Geldstrafe nach Parkplatz-Crash

Wasserburg - Locker nahm ein 66-Jähriger im Sommer einen Parkplatz-Crash am Gries. Zu locker, fand das Gericht, und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe.

Einen Moment der Unachtsamkeit durchlebte ein 66-jähriger Kunstmaler aus München im Juni des vergangenen Jahres am Parkplatz am Gries. Beim Rückwärtsfahren touchierte er mit seinem Volvo einen neben ihm parkenden Pkw und beschädigte diesen dabei nicht unbeträchtlich. Die Reparaturkosten beliefen sich auf rund 2100 Euro. Doch der gebürtige Slowake nahm den Zwischenfall locker und machte sich, nach einem kurzen Zwischenstopp, unbeirrt auf seinen Heimweg. Trotz dreier Unfallzeugen hatte er es nicht als notwendig erachtet, sich vorher um eine Schadensregulierung zu kümmern.

Dies brachte dem Künstler einen Strafbefehl über 50 Tagessätze zu je 50 Euro und ein dreimonatiges Fahrverbot ein. Aufgrund seines Einspruchs musste er sich wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort vor dem Amtsgericht Wasserburg verantworten. Dabei zeigte sich der Angeklagte geständig und betonte, dass er keinen Schaden bemerkt habe. Er habe nur schnell nach Hause gewollt, ob der Kratzer von ihm gewesen sei, das könne er nicht sagen.

Schuld an der Misere sei ein Antidepressivum, das sein Mandant zu diesem Zeitpunkt aufgrund eines Schlaganfalls habe einnehmen müssen, sagte der Verteidiger. Laut Attest sei sein Mandant aufgrund der Nebenwirkungen emotional instabil und reizbarer gewesen und habe eben alles ein wenig lockerer genommen. Dazu sei das Medikament schließlich auch da. Möglicherweise sei es nicht ganz ungefährlich gewesen, Auto zu fahren, aber schließlich habe es sich um einen Bagatellschaden gehandelt, dessen Kosten in der Werkstatt explodiert seien. Deshalb beantragte die Verteidigung die Einstellung des Verfahrens.

Dafür sah die Staatsanwaltschaft keinen Spielraum. Wenn man das Attest ernst nehmen wolle, brauche man ein Gutachten, das auch die Frage klären müsse, ob der Angeklagte überhaupt in der Lage gewesen sei, am Verkehr teilzunehmen.

Darauf wollte sich die Verteidigung jedoch nicht einlassen und betonte, dass kein "Riesenprozess" gewollt sei. Daher wurde der Einspruch auf die Rechtsfolgen beschränkt. Laut Verteidigung erhält der Angeklagte 210 Euro Rente und 281 Euro Wohngeld monatlich und lebt von Ersparnissen aus Bilderverkäufen früherer Tage. Zudem bessert er sein Einkommen mit Bilderlieferungen von Kollegen auf. Deshalb sei er auf seinen Führerschein angewiesen, plädierte der Verteidiger.

Für die Staatsanwaltschaft war der Schuldspruch klar. Aufgrund der Einkommensverhältnisse sollte das Strafmaß allerdings auf 50 Tagessätze zu je 15 Euro und ein zweimonatiges Fahrverbot heruntergesenkt werden, damit eine Warnungs- und Besinnungsfunktion erhalten bleibe. Das Gericht verurteilte den Angeklagten schließlich zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 10 Euro. Die Verhandlung habe klar gezeigt, dass es sich hier um keinen Regelfall gehandelt habe. Daher sei kein Fahrverbot notwendig, hieß es in der Urteilsbegründung.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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