Was Frauen heute wollen

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Die Grafik zeigt den Anteil von Frauen (dunkelblau) in den höchsten Entscheidungsgremien von Unternehmen in Handelspartnerländern der EU.

Rosenheim - "Was Frauen wollen": Unter diesem Motto wurden im letzten Jahr rund 200 Frauen befragt. Fazit: Wunsch und Wirklichkeit klaffen teilweise weit auseinander!

"Was Frauen wollen": Unter diesem Motto befragte die Frauen-Union (FU) Rosenheim im letzten Jahr rund 200 Frauen. "Wir wollten wissen, was Frauen zu den Themen Partnerschaft, Berufstätigkeit, Familie und Kinderbetreuung sagen. Natürlich war das keine belastbare wissenschaftliche Studie, doch die Ergebnisse waren überraschend", sagt FU-Vorsitzende Ursula Meishammer. Fazit: Wunsch und Wirklichkeit klaffen teilweise weit auseinander! Klassische Rollenbilder gibt es nicht mehr.

84 Prozent der befragten Frauen gaben an, dass es für sie wichtig ist, in einer festen Partnerschaft zu leben, zumal, wenn Kinder da sind. Als "ideales Alter", um Mutter zu werden, gaben 35 Prozent der Frauen 25 Jahre an, 40 Prozent nannten 30 Jahre als bestes Alter. Interessant dabei: die Realität sieht anders aus. Das tatsächliche Alter von Frauen, die Mutter werden, liegt bei 30 Jahren, mit deutlich steigender Tendenz, so Elisabeth Siebeneicher, Pressesprecherin der Romed-Kliniken.

Astrid Balk - Unternehmerin mit der eigenen Werbeagentur B-Fusion Rosenheim.

Auch beim Thema "feste Partnerschaft" driften offensichtlich Wunsch und Wirklichkeit auseinander. Im bayerischen Durchschnitt endet laut statistischem Landesamt jede dritte Ehe vor dem Scheidungsrichter, wobei sich eine neue Tendenz abzeichnet: Es werden wieder weniger Ehen geschieden. Den Grund sieht man im bayerischen Familienministerium darin, dass in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten die Menschen wieder enger zusammenrücken. Ist Scheidung also eigentlich ein Luxus-Problem?

Wenig einheitlich ist die Antwort der befragten Frauen beim Punkt Kinderbetreuung. 23 Prozent sagen, dass Kinder "täglich" aushäusig betreut werden sollen, 23 Prozent sagen "zweimal pro Woche", 30 Prozent sagen "ab und zu". 62 Prozent halten es für besser, wenn Familienmitglieder, also etwa die Oma, das Kind betreut. 25 Prozent glauben, dass es grundsätzlich besser ist, wenn das eine fremde Person übernimmt. Insgesamt wird allerdings von den Frauen angemerkt, dass sich die Situation von Alleinerziehenden oder Berufstätigen ganz anders darstelle.

Auf die Frage, welchen Stellenwert die Familie hat, sagen 87 Prozent "sehr wichtig", weitere zwölf Prozent "wichtig". Die Familie ist also der Top-Spitzenreiter, noch vor Berufstätigkeit, Kind und Partnerschaft.

Diese Aussage wird auch unterstrichen von Margot Biller (75) aus Großkarolinenfeld, Helga Grick (51) aus Rohrdorf und Astrid Balk (46) aus Rosenheim. Jede dieser Frauen lebt bewusst ein ganz eigenes Frauenbild, doch Familie schätzen alle drei sehr hoch. Margot Biller ist seit über 20 Jahren Oma aus Leidenschaft, Helga Grick hat sich ganz den drei Kindern verschrieben und Astrid Balk ist Karrierefrau mit eigener Werbeagentur ohne Kinder.

Margot Biller - Oma aus Leidenschaft.

Die 75-jährige Biller rutschte regelrecht in die Betreuung ihrer drei Enkelkinder hinein. "Bei Nummer eins und zwei wurde ich noch gefragt, bei unserer Veronika war es dann ganz klar, dass ich das mache." Nun sind die drei bereits 16, 19 und 21 Jahre alt und brauchen die Omi nicht mehr täglich. Es sei eine "wunderbare Zeit" gewesen, sagt sie und fügt an: "Ich habe es sehr gerne gemacht und bewusst genossen." Es sei Teil ihres Lebens geworden, zumal ihr Mann relativ früh starb. "Nun muss ich mich um einen neuen emotionalen Inhalt kümmern", sagt sie. Und irgendwie stimme der Satz: "Großmütter sind Mütter, die eine zweite Chance bekommen haben."

Eine Kinderkrippe wäre für sie und die berufstätigen Eltern nie infrage gekommen. "Ich habe mit den Enkeln gelernt und gespielt, habe ihnen Tischmanieren und den Respekt vor anderen beigebracht. Es war mir wichtig, meine Einstellungen weiterzugeben."

Ähnlich sieht das Helga Grick. "Es war klar, wenn wir Kinder bekommen, dann höre ich auf zu arbeiten und widme mich voll der Kindererziehung." Sie hat sich bewusst für die Mutterrolle entschieden und es nie bereut.

Helga Grick - wollte bewusst nur Mutter sein.

Ein großes Fragezeichen macht sie hinter Kinderkrippe und Hortbetreuung. "Das wäre für mich nie infrage gekommen. Oft kommen die Kinder doch schon um 11.10 Uhr aus der Schule. Da wollte ich da sein und mit ihnen reden." Doch das sei die Entscheidung jeder einzelnen Frau, "da soll niemand reinreden", meint sie. Heute wohnt nur noch der jüngste Sohn (19) bei den Eltern, die anderen sind bereits ausgezogen. Das findet die 51-jährige Rohrdorferin auch gut so. "Ich habe die Zeit mit meinen Kindern ausgiebig genutzt, jetzt sollen sie ihren Weg gehen." Sie habe nun wieder mehr Zeit - auch für ihren Ehemann - und betätigt sich zunehmend im Ehrenamt. "Aber vielleicht tue ich ja auch wieder etwas für meine Rente", sagt sie gelassen.

Einen ganz anderen Weg beschritt Astrid Balk (46). Bereits mit 25 Jahren gründete sie ihre eigene Werbeagentur B-Fusion. Als junges Mädchen hatte sie durchaus Kinder und Familie im Kopf. "Aber es ist dann nicht so gekommen", sagt die Karrierefrau. Sie hat sich in einer sehr von Männern dominierten Branche durchgesetzt. "Ich hätte gar nicht gewusst, wie ich Beruf und Kinder unter einen Hut bringen soll." Als Kreative müsse sie den Kopf frei haben: "Irgendwie arbeite ich ständig. Besonders beim Gemüseschneiden sprudeln die Ideen", sagt sie. In ihrer 60-Stunden-Woche haben Kinder keinen Platz, allenfalls "mein Hund Luca". Denn eines war stets klar: "Wenn ich etwas mache, dann mit Leidenschaft."

Von der Frauenquote in Führungspositionen hält sie wenig: "So etwas muss passen, das geht nicht per Gesetz." Allerdings ist sie dafür, alte Zöpfe abzuschneiden und neue Wege zu gehen. Frauen sollte grundsätzlich beruflich alles offen stehen.

Diese Zeichen der Veränderung sind inzwischen auch in der Politik angekommen. Doch während Frauenministerin Kristina Schröder gegen eine feste Frauenquote in großen Unternehmen ist, fordert genau dies vehement ihre Kollegin Viviane Reding, Justizkommissarin und Kommissionsvizepräsidentin in Brüssel. "Kinder haben Vater und Mutter.

Aus Gründen der Gleichberechtigung werden wir auf europäischer Ebene keine Diskriminierung der Frauen in Spitzenpositionen dulden", erklärt ihre Mitarbeiterin Mina Andreeva der OVB Heimatzeitung.

In Chefetagen nur 13,7 Prozent Frauen

In vielen EU-Mitgliedsstaaten seien ausschließlich männlich besetzte Entscheidungsgremien noch immer die Regel. "Im Frühjahr 2012 betrug der Frauenanteil in den Chefetagen gerade einmal 13,7 Prozent. Das wollen wir in Brüssel ändern, deshalb werden wir von der EU eine Quote vorschreiben", so Andreeva, eine junge Bulgarin.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser