Im ganzen Haus kein rechter Winkel

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Eine Drahtwicklung, ein paar Kabelenden: Geheimnisvolle Erinnerung an die "Forschungen" Frommers.

Wasserburg - Es war ein "Armeleit-Heisl", und zwar von Anfang an: Im Frommer-Haus sind derzeit die Handwerker im Einsatz. Ab Herbst soll es wieder bewohnbar sein.

Deutlich größer als in Wirklichkeit schaut das Frommerhaus derzeit hinter der Gerüstverkleidung aus. Foto Heck

Ein "Objekt des Wirtschaftens" werde das winzige Eckhaus mit nicht einmal 30 Quadratmeter Grundfläche sicher nicht, so Wilfried Gronbach. Der Wasserburger Unternehmer hat es gekauft, weil es eine nette kleine Immobilie ist, ein Eckhaus mit relativ viel Licht für Wasserburger Verhältnisse - und aus "Verbundenheit mit Wasserburg": Die Sanierung des Hauses sieht er als "einen kleinen Beitrag dazu, die Schönheit der Altstadt zu erhalten."

Ganz so aufwendig hätte er sich die Sache aber möglicherweise doch nicht vorgestellt. Dass das Haus in einem ziemlich schlechten Zustand ist, war zwar bereits von außen sichtbar. Risse durchzogen die Fassade, Jahrzehnte war nichts mehr repariert worden. Dass es der Denkmalschutz trotzdem zum persönlichen "Augapfel" machen würde, wie Architekt Richard Kröff formuliert, zeigte sich aber erst nach dem Kauf vor zwei Jahren.

Inzwischen ist das Objekt bestens untersucht und dokumentiert (siehe Kasten), ohne dass wirklich historische Wertvolles zutage getreten wäre. Das Besondere ist eher die Gesamtsituation: Pro Geschoss gerade einmal ein Zimmer mit rund 20 Quadratmetern Grundfläche, dazu die Treppe: Mehr war nie da und mehr ist auch jetzt nicht drin. Um ein Bad einzubauen, das bisher nicht vorhanden war, musste sich Richard Kröff schon etwas einfallen lassen.

Im ganzen Haus kein rechter Winkel

Kein Eck ist rechtwinklig. Und der größte Raum im dritten Stock wird "Kochen/Essen/Wohnen" heißen - auf gut 20 Quadratmetern. Insgesamt entstehe hier eine "Drei-Zimmer-Wohnung auf drei Etagen", so Kröff.

Der Denkmalschutz wollte die Fenster erhalten, die etwa 100 Jahre alt sind, und die Innenputze, die zum Teil weiter zurück reichen. "Also wird es bucklig bleiben, innen wie außen", so Kröff, was aber den Bauherrn nicht stört - im Gegenteil. Er wollte ja gerade den Charakter dieses "Flickwerks der Jahrhunderte" erhalten.

Einige Probleme machte die Statik: Die alten Balkendecken waren zum Teil angekohlt von einem Brand im Jahr 1850. Und die Erdgeschoss-Decke hing praktisch in der Luft, nachdem wohl irgendwann eine Mauer entfernt worden war. Für die Bauzeit musste das Gebäude daher teilweise in ein Stahlkorsett.

Nur ein aufwendiges Stahlkorsett konnte sicherstellen, dass das Gebäude während der Sanierungsarbeiten nicht einstürzt. Fotos

"Dass es noch steht, ist eh ein Wunder", sagt Richard Kröff. Der hatte nach dem Tod des letzten Bewohners das Ausräumen beobachtet: Tonnen von elektrischen Bauteilen hatte Gust Frommer in dem baufälligen Häuschen angehäuft auf seiner wahnhaften Suche nach dem Perpetuum mobile. Die verfolgte ihn sein Leben lang, bis er hier im Oktober 2003 mit 80 Jahren starb. Der Film darüber mit dem Titel "Jenseits der Ferne" wurde teilweise in diesem Gebäude gedreht und hat das Leben des "Exzentrikers" über Wasserburg hinaus bekannt gemacht.

Von der scheinbaren Romantik seiner "Suche nach der perfekten Maschine", wie es im Filmtext heißt, blieb in der Realität des Hauses wenig übrig. Der Name Frommer taucht in den Unterlagen des Stadtarchivs zu diesem Gebäude auch erst 1950 auf. "Taglöhner" und Handwerker sind vorher als Besitzer verzeichnet, einmal ein "Privatier".

Ein Frommer-Denkmal entsteht also nicht, eine Herzensangelegenheit ist es Bauher wie Architekt trotzdem und völlig unabhängig davon: "Sowas macht man nur einmal", freut sich Richard Kröff über den kniffligen Auftrag.

Wenn das Gerüst fällt und die Nagelschmidgasse 2 im Herbst bezogen wird, wird das Haus übrigens auch eine neue Optik haben: Es wird in einem getönten Weiß gestrichen, der Fassung von 1830, als auch die Erker angebaut wurden.

Karl Königbauer (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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