Ehe-Krieg auf dem Rücken der Kinder

Wasserburg - Die Familienstreitigkeiten eines geschiedenen Paares aus dem Wasserburger Umland beschäftigen die Gerichte seit Jahren.

Vor dem Amtsgericht in Rosenheim, Zweigstelle Wasserburg, musste sich ein 51-jähriger Familienvater nun wegen Kindsmisshandlung verantworten.

Laut Anklageschrift soll er 2005 oder Anfang 2006 seinem Sohn im Beisein der Schwiegermutter beim Essen die Gabel mit den Zinken in den Handrücken gestoßen haben, um ihn dafür zu bestrafen, dass er zuvor Pommes Frites von seinem Teller genommen habe. Dabei erlitt der Bub minimale Blutungen. Einige Zeit später, zu einem nicht näher klärbaren Zeitpunkt im April oder Mai 2006, soll der Angeschuldigte seinem Sohn ins Gesicht geschlagen haben, so dass das Kind mit seinem Stuhl umfiel und mit dem Kopf gegen einen Türrahmen stieß. Dabei zog es sich eine Einblutung und ein Hämatom an der rechten Stirn zu.

Beide Vorfälle kamen erst bei der späteren gerichtlichen Auseinandersetzung zur Sprache. Für die Verteidigung ein klarer Beweis, dass sich die Exfrau des Mandanten "auf perfide Weise" für entgangene Unterhaltszahlungen rächen und erreichen wolle, dass der Vater von den Kindern ferngehalten werde. Einen Verdacht auf sexuellen Missbrauch habe die Exfrau später dementiert.

Laut Verteidiger habe der Scheidungskrieg in den letzten fünf Jahren "mehrere Richter und Umgangspfleger aufgearbeitet". Es habe einige Gutachten und Prozesse gegeben. Auch die Erziehungsfähigkeit der Exfrau sei untersucht und die Unterbringung in einer Pflegefamilie geprüft worden. Mittlerweile habe sein Mandant eingesehen, dass er seine Kinder verloren habe und alle Anträge auf Umgang zurückgezogen.

Der Angeklagte bestritt vehement, seinen Sohn so geschlagen zu haben, dass dieser vom Stuhl gekippt sei. Allerdings räumte er ein, schon mal eine Watsche ausgeteilt zu haben, um Grenzen abzustecken. Das sei zwar nicht das richtige Erziehungsmittel, anders habe er sich aber nicht durchsetzen können. Seine Ehefrau und die Schwiegereltern hätten zusammengehalten und den Kindern viel erlaubt.

Den Vorfall mit der Gabel hatte der Angeschuldigte ganz anders in Erinnerung. Demnach hatte sein Sohn Pommes von seinem Teller "stibitzt" und es habe ihn aufgeregt, dass der Bub laufend auf seinen Teller gelangt habe. Zumal es ihm pressiert habe, weil er wieder zur Arbeit gemusst habe. Deshalb habe er seinen Ellbogen auf dem Tisch abgestützt und die Gabel hochgehalten, um seinem Sohn Einhalt zu gebieten. Der habe jedoch weiter mit seinen Händen herumgefuchtelt und dabei mit der Hand auf die Gabel geschlagen. Das sei aber keine große Verletzung gewesen. Lediglich ein kleines Pünktchen sei zu sehen gewesen.

Etwas anders schilderte seine Exfrau den Vorfall. Ihre Mutter habe von dem Zwischenfall mit der Gabel erzählt, die Verletzung sei zwar nicht "dramatisch", doch deutlich sichtbar gewesen.

Der zweite Vorfall sei schließlich das I-Tüpfelchen gewesen, das nach jahrelanger Gewalt zur Trennung von ihrem Mann geführt habe. Damals habe der Sohn dem Papa etwas erzählen wollen, doch der habe nicht zugehört. Daraufhin habe der Bub gesagt, "Mei, Papa, bist du blöd". Da sei ihr Mann aufgestanden und habe zugeschlagen. Der Sohn sei mit dem Klappstuhl umgefallen und gegen den Türrahmen gerollt. Glücklicherweise habe es keine größeren Verletzungen gegegeben. Sie wolle keine Strafe für ihren Exmann, eher Hilfe, sagte die 38-Jährige.

Die Schwiegermutter betonte, es sei öfter zu körperlichen Misshandlungen gekommen. Mit ihrer Tochter habe sie oft darüber geredet, wie ihr Schwiegersohn mit den Kindern umgehe.

Die Staatsanwaltschaft sah die Anklage der vorsätzlichen Körperverletzung in Tatmehrheit mit gefährlicher Körperverletzung vollumfänglich bestätigt. Die Zeugen seien glaubhaft und hätten sich ohne Belastungseifer gezeigt. Daher sei eine Gesamtfreiheitsstrafe von acht Monaten mit einer Geldauflage von 1000 Euro tat- und schuldangemessen.

Der Verteidiger plädierte für einen Freispruch, da seiner Meinung nach die Zeugen überwiegend die Unwahrheit gesagt hätten und die Vorwürfe verjährt seien.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten schließlich wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 35 Euro, denn es bestand aus der Sicht des Gerichts kein Zweifel, dass der Angeklagte seinen Sohn geohrfeigt und auch mit der Gabel zugestochen habe. Das sei aber nur einfache Körperverletzung und diese sei verjährt. Abgesehen davon sollten sich alle Beteiligten Gedanken über Familienverfahren machen, denn die gingen auf jeden Fall zu Lasten der Kinder.

ca/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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