Gegen schleichende Modernisierung

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Positives Beispiel in den Augen von "Stadtgestalt": das frisch sanierte Schachnerhaus.

Wasserburg - Es sind vor allem die "schleichenden Verluste" in der Stadt, die einige Wasserburger bewegt haben, den "Verein für ein erhaltenswertes Wasserburg" wieder zu beleben.

Inzwischen wurde er umbenannt in "Stadtgestalt Wasserburg" und sieht sich bereits intensiv gefordert.

Vor 25 Jahren war es der bevorstehende Rampenbau, der einige Ablehner rund um Fritz Armbruster in dem Verein versammelte. Später wurde daraus das "Bürgerforum" als politische Gruppierung mit einem, dann zwei Stadträten. Der ursprüngliche Verein dagegen trat in den Hintergrund und hätte nun wohl aufgelöst werden müssen.

Doch auch ohne Rampen-Diskussion ist das Erhaltenswerte in Wasserburg ein Thema, fanden einige der alten Mitglieder. Neue Interessenten fanden sich dazu, und so wurde letzten Sommer der Verein wieder aktiviert. Den Vorsitz übernahm Sven Oehmig, als Diplom-Restaurator mit der Denkmalschutz-Thematik intensiv vertraut, sein Stellvertreter ist der gebürtige Wasserburger Rudi Herzog.

Und das Gegenteil: Ein völlig unhistorisches Geländer aus Edelstahl entlang der Burg fiel schon vielen Bürgern negativ auf.

Auch wenn es nicht nur um Fassaden und Gestaltungsfragen gehen soll: Aktuelle und bevorstehende Projekte, vor allem das Fletzinger-Areal, beschäftigen den jetzt in "Stadtgestalt Wasserburg" umgetauften Verein am meisten. "Wir wollten es eigentlich ruhig angehen", so Sven Oehmig. Aber nach den ersten vier Monaten ist er von der Dynamik des Vereins völlig überrascht. Denn nicht nur die Zahl der Mitglieder stieg inzwischen sprunghaft auf rund 30 an. Mit dem Fletzinger stehe auch ein Projekt an, "das eine besonders große Bedeutung für Wasserburg hat", so Oehmig, und das entsprechend auch im Verein heftig diskutiert werde.

Mit Behörden - und auch dagegen

Fachliche und persönliche Sichtweisen einbringen, mit Stadtrat, Bauausschuss und den offiziellen Denkmalschutz-Stellen für den Erhalt der kulturellen Identität kämpfen, "aber auch dagegen, wenn nötig": Das ist nicht nur beim Fletzinger-Projekt das Hauptanliegen des Vereins. Es gehe grundsätzlich darum, gegen die "unbemerkte und automatische Geschmacksprägung" von Architekten und Bauherren einzutreten, um "das Einmalige von Wasserburg" zu bewahren, so der Vereinsvorsitzende.

So sei es kaum nachvollziehbar, warum die Mauer auf der Burg mit einem Edelstahl-Geländer abgesichert wurde. "Dieses Material gibt es im historischen Wasserburg nicht." Kritisiert werden aber auch weiter zurückliegende "Sünden", etwa eine zu massive Umgestaltung des Unterauer-Hauses.

Aber es gibt auch auch positive Beispiele. So hat der Verein kurz vor dem Bezug das sanierte Schachnerhaus, Ledererzeile 2, besichtigt und dabei die neuen Besitzer Edith und Franz Göpfert für ihren behutsamen Umbau ausdrücklich gelobt. Dies zeige, dass es durchaus möglich sei, bei Sanierungen vieles zu erhalten, anderes nachzubauen, und dabei das "einzigartige Wohngefühl" eines historischen Hauses mit modernen Bedürfnissen in Bad und Küche zu vereinen: "Die Kosten dafür liegen nicht wesentlich über den Kosten einer Sanierung mit Austausch dieser Bauteile."

Hinschauen, Meinungen einbringen, sich engagieren: Auf ein "möglichst breites Plateau" will Sven Oehmig den Verein stellen, eingeladen sind alle Wasserburger mit "heftigem Interesse am Erhalt der Wasserburger Stadtgestalt." In einem anderen Punkt dagegen habe man keinerlei Ambitionen: "Es gibt sicher kein Interesse Richtung Kommunalwahl 2014."

Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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