Fotovoltaikanlage sorgt für mächtig Wind

  • schließen
  • Weitere
    schließen
Solche Anblicke mag das Landesamt für Denkmalpflege gar nicht. Deswegen hat der Eigentümer des Hauses keine besonders guten Chancen, seine Fotovoltaikanlage im Nachhinein genehmigt zu bekommen.

Wasserburg - "Das ist der Hammer" heißt es im Landratsamt, "nicht mehr nachvollziehbar" findet es das städtische Bauamt. Das Gestell für eine Fotovoltaikanlage sorgt für Ärger.

Es tauchte Anfang der Woche auf einem Dach in der Ledererzeile auf. Ungenehmigt und wohl auch nicht genehmigungsfähig.

Rund fünf Meter hoch ist das Gestell, auf etwa 80 Quadratmeter Fläche schätzt das Bauamt die Fläche der Fotovoltaikanlage. Ein Bauantrag liegt weder bei der Stadt noch beim Landratsamt vor. Dementsprechend überrascht war Stadtbaumeister Manfred Förtsch-Menzel am Montag von dem Anruf einer Nachbarin. Eine telefonische Kontaktaufnahme scheiterte, Baurechtler Helmut Schmid forderte den Hausbesitzer per E-Mail auf, den Bau einzustellen, da die Anlage definitiv nicht genehmigungsfähig sei. Formal muss dies das Landratsamt tun. Ein Vertreter kam am Dienstagmorgen zur Baukontrolle, traf niemanden an, "aber die schriftliche Aufforderung zur Baueinstellung ging am Dienstag noch raus, müsste Mittwoch oder Donnerstag zugestellt sein", so Oliver Winter aus dem Büro des Landrats.

Warum sind Bauamt und Landratsamt so sicher, dass die Anlage nicht genehmigungsfähig ist? Weil sie zum einen mit der Bau- und Werbeanlagensatzung der Stadt kollidiert, zum anderen mit dem Denkmalschutzgesetz und zum Dritten wegen der Größe wohl auch mit dem bayerischen Baurecht. "Da dürften die Abstandsflächen ein Problem werden", so Schmid.

Knackpunkt ist aber der Denkmalschutz. Die Ledererzeile, wie der Großteil der Altstadt, steht unter Ensembleschutz, alle Maßnahmen sind mit dem Landesamt für Denkmalpflege abzustimmen.

Anfang des Jahres gab ein Gespräch mit Vertretern des Landesamtes für Denkmalpflege, der Unteren Denkmalschutzbehörde am Landratsamt und der Stadtverwaltung zum Thema Solar- oder Fotovoltaikanlagen in der Altstadt. Dabei sei ganz klar geworden, so Förtsch-Menzel und Schmid übereinstimmend, dass das Landesamt für Fotovoltaikanlagen in der Altstadt keine Möglichkeit sieht. Denn für die Denkmalpfleger ist die Wasserburger Dachlandschaft ein besonders bedeutsamer Punkt des Ensembleschutzes und daher die Einsehbarkeit von Aufbauten ein Hauptkriterium. Und zwar geht es nicht nur um die Sicht von der Straße aus, sondern auch von der Schönen Aussicht. Die Anlage, die seit Montag für Wirbel sorgt, ist nicht nur von der Schönen Aussicht, sondern auch von der Hofstatt bestens zu sehen, weswegen Landratsamt und Bauamt sicher sind, dass ein nachträglich vom Bauherrn eingereichter Antrag abgelehnt wird. Eine Beseitigungsanordnung wäre die Folge.

Bei Solaranlagen ist das Landesamt für Denkmalpflege im Einzelfall großzügiger. "Die sind effizienter, brauchen weniger Platz, können besser ans Dach angepasst werden", so Förtsch-Menzel.

Ein kategorisches "Nein" können Hausbesitzer im Kernbereich erwarten, die eine Außendämmung auf ihrer Fassade zur Straße hin anbringen wollen. Die Fassaden verlören ihre charakteristischen Unebenheiten, sähen zu gleich aus. Und bei einer Berührung wäre sofort klar, dass man Kunststoff anfasst. Was nicht recht zum geschlossenen gotischen Stadtbild passt.

syl/Wasserburger Nachrichten

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser