Gemischte Gefühle zu "Megglenium"

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"Verloren zwischen der Technik" sei der Weberhof, hieß es vor zwei Jahren. Daher wurde er gegen den Widerstand des Denkmalschutzes abgebaut.

Wasserburg - Meggle will ein großes repräsentatives Empfangsgebäude bauen. Dabei soll der alte Weberhof einbezogen werden. Der Bauausschuss war überrascht von diesen Plänen.

"Megglenium" heißt das Projekt, das am Grandlweg, also gegenüber der Meggle-Produktion, entstehen soll. Schon seit längerem ist an dieser Stelle der Wiederaufbau des denkmalgeschützten Weberhofes von 1780 geplant. Der war wie berichtet im Herbst 2009 an der alten Stelle zwischen den Produktionsanlagen abgebaut und überholt worden.

Nun soll er tatsächlich wieder aufgestellt und als eine Art Firmenmuseum gestaltet werden. Doch der Hauptbau, der nun entsteht, ist um ein Vielfaches größer: 42 mal 14 Meter soll die Grundfläche des neuen Empfangsgebäudes betragen, das mit zwei Glasbrücken mit dem alten Hof, der etwa 90 Quadratmeter hat, verbunden werden soll. In der Höhe werden die Gebäude fast gleich: Der alte Hof hat eine Firsthöhe von sieben Metern, der Neubau wird mit einem Flachdach 7,35 Meter hoch.

Auch künstlerisches Element

Wie die Nutzung genau ausschaut, das sei noch nicht entschieden, so Meggle-Sprecher Johannes Friedrich auf Nachfrage der Redaktion. Aus den Plänen ersichtlich war im Ausschuss, dass es einen Empfangsbereich und einen Konferenzraum geben soll. Außerdem wird demnach ein Teil des Gebäudes mit einer innenliegenden verspiegelten Pyramide künstlerisch gestaltet.

Modernes und Historisches im klaren Kontrast: Das fanden im Bauausschuss einige Mitglieder durchaus interessant. Andererseits war man dort schon überrascht über das "völlig veränderte Konzept". Denn ursprünglich war der Ausschuss nur von einem Wiederaufbau des Hofes auf dem Wiesenstück ausgegangen. Als die Firma Meggle vor zwei Jahren dafür eine Flächennutzungsplanänderung beantragt und erhalten hatte, war von einer Verlängerung des historischen Gebäudes in ländlich angepasster Bauweise für einen Veranstaltungsraum die Rede gewesen.

"Dass wir da mitgemacht haben, reut mich jetzt schon", so Peter Stenger (SPD) angesichts der Dimension des geplanten modernen Gebäudes. Auch seine Fraktionskollegin Friederike Kayser-Büker sah die "gewissen Bedenken seinerzeit" jetzt bestätigt.

Ihre Nachfragen nach den vorgesehenen Außenmaterialen und sonstigen Details der Planung konnte Stadtbaumeister Manfred Förtsch-Menzel anhand der vorliegenden Unterlagen nicht beantworten.

Denkmal im Hintergrund

Das Stadtbauamt kritisierte an der Planung, dass der denkmalgeschützte Hof durch das neue Bauwerk "in eigentlich nicht gewünschter Weise in den Hintergrund gedrängt wird." Das wurde so auch in den Beschluss aufgenommen.

Denn grundsätzlich hatte der Ausschuss nichts gegen den Kontrast von alt und neu. Ein moderner Bau könne durchaus reizvoll sein neben dem Denkmal, meinten beispielsweise Otto Zwiefelhofer (CSU) und Dr. Budenhofer (Freie Wähler). "Das wird ohnehin kein Weberhof mehr", stellte Wolfgang Schmid (CSU) fest.

Nur die Dimension sprenge den Rahmen, so die übereinstimmende Meinung, wenn das Vorhaben auch rein baurechtlich so wohl zulässig ist. Das war auch der Grund dafür, dass dem Antrag letztlich bei einer Gegenstimme zugestimmt wurde.

Fertig werden soll das neue Gebäude übrigens im Jahr 2012. Dann feiert Meggle in Reitmehring sein 125. Jubiläum.

Bereits vorher sollen drei neue Rundtanks für die Milchanlieferung entstehen. Dieser Bauantrag der Molkerei wurde vom Ausschuss eintimmig befürwortet.

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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