Fragen zu Schulen und zur Wirtschaft

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Wasserburg - "Welche Bildung brauchen wir?", eine Frage, die am Ende der Podiumsdiskussion nicht letztlich geklärt werden konnte. Deutlich wurde aber, dass nicht alles stimmt, was über Bildung und Schulen in Medien beschrieben wird, zumindest nicht im Raum Wasserburg.

Wasserburg - Der Arbeitskreis Schule-Wirtschaft lud zur Podiumsdiskussion und trotz Hitze war der Sparkassensaal voll und diskutierte das Publikum engagiert mit, was mitunter allerdings auch von den Themenbereichen wegführte, die Peter Rink als Diskussionsleiter vorbereitet hatte.

Mit der einfachen Frage an die beiden Vertreter der Wirtschaft, ob sie zufrieden seien mit den jungen Leuten, die in ihre Ausbildungsbetriebe kommen, begann der Abend. Manfred Bonetsmüller, Chef der Firma Somic in Amerang, konnte diese Frage bejahen, verwies aber darauf, dass die Berufe in seinem Betrieb relativ privilegiert seien. Es fände eine selbstgewählte Vorauswahl statt, denn viele junge Leute meinten, die Materie wäre zu kompliziert.

"Noch klappt es ganz gut", so Josef Huber junior von der Firma Huber&Sohn in Bachmehring. Handwerk-Lehrlinge, in seinem Betrieb zum Beispiel Zimmerer, kämen meist aus der Hauptschule. Da aber immer mehr Schüler in die Realschule wechselten, werde es immer schwieriger, junge Leute mit Quali zu finden. Die, die er hat, mit denen ist er meist sehr zufrieden und diese blieben meist dem Betrieb treu. Realschüler würden nach der Berufsausbildung meist an weiterführende Schulen wechseln.

Ein Punkt, der in der Diskussion öfter erwähnt wurde: Das schlechte Image der Hauptschule, der Druck schon in der Grundschule, den Übertritt in Realschule oder Gymnasium zu schaffen. Das dreigliedrige Schulsystem, da waren sich alle einig trotz vieler Berichte über die Vorzüge der Gemeinschaftsschulen, brauche man für eine differenziete Schulausbildung.

Probleme vor allem in der Struktur kritisierte Josef Grundner, Leiter der Wasserburger Realschule. "Wir sind schon darauf und dran, Hauptschule und Gymnasiuim feindlich zu übernehmen", überspitzte er und verdeutlichte mit Zahlen. 260 Absolventen heuer, darunter 120 die fürs Gymnasium geeignet wären. Peter Rink, Leiter des Luitpold-Gymnasiums ergänzte, dass die Übertritte an seine Schule heuer um sieben Prozent zurückgehen während sie an der Realschule um 30 Prozent gestiegen sind.

Das größte Anliegen von Josef Grundner ist, davon wegzukommen immer nur die Schwächen der Schüler zu bewerten, "nix anderes tun wir, wenn wir Arbeiten korrigieren". Jeder habe Stärken, die gelte es zu bewerten. Dem stimmte auch Manfred Bonetsmüller zu. Es gebe viele mit praktischen Stärken, die manches besser umsetzen könnten als etwa ein Mathematiker. Und er verteidigte die Hautpschule. Ein 15-Jähriger habe so die Chance, dass er mit 20 über eine weiterführende Schule weiterkomme.

Das über Medien weitverbreitete Bild vom Kaugummi kauenden Jugendlichen in schlampigen Klamotten beim Bewerbungsgespräch brachte Hauptschulchef Franz Stein leicht in Rage. Er zählte die Bemühungen der Schule auf, um Schüler auf den Wechsel von der Schule in die Ausbildung vorzubereiten. Berufsorientierung in Zusammenarbeit mit 37 Betrieben aus der Region nannte er, Bewerbungstraining oder die sozialwirksame Schule, "wir machen was geht". Aus der Zuhörerschaft bekam er Bestätigung: An der Berufsschule kämen 80 Prozent der Schüler von der Hauptschule, Durchfaller lägen unter fünf Prozent. Schüler bräuchten die richtige Begleitung, um ihr Interesse und dann den richtigen Beruf zu finden, Veränderungen machen junge Leute gut mit".

Ob sich Schule verändern müsse, beantwortete der Leiter der Hauptschule mit: "Wir verändern uns stark, haben viele Projekte, aber Zeit und Intelligenz sind begrenzt" und Grundner kritisierte: "Wir haben immer nur verändert, weil sich das System änderte, ohne an die Schüler zu denken."

Zu den Veränderungen in den Familien, der Klage, dass viele Eltern ihrem Erziehungsauftag nicht nachkommen, kam die Frage, ob Schule Erziehungsarbeit übernehmen müsse und die beantworteten die beiden Schulvertreter mit einem klaren "Ja". "Wir versuchen schon lange zu erziehen, aber Eltern ersetzen können wir nicht", so Stein, der auch vom Aufwand berichtete, um Eltern in die Schule zu bekommen. Man habe, so Grundner, die Pflicht zu erziehen. Allerdings müsse man neu denken, denn auch hier gebe die Schulordnung nur her, wie man bestrafen, aber nicht wie man loben könne.

Ein klares "Nein" kam von der Wirtschaft. Josef Huber verwies auf die Elternpflichten. Der Vater dreier Kinder erzählte aber auch, er habe das Gefühl mit seinen Kindern wesentlich mehr zu machen und machen zu müssen als seine Eltern mit ihren Kindern. Dass vieles auf Familien einprassle, meinte daraufhin ein Zuhörer. "Ich wehre mich gegen diese ständige Falschmeldungen, gegen den Leistungsdruck, lasst uns Eltern mehr in die Hand nehmen und Ruhe reinbringen".

Das griff Rink am Abschluss auf, "nicht verrückt machen lassen", erkennen, dass vieles in den Medien sich nicht mit dem deckt, was man erfahre. Dazu zählt, dass in Wasserburg die Schüler auf den Beruf vorbereitet, Realschüler meist alle am Ende ihrer Schulzeit einen Platz gefunden haben.

vo/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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