niveau früherer Jahre. Daxeder macht dafür auch die ungünstigen staatlichen Rahmenbedingungen verantwortlich: Der Mietwohnungsbau sei unattraktiv. Von den staatlichen Konjunkturprogrammen dagegen profitiere in erster Linie das Baunebengewerbe: "Da werden neue Fenster eingebaut, es kommt ein Kollektor aufs Dach oder die Heizung wird erneuert. Am Bauhauptgewerbe mit dem Hoch- und Tiefbau aber geht diese Form der Förderung vorbei", bedauert der Innungsmeister.

Angesichts der klammen öffentlichen Kassen lassen aus Sicht der Bauinnung auch die öffentlichen Investitionen zu wünschen übrig. Zumal es hier ein weiteres Problem gibt: Kommunen ist es unterhalb bestimmter Wertgrenzen freigestellt, ob sie eine Baumaßnahme regional oder aber deutschlandweit ausschreiben. Bei so manchen Ausschreibungen haben die heimischen Innungsbetriebe das Nachsehen, weil große Baukonzerne häufig ihre Facharbeiter zu niedrigeren Löhnen aus dem Ausland holen. Die Innungsbetriebe in der Region, die ihr Personal nach Tarif zahlen, können da oft nicht mithalten. Daxeder verweist darauf, dass seine Innungsbetriebe gute Arbeit abliefern. "Das billigste Angebot ist am Ende nicht wirklich das billigste, wenn die Qualität nicht stimmt."

Doch der Obermeister will nicht jammern. Immerhin kann die Baubranche in der Region ihr Umsatzniveau halten. Eine Sache aber macht Daxeder Sorgen: "Wir haben zu wenig Fachkräfte." Noch bekommen die Betriebe in der Region genügend Bewerbungen auf den Tisch, aber so manches Mal lasse die Qualifikation zu wünschen übrig. Doch auch die Berufe auf dem Bau würden immer anspruchsvoller, etwa in der Verschalungs- und Baustoffkunde oder aber in der Bedienung von Maschinen. "Nur mit praktischen Fähigkeiten lassen sich Defizite in der Qualifikation nicht ausgleichen", so Daxeder, zumal es auch an der Praxis immer öfter hapere. Langfristig befürchtet er ein Problem für die Branche: "Ohne qualifizierten Nachwuchs fehlen uns irgendwann auch die qualifizierten Führungskräfte." Dabei ist die Baubranche ein wichtiger Arbeitgeber in der Region: Zum Stichtag 30. Juni 2011 waren in Stadt und Landkreis Rosenheim hier 3590 Menschen beschäftigt, 66 mehr als ein Jahr zuvor.

ku/zs/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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