Geplante Demonstration abgeblasen

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Wegen der Umgestaltung des Neubeurer Marktplatzes und des Erhalts der beiden Kastanien ist ein heftiger Streit entbrannt.

Neubeuern - Entgegen der ursprünglichen Planung findet am Freitag keine Demonstration für den Erhalt der beiden Kastanien am Neubeurer Marktplatz statt.

Sylvia Perner, die ehemalige Ortsvorsitzende des Bundes Naturschutz (BN), hatte die Protestkundgebung vorgestern bei der Gemeinde beantragt, diesen Antrag am Mittwoch aber wieder zurückgezogen.

Obwohl die Demonstration nach Auskunft von Geschäftsleiter Karl Seidl von der Gemeinde Neubeuern genehmigt worden wäre, haben sich für Perner vier wesentliche Gründe gezeigt, das Vorhaben abzublasen. Bürgermeister Josef Trost sei in Urlaub, ebenso viele Leute, die für den Erhalt der Bäume vermutlich mit auf die Straße gegangen wären. Zudem, so Perner, hätte die Demonstration nicht unter dem organisatorischen Dach des BN stattfinden können. "Außerdem ist die Stimmung im Ort dermaßen aufgeheizt, dass wir nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen wollten", nennt sie einen weiteren Aspekt, der den Ausschlag für ihren Rückzieher gab.

Nachlassen in dem Bemühen um den Erhalt der Bäue will allerdings nicht nur Perner nicht. So soll die Unterschriftensammlung, mit der die Bürger ihren Wunsch nach dem Erhalt der Kastanien zum Ausdruck bringen können, jetzt bis zum 10. September verlängert werden. Die Resonanz sei groß, so Perner. "Vor wenigen Tagen hatten wir bereits 406 Unterschriften gezählt. Allein heute habe ich wieder vier neue Listen mit Namen bekommen." Überreicht werden sollen sie Bürgermeister Josef Trost jetzt voraussichtlich am Tag der nächsten Gemeinderatssitzung, die am 11. September stattfinden soll. Organisatorische Details sollen mit Trost nach der Rückkehr aus seinem Urlaub abgeklärt werden.

Gemeinsam mit Gemeinderat Franz Steinkirchner, der sich zuletzt mehrfach deutlich für den Erhalt der Kastanien ausgesprochen hatte (wir berichteten), hofft Perner auf ein Einlenken des Gemeinderates in dieser Frage. Beide halten ein Bürgerbegehren zum Erhalt der Bäume nur für das "allerletzte Mittel" und haben gegenüber dem OVB klar ausgeschlossen, ein solches Begehren an vorderster Front anzuleiern. "Ich ändere zwar meine Meinung zu den Kastanien nicht, aber ich stehe für ein solches Begehren nicht als treibende Kraft zur Verfügung, solange ich Gemeinderat bin", sagt Steinkirchner. Perner verweist auch darauf, dass ein Bürgerbegehren die Gemeinde Steuergelder kosten würde, und empfiehlt auch aus diesem Grund, "den Ball erst einmal flach zu halten".

Dr. Rainer Pawelke, der kürzlich mit zwei Mahnwachen am Marktplatz für den Erhalt der Bäume demonstriert hatte (wir berichteten), schlägt in diesem Punkt mittlerweile etwas andere Töne an. "Wir brauchen Plan B, und der läuft knallhart auf ein Bürgerbegehren hinaus", meint der Mediziner - nicht zuletzt aus Verärgerung darüber, dass Bürgermeister Josef Trost trotz einer entsprechenden Bitte nicht den Kontakt zu den Gegnern der geplanten Baumfällung sucht. "Ich teile Ihnen mit, dass der Marktgemeinderat derzeit keinen Bedarf für das von Ihnen gewünschte Gespräch sieht", heißt es in einem kurzen Schreiben, das Trost Pawelke zukommen ließ.

Als generelle Verweigerung eines Dialogs will Vize-Bürgermeister Hans Schmid, der derzeit das im Urlaub weilende Gemeindeoberhaupt vertritt, diese Aussage jedoch nicht verstanden wissen. Ein solches Gespräch mache laut Schmid allerdings nur im Beisein des gesamten Gemeinderates Sinn. Momentan seien einige Mandatsträger im Urlaub. "Wir lassen uns nicht kurzfristig in einen Termin reintreiben, nur weil einige Leute Druck machen", macht Schmid deutlich, dass die Gemeinde das weitere Vorgehen auch im Hinblick auf die zeitliche Schiene bestimmen will. Pawelke hält eine Demonstration für unerlässlich und bringt sich bei Bedarf auch selber als Organisator ins Spiel. "Im Notfall würde ich mein Netzwerk mobilisieren."

Claus Hähle vom Hotel Garni Burgdacherl, ebenfalls ein Befürworter des Kastanien-Erhalts, spricht mittlerweile von einer "Einschüchterungswelle mit erschreckender Dimension" in Neubeuern. Auch auf einige Gemeinderäte werde Druck ausgeübt, um sie auf die Linie des Bürgermeisters zu bringen oder auf dieser zu halten, ist er überzeugt. Nachdem er sich in einem Leserbrief kritisch mit der Umgestaltung des Marktplatzes auseinandergesetzt hatte, erhielt Hähle noch am gleichen Tag eine Mail des Rathauschefs. "Wenn Sie schon einen Leserbrief an das OVB zur Veröffentlichung senden, sollte dieser auch sachlich richtig sein", beginnen die Zeilen des Bürgermeisters. Trost spricht in der Mail von einem "klaren Gemeinderatsbeschluss", der das Gemeinwohl vor Einzelinteressen stelle.

Einen Anruf bekam Hähle nach seinen Angaben auf seinen Lesebrief hin auch von Gemeinderätin Christina zur Hörst. Die habe ihm am Ende des Gesprächs den Hörer aufgeknallt. Zur Hörst bestätigte gegenüber dem OVB das Telefonat, nicht jedoch Hähles Version von dessen Ende. Die Familie zur Hörst saniert den Hofwirt, der hinter den Kastanien steht. In einem Brief an das OVB hatte sich Dr. Elmar zur Hörst erst kürzlich darüber beklagt, dass der Familie "in sehr unsachlicher Weise" unterstellt werde, wegen der Hofwirt-Sanierung die Entfernung der Kastanien anzustreben. "Ob die Bäume wegkommen, ersetzt oder belassen werden, hat keinerlei Einfluss auf unser Vorhaben", versicherte zur Hörst.

red/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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