Geld verbrannt statt vermehrt

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Rosenheim - Bereits zum zweiten Mal ist jetzt ein 55-jähriger Vermögensverwalter vom Gericht verurteilt worden. Er veruntreute das Geld einer Kundin für eigene Zwecke.

Als Schreiner und Baggerfahrer war der jetzt 55-Jähriger nicht zufrieden. Deshalb hatte er vor 21 Jahren beschlossen, als Vermögensberater sein Geld zu verdienen. Er erlernte das Geschäft bei einem Finanzdienstleister und war schließlich als Finanzmakler in einer Gemeinde zwischen Rosenheim und Wasserburg selbstständig.

Bereits seit 1990 betreute er die Geldgeschäfte einer Kundin, die 1996 nach Kenia auswanderte. Vorher aber beauftragte diese den Angeklagten, hier in der Heimat weiterhin ihr Anlagevermögen zu verwalten.

Nun stand er vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Heinrich Loeber, weil er diesen Auftrag zwar erfüllt hatte - aber zum eigenen Nutzen, ohne die Kundin vorher zu fragen oder überhaupt zu informieren.

Zunächst kaufte er sich mit dem Geld der Kundin in Kenia einen Kiosk, den seine Frau betrieb. Mit dem Ertrag hoffte er, ein eigenes Haus zu finanzieren. Als das aber nicht funktionierte, bezahlte er mit dem Geld seiner Kundin aufgelaufene Hypothekenzinsen für das Eigenheim, welches aber letztlich dennoch unter den Hammer kam.

Die Frau in Kenia, die darauf vertraute, dass der Makler ihr Geld gewinnbringend verwaltete, musste plötzlich feststellen, dass in ihrem Portefeuille über 125 000 Euro fehlten. Sie beauftragte die Rechtsanwältin Hiltrud Gerber in München mit der Beschaffung der fehlenden Beträge. Als diese bei allem Bemühen keinen Erfolg hatte, blieb nur noch die Strafanzeige.

Nun erst bot der Angeklagte an, bei Veräußerung des Kiosks den erzielten Kaufpreis der Geschädigten zu überschreiben. Da der Kiosk jedoch im Besitz seiner Ehefrau ist, bleibt offen, ob das Objekt je verkauft wird. Allerdings gab er vor Gericht ein vollstreckbares Schuldanerkenntnis ab und sicherte zu, monatlich 500 Euro zu bezahlen.

Ein weiteres Verfahren wegen Betruges wurde eingestellt, weil er die geforderte Summe in letzter Minute aufbringen konnte. Im Jahre 2005 war er bereits wegen Betruges rechtskräftig verurteilt worden und die ersten unrechtmäßigen Geldentnahmen geschahen unter offener Bewährung aus jenem Verfahren.

Kein Wunder also, dass der Staatsanwalt eine Strafe von zwei Jahren und sechs Monaten forderte, die eine weitere Bewährung ausschließen würde.

Rechtsanwalt Volker Christ verwies darauf, dass sein Mandant von Anfang an geständig gewesen sei und auch bereits einen Teil der veruntreuten Gelder zurückbezahlt hätte, wäre nicht eine zweite dringende Verbindlichkeit dazwischen gekommen. Des Weiteren stünde ja der erwähnte Kiosk als Sicherheit für die Geschädigte zur Verfügung.

Das Gericht sah eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren als angemessen an. Sie wurde mit einer Bewährungszeit von fünf Jahren ausgesetzt, damit er den Schaden wieder gutmachen könne. Eine Ermahnung gab ihm der Richter noch mit auf den Weg: "Als Finanzmakler leben Sie davon, Ehrlichkeit walten zu lassen. Sie sollten am besten wissen, dass verspieltes Vertrauen unwiederbringlich verloren ist!"

au/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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